Halberstadt l Der Wind zerrt an den Planen. Er heult um das große Dach, das an diesem Tag den Arbeitern auf dem Plateau zwischen den Domtürmen ein bisschen Schutz bietet. „Zum Glück haben wir Ostwind“, sagt Rolf Mohns. Als Vorarbeiter ist der Zimmerer gerade dabei, helle Bretter auf den Dachstuhl zu montieren. Peter Stagge schneidet die Dachschalung mit einem Gehilfen zurecht, reicht sie nach oben.

In der Woche vor Ostern war der neue Dachstuhl gerichtet worden, eine exakte Replik des Vorgängers, wie Dombaumeister Volker Lind berichtet. Marco Garke vom Abbundzentrum Halberstadt hatte ein genaues Aufmaß angefertigt, nachdem der neue Dachstuhl dann in dem Halberstädter Unternehmen gezimmert werden konnte. „Wir haben also einen originalgetreuen Nachbau des Daches, so, wie es im 19. Jahrhundert aufgebaut worden war“, sagt Lind. 1892 waren die Türme der gotischen Kathedrale bereits zum zweiten Mal wegen Baufälligkeit saniert und in ihre heutige Form umgebaut worden.

Viele Handgriffe

Die Konstruktion ist nicht ganz simpel, denn eigentlich sind es zwei Dächer, die den Mittelbau zwischen den Türmen vor Wind, Regen und Sonne schützen. Ein Satteldach ist in Nord-Süd-Richtung gebaut, ein etwas höheres schiebt sich in Ost-West-Richtung darüber.

Für den Anschluss an das mächtige Dach des Längsschiffs der Kirche ist ein Walm gebaut worden, den derzeit noch Planen schützen. Sie verhindern, dass Regen eindringt und der Wind unter das Dach greifen kann, das hier am Westende sogar noch als mittelalterliche Konstruktion erhalten ist. Und das ursprünglich gar nicht so hoch werden sollte, wie der Blick auf die Ziergiebel zeigt. „Aber als die Halberstädter erfuhren, dass der Magdeburger Dom so hoch wird, wollte man dem nicht nachstehen. Also ließ man die Gewölbe vergrößern und damit das Dach höher aufsetzen als ursprünglich geplant“, berichtet Volker Lind.

140 Quadratmeter

Die an das Hauptdach anlehnenden Balken des Walms werden erneuert, mit einer Dachschalung versehen und dann mit Schiefer gedeckt, so wie das ganze Längsdach des Doms. Die beiden Satteldächer davor erhalten eine Kupferdeckung.

Aber das wird noch ein bisschen dauern, das rund 140 Quadratmeter Fläche umfassende Zwischendach ist aufgrund seiner Konstruktion keines, das im Handumdrehen verschalt und gedeckt ist. Zwar geht es an den großen Schrägen rasch vorwärts, aber es sind viele Winkel und schmale Ecken, die viele Handgriffe von den Mitarbeitern der Nordhäuser Dachdeckerfirma Gülle fordern.

Kulturstiftung ist Bauherrin

„Geplant ist, dass die Dachdeckerarbeiten in der 20. Kalenderwoche, also ab dem 13. Mai, beginnen. Das hängt aber auch bisschen davon ab, wie das Wetter die derzeitigen Arbeiten beeinflusst“, erklärt Dombaumeister Lind. Er erläutert auch, was die schmalen Fugen für eine Funktion haben, die an den Kalksteinmauern der Türme erkennbar zeigen, wo das alte Dach verlief. „Die Fugen nutzen wir wieder, um die Anschlüsse herzustellen“, sagt Lind. Die Dachhaut wird in die Fuge geschoben, die mit Bleiwolle abgedichtet wird. Auch die vielen Kehlen, die durch die Kreuzform des Daches entstehen, müssen sehr sorgfältig ausgekleidet werden. Schließlich war es Nässe, die seit der letzten Dachreparatur in den 1960er Jahren in das Dach eindrang und über die Jahrzehnte zu Braunfäule, Würfelbruch und Pilzbefall führte. Solche Schäden will man vermeiden.

Finanziert werden die Arbeiten von der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt. Als Bauherrin investiert die Stiftung rund 150 000 Euro in die Dachsanierung.