Halberstadt l Sigrid Hoppe kann die Hände nicht still halten. Jedenfalls strickt und häkelt sie leidenschaftlich gerne. Ihre Begeisterung für Schönes und Dekoratives ist ebenso ausgeprägt wie ihre Hilfsbereitschaft. Beides vereinte sie im März mit einem Aufruf, bis zu den Sommerferien 222 Mützen anzufertigen die an Bedürftige abgegeben werden sollen.

Auf den auch im Online-Auftritt der Volksstimme veröffentlichten Aufruf meldeten sich Handarbeitsbegeisterte aus dem ganzen Bundesgebiet. Die dachten zunächst, es gelte einen Rekord zu brechen. Doch auch nach ihrem Hinweis, es solle eine regionale Aktion ein, blieben einige Mitstreiter dabei und schickten Sigrid Hoppe Päckchen mit Mützen, Schals, Westen, Socken.

Spende für Bedürftige

Doch wie die wärmenden bunten Schönheiten an den Mann, die Frau, das Kind bringen? Einen Termin hatte Sigrid Hoppe rasch vereinbart. Der Abschluss der in der Liebfrauenkirche stattfindenden Begegnungsreihe „All together now“ am 29. September schien ihr passend, um die wärmenden Kleidungsstücke zu übergeben. Aber wie sonst einen Zugang finden zu Menschen, die sich über solch ein Geschenk freuen?

Eine Frage, die Cathleen Brand kaum verstand, als sie den jüngsten Beitrag über die Häkel-Hilfsaktion in der Volksstimme las. „Wenn Sie wollen, wir haben die Einrichtungen dafür: die Zast, die Wärmestube, unsere Kleiderkammer“, sagte die Dekanatskoordinatorin der Caritas in Halberstadt zu Sigrid Hoppe. Die 66-Jährige hatte an Kinderheime, Bahnhofsmission und Wärmestube gedacht, als sie die Aktion startete, und so sagte sie Cathleen Brand gerne zu, die Winteraccessoires an Einrichtungen der Caritas zu spenden.

Gestern nun wurde ein erster Schwung der insgesamt 629 kunterbunten Mützen übergeben. 200 brachte die Halberstädterin in die Zentrale Anlaufstelle für Asylbewerber (Zast), wo die Caritas eine Lernwerkstatt hat, also Unterichtsstunden betreut, Beratungsangebote unterbreitet und den Kinderschutzraum der landeseigenen Einrichtung unterstützt.

Tradtion zum Schulanfang

Die Mädchen und Jungen, die gestern lernen sollten, mit welchen Traditionen der erste Schultag in Deutschland verbunden ist, warum es Zuckertüten gibt und was in ihnen steckt, freuten sich über die Überraschung und probierten, welche Mütze am besten zu ihnen passt. Denn nicht nur in der Farbe unterscheiden sich diese, auch in Form und Art der Anfertigung. Da gibt es gehäkelte, aber auch gestrickte Wollmützen, mit und ohne Bommel, mehr- oder einfarbig.

Im Gepäck hatte Sigrid Hoppe außerdem noch fünf Paar Socken, ebenso viele Handschuhe, vier Westen, drei Paar Hausschuhe, elf Babydecken und 14 Schals. „Manche der Kinder kamen und zeigten mit ihren Händen, dass sie gern auch einen Schal hätten“, berichtete die Halberstädterin nach der Übergabe. „Weil wir davon aber nicht so viele haben, habe ich anschließend eine Halberstädterin, die mich besonders unterstützt, angefragt, ob sie bereit ist, auch noch ein paar Schals zu stricken. Ich fange damit auch gleich an“, berichtete die 66-Jährige nach der für sie berührenden Begegnung mit den Jungen und Mädchen.