Heimatgeschichte

Hut und Horn fürs Schwanebecker Heimathaus

Im Heimathaus Schwanebeck wird am 15. August eine Sonderausstellung eröffnet. Sie widmet sich der Postgeschichte und der einer Schwanebecker Familie. Dafür gab es jetzt zwei besondere Objekte aus dem Städtischen Museum Halberstadt.

Von Sabine Scholz 01.08.2021, 10:52
Museologe André Pohl hält das Posthorn, Museumsdirektorin Dr. Antje Gornig den Postillonhut. Beides leiht das Städtische Museum Halberstadt an den Heimatverein Schwanbeck aus, beide Stücke stammen ursprünglich aus dem Ende der 1960er Jahre zu DDR-Zeiten enteigneten Heimatmuseum  Schwanebeck. Martina Kosinski und Angelika Arnoldt (links) vom Heimatverein Schwanebck planen eine Sonderausstellung zur Postgeschichte, der letzte Postillon des Städtchens war Kosinskis Ururgroßvater Karl Schulze.
Museologe André Pohl hält das Posthorn, Museumsdirektorin Dr. Antje Gornig den Postillonhut. Beides leiht das Städtische Museum Halberstadt an den Heimatverein Schwanbeck aus, beide Stücke stammen ursprünglich aus dem Ende der 1960er Jahre zu DDR-Zeiten enteigneten Heimatmuseum Schwanebeck. Martina Kosinski und Angelika Arnoldt (links) vom Heimatverein Schwanebck planen eine Sonderausstellung zur Postgeschichte, der letzte Postillon des Städtchens war Kosinskis Ururgroßvater Karl Schulze. Sabine Scholz

Schwanebeck - Das Leder ist steif geworden über die Jahrzehnte, vom sicher einst prächtigen Rosshaar-Büschel sind nur kümmerliche Reste geblieben. Man sieht, wo der Hut angefasst wurde, um ihn aufzusetzen und zurechtzurücken. „Er hat noch immer die exakte Passform seines Trägers“, sagt André Pohl. Der Museologe ist unter anderem für den Sammlungsbestand des Städtischen Museums zuständig und hat den Hut aus dem Magazin geholt. Das preußische Wappen vorn zeigt, der Träger hatte amtliche Aufgaben zu erfüllen.

Der Träger war Postillon, der letzte in Schwanebeck – Karl Schulze. Das ist in der Dokumentation zu dem Objekt vermerkt, das André Pohl deshalb auch rasch finden konnte im Depot. Länger gesucht hat er nach einem Posthorn, das ebenfalls einst von Karl Schulz geblasen worden war. Der fuhr Ende des 19. Jahrhunderts die Postkutsche zweimal an Tag zu festen Zeiten zwischen Schwanebeck und Krottorf.

Ururenkelin begibt sich auf die Suche

Vielleicht war er auch Zubringer zur Bahnlinie Halberstadt-Magdeburg und eine Weile auch noch für die 1889 gebaute von Nienhagen nach Jerxheim. Mit der Bahn kamen Postkutschen aus der Mode, der Platz im Hof des Hauses von Karl Schulze wurde später zur Küche umgebaut, berichtet Martina Kosinski. Sie ist die Ururenkelin des letzten Postillons von Schwanebeck und sie ist der Grund, warum André Pohl in den Sammlungen des Städtischen Museums suchte.

In ihrer Familie war immer erzählt worden, dass das Posthorn ihres Ururgroßvaters im Museum in Halberstadt zu sehen sei. „Als Kind habe ich es mir auch angeschaut“, berichtet Martina Kosinski, als sie am Mittwoch Hut und Horn entgegennimmt. Das Horn zu finden war schwierig, sagt André Pohl, es gibt keine Dokumentation dazu in der Datenbank. Es war mit zu den Militaria-Objekten geräumt worden.

Rückführung wäre möglich

Aber letztlich fand André Pohl das unscheinbare Instrument und so können nun beide Stücke aus Schwanebeck heimkehren. Zumindest auf Zeit. „Wir wollen am 15. August unser Heimathaus wieder öffnen und bereiten dafür eine Sonderausstellung zur Postgeschichte vor“, berichtet Angelika Arnoldt. Sie ist wie Martina Kosinski im Vorstand des Heimatvereins Schwanebeck aktiv. Die Sonderschau, so Arnoldt, wird bis Anfang Oktober gezeigt. Dann kehren Hut und Horn wieder zurück ins Städtische Museum. Man habe zunächst einen Leihvertrag bis 21. Oktober geschlossen. „Hier sind die Objekte langfristig gesehen doch wesentlich professioneller und sicherer aufbewahrt, als das bei uns der Fall ist“, sagt Kosinski. Ob man irgendwann eine Rückführung beantragt – die Objekte waren in den 1960er Jahren nach Halberstadt gekommen, als das Heimatmuseum in Schwanebeck aufgelöst worden war -, wisse man derzeit noch nicht.

Dass sich die Stücke überhaupt fanden, freut die beiden Vorstandsfrauen. Sie haben zur Übergabe ein Foto vom letzten Postillon mitgebracht und einen Briefbeschwerer, vielleicht war es auch ein Aschenbecher, den Karl Schulze zum 80. Geburtstag geschenkt bekommen hatte. Eine Inschrift berichtet über Karl Schulze, dass der nicht nur Postillon war, sondern auch Fahrer des Leichenwagens. Auf der Rückseite hat Kosinskis Ururgroßmutter handschriftlich notiert, welche Melodie der 1849 geborene Postillon blies: „Ach tu mein lieber Gott, muss ich schon wieder fort, auf die Chaussee ohne Kaffee“.

Martina Kosinski (links) und Angelika Arnoldt vom Vorstand des Schwanebecker Heimatvereins mit dem Briefbeschwerer, der den Anstoß zur Suche nach dem Posthorn gab.
Martina Kosinski (links) und Angelika Arnoldt vom Vorstand des Schwanebecker Heimatvereins mit dem Briefbeschwerer, der den Anstoß zur Suche nach dem Posthorn gab.
Sabine Scholz