Halberstadt l Eigentlich hatte er keine Überraschungen mehr erwartet. Eigentlich. Die Maurer haben ihre Arbeit beendet. Später als erwartet, weil weitaus mehr Putz von den Wänden abgeschlagen und neu aufgetragen werden musste als ursprünglich angenommen, aber sie sind fertig.

Die großflächigen Erneuerungen an den Wänden und Deckenanschlüssen im nördlichen und südlichen Seitenschiff sind bereits neu gestrichen und der Farbauftrag für die große frisch verputzte Wand oberhalb der Grablege in der nördlichen Vierung ist ein noch überschaubarer Aufwand, als Joachim Schiemann, Vorsitzender Presbyteriums der Liebfrauengemeinde, ankündigt, dass zum 1. November die Liebfrauenkirche wieder ihre Pforten öffnen wird.

Wiedereröffnung verschoben

Vorher muss nur noch eine Firma die Bauendreinigung vornehmen, damit anschließend die Gemeindemitglieder ebenfalls zum Säubern und Einräumen der großen hellen Kirche anrücken. Doch die geplante Wiedereröffnung muss noch einmal verschoben werden, wie Joachim Schiemann erfuhr.

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Die für die Bauendreinigung gebuchte Firma kann erst am 5. und 6. November ihre Mitarbeiter schicken. Und weil erst danach der Feinschliff des Putzens in der Kirche erfolgen kann, wird es wohl noch bis zum 15. November dauern, bis die Gemeinde ihre Kirche wieder nutzen kann und Touristen die berühmten, kunsthistorisch besonders wertvollen Figuren der Chorschranken aus der Zeit um 1200 bewundern können. Die sind zuzeit sorgfältig abgeklebt. Denn der feine Baustaub dringt in jede noch so kleine Ritze. Überall auf Bänken, Nischen, Vorsprüngen liegt der helle Staub.

Orgel-Reparatur

Auch auf dem Gerüst, das noch an der Westseite der einzigen erhaltenen viertürmigen Basilika aus der Zeit der Romanik in Nord- und Mitteldeutschland steht. Das nutzen die Mitarbeiter der Orgelbaufirma Hüfken gerade, um einige Reparaturen an der Orgel vorzunehmen, die wie ein Schwalbennest an der Wand zu kleben scheint.

Bevor die Putz- und Malerarbeiten begannen, hatte das Team um Johannes Hüfken die 753 Pfeifen zählende Orgel zum Schutz vor dem Staub sachgerecht eingehaust und ein Gebläse installiert, dass verhinderte, dass Luft und damit der Baustaub aus dem Kirchenraum in die Orgel dringt.

Schäden entdeckt

Für diesen Schutz wurden die vordersten sichtbaren Pfeifen abgenommen. „Dabei wurde nicht nur eine Verschmutzung der Orgel sichtbar, sondern es wurden auch einige Schäden entdeckt“, berichtet Joachim Schiemann. Als Vorsitzender Presbyteriums der Liebfrauengemeinde kümmert er sich federführend um die Bauarbeiten und weiß die Orgel bei Johannes Hüfken in guten Händen.

Doch der überbrachte Mitte Juli Nachrichten, die Schiemann sofort Anträge stellen ließen: „Als wir die 81 Pedalpfeifen, die zugleich den Prospekt, also die Ansicht der Orgel bilden, ausgebaut hatten, haben wir nicht nur Schäden an den Pfeifen entdeckt, sondern auch, dass die Windlade gerissen ist“, berichtet Johannes Hüfken. Den starken Holzwurmbefall erwähnt er fast beiläufig. Mittlerweile sind viele der Holz- und Metallpfeifen schon gereinigt, zahlreiche Zwingen zeigen, wo aktuell Leim an den Holzpfeifen trocknet. Mit warmem Wasser rücken die Mitarbeiter dem Staub von mehr als sechs Jahrzehnten zu Leibe.

Absturz-Gefahr

Weil man das ohnehin vorhandene Gerüstet nutzen kann, hatte die Gemeinde vor Start der Bauarbeiten um- und Geld eingeplant – rund 10.000 Euro. Der Evangelische Kirchenkreis gewährte einen Zuschuss von 8000 Euro, sodass die Gemeinde nur 2000 Euro selbst beisteuern muss. Doch als Johannes Hüfken beim Ausbau der Pfeifen die anderen massiven Schäden bemerkte, war klar, es muss rasch gehandelt werden. Was der Orgelsachverständige des Kirchenkreises bestätigte.

So lässt sich die Windlade, die den Ton erzeugenden Wind zu den Pfeifen bringt, nur reparieren, wenn diese ausgebaut sind. Da dies gerade der Fall ist, sollte man aktiv werden, so Hüfken. Wartet man zu lange, klingt die Orgel irgendwann nicht mehr. Dazu kommt , dass zahlreiche Pfeifenfüße beschädigt sind. Damit besteht die Gefahr, dass Pfeifen sich lösen und in die Tiefe stürzen könnten.

Spenden willkommen

Für diese aufwändigeren Reparaturen müssen noch einmal 15.000 Euro aufgetrieben werden, sagt Schiemann, der kurzfristig einen Antrag an den Orgelfonds der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands gestellt hat. „Wir bekommen 5000 Euro aus diesem Topf. Den Rest müssen wir über Spenden finanzieren.“

Zu Deckung der Mehrkosten für die Beseitigung der Nässeschäden an Mauern und Putz, hilft bereits der Kirchbauverein der Gemeinde.

Wer die Orgelsanierung unterstützen will, kann spenden auf folgendes Konto: Kreiskirchenamt Harz-Börde, Harzsparkasse Halberstadt, IBAN: DE50 8105 2000 0350 1137 00; Verwendungszweck: Liebfrauengemeinde Spende Orgelreparatur