Halberstadt l Nach der Aufzählung herrscht erstmal Schweigen. Gisela Kießling schaut Rüdiger Becker einen Moment nachdenklich an, dann sagt sie: „Es soll schon für die Öffentlichkeit direkt spürbar werden. Also dann ist es für die Ausstellung.“ Wobei „es“ 600 Euro sind, die die Halberstädterin dem Direktor des Museums Heineanum am Montag überreichte. Die ehemalige Zahnärztin hatte aus Anlass eines runden Geburtstages um Spenden gebeten und die Summe dann aufgestockt. Auf dem Umschlag thronen liebevoll gestaltetet Geldvögel, gebastelt von ihrer langjährigen Praxismitarbeiterin, wie Gisela Kießling berichtet. Sie hatte in der Einladung zu ihrem Geburtstag den Adressaten der Spenden mit angegeben.

„Ich bin durch die Zeitungsbeiträge über das Heineanum aufmerksam geworden und dachte mir, wir sollten was für dieses Schatzkästchen in Halberstadt tun. Und nicht nur für den Dom“, erläutert Gisela Kießling, die sich sonst sehr für die Kathedrale und die Kirchenmusik engagiert.

Erstaunt über Summe

Solche Unterstützung aus der Bürgerschaft freut den Museumschef, der erstaunt ist über die große Summe. Und dann wissen will, wofür das Geld eingesetzt werden soll: „Für die Arbeitsgemeinschaft Junge Ornithologen? Für die Museumspädagogik? Für den Erhalt der Sammlung? Für die Ausstellung?“

Keine Ersatzteile mehr

Die Umrüstung der Beleuchtung der Ausstellungskojen auf LED-Technik hat das Haus inzwischen fast komplett aus eigenen Mitteln gestemmt, berichtet Becker, aber es gebe noch immer sehr viel zu tun, um die Ausstellung zu modernisieren. So ist die Anlage, mit der die Besucher sich auf Knopfdruck die Stimme eines der ausgestellten Vögel anhören können, in die Jahre gekommen. Hinter der Tastatur ist ein CD-Player installiert, es dauert also einen kurzen Moment, bis der Vogelruf ertönt. Das dauert manchen Besuchern, vor allem Kindergruppen, zu lange und sie drücken eine andere Taste und dann noch eine und noch eine. Das verursacht nicht nur ein heilloses Durcheinander an Vogelstimmen, wenn das in mehreren Kojen gleichzeitig geschieht. Solchen Belastungen hält die 25 Jahre alte Technik kaum Stand. „Und es gibt keine Ersatzteile mehr für die Anlage“, hat Becker erfahren müssen.

Deshalb schwebt ihm vor, dass künftig an den Vitrinen QR-Codes angebracht werden. Die kleinen schwarz-weißen Quadrate können die Besucher mit ihrem Smartphone scannen und dann die entsprechenden Vogelstimmen auf ihrem Mobiltelefon hören. „Und für jene, die kein solches Handy besitzen, wollen wir – in Absprache mit dem Städtischen Museum – an der Kasse Geräte zum Ausleihen anbieten“, sagt Becker. Noch ist das Zukunftsmusik, aber es ist höchste Zeit zum Handeln. Also wird das Spendengeld in dieses Projekt fließen, das ist nach einem kurzen Rundgang klar.

Weitere Ideen geboren

Dabei lässt Rüdiger Becker die Spenderin an weiteren Ideen teilhaben, die das Museum mit seiner Sammlung fit machen sollen für die Erwartungen der Besucher im 21. Jahrhundert. Denn dass viele Eltern, die beim Projekt der MuseobilBoxen mal wieder zu Gast in der Einrichtung waren, laut feststellten, dass es noch immer so aussehe, wie zu ihren Kinderzeiten, hat Becker nachdenklich gestimmt.

Hoffen auf Geld

Verändert wurde der Eingangsbereich, der die Besucher in die Urzeit führt – mit zwei Skeletten von Saurierarten, die direkt in Halberstadt gefunden wurden. Auch das Schädelfragment eines Riesenhirsches gehört zu dieser Urzeit-Schau und der Backenzahn eines Wollmammuts. Für den Laien ist beides schwer zu erkennen. Auch hier könnte moderne Technik helfen, um auf den Displays der Smartphones den kompletten Schädel darzustellen.

Auch in den Fenstern zur Hofseite könnte sich der Museumschef dank moderner Technik lebendigere Werbung für sein Naturkundemuseum vorstellen. So die Fenster denn überhaupt mal saniert werden. Seit Jahren fallen die dafür erforderlichen Gelder dem Spar­zwang der Stadt zum Opfer.

Doch nicht nur einen modernen Zugang zu den Ausstellungsstücken treibt den Museumschef um. Im Depot lagern zahlreiche Typusexemplare, also Vogelpräparate, die sozusagen den Standard für die jeweilige Art festlegen. Sie alle sind einem großen, schweren Schrank aufbewahrt. Diesen bekämen in einem Brandfall die Feuerwehrleute kaum aus den Depot heraus. „Deshalb hoffen wir, irgendwann mal Geld dafür übrig zu haben, drei kleinere, leichtere Schränke anzuschaffen, die rasch gesichert werden könnten, um diese Biologieschätze zu bewahren.“