Tierschutz

In Halberstadt sind Katzenfänger unterwegs - ihre Absichten sind gar nicht schlecht

Der Tierschutzverein Halberstadt sorgt dafür, dass Straßenkatzen kastriert werden lassen. Ein wichtiger Beitrag, um Tierleid langfristig zu mindern.

Von Vera Heinrich
An Futterstellen wie diesen hat der Tierschutzverein viele Katzen fangen können, um sie beim Tierarzt kastrieren zu lassen.
An Futterstellen wie diesen hat der Tierschutzverein viele Katzen fangen können, um sie beim Tierarzt kastrieren zu lassen. Foto: Anke Kaulfuß

Halberstadt - Was sie antreibt, ist die Verbesserung des Katzenschutzes. Die Mitglieder des Tierschutzvereins Halberstadt haben kürzlich eine Aktion zur Kastrierung von Streunern abgeschlossen, um die steigende Population von freilebenden Katzen zu verringern. „Und damit das Leid der Tiere auf der Straße“, wie die langjährige Vereinsvorsitzende Waltraud Hammer präzisiert. Sie ergänzt: „Nach Schätzungen des Landestierschutzbeauftragten leben in Deutschland etwa zwei Millionen verwilderte Hauskatzen auf der Straße, davon etwa 100?000 in Sachsen-Anhalt. Ohne Fürsorge und menschliche Hilfe sind diese Katzen häufig schlecht genährt, krank oder verletzt.“

Mit finanzieller Unterstützung des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft und Energie Sachsen-Anhalt (MULE) haben die Vereinsmitglieder herrenlose Katzen in und um Halberstadt kastrieren und kennzeichnen lassen.

Enormer Aufwand

„Ich halte das für eine wichtige, praktische Tierschutzarbeit und habe meine Zeit gern dafür eingesetzt“, erklärt Kristen Feldheim ihre Motivation, bei der Aktion mitzumachen.

Fast 160 Katzen sind seit Aktionsbeginn im vergangenen Herbst mittlerweile zusammengekommen. Ein wahrer Erfolg, findet das Mitglied des Tierschutzvereins.

Insbesondere vor dem Hintergrund des immensen Aufwandes, der für die Umsetzung des Projektes erforderlich ist. Die 52-Jährige erklärt den Ablauf: „Für uns als Tierschutzverein Halberstadt begann die große Arbeit damit, aufzulisten, wie viele unkastrierte Katzen es an bekannten Futterstellen gibt.“

Solche Futterstellen werden im ganzen Landkreis von Vereinen, aber auch von Privatleuten betrieben. Vereinschefin Waltraud Hammer betont: „Ohne unsere Tierfreunde an den Futterstellen, die die Katzen tagtäglich betreuen, wäre es nicht möglich gewesen, die Tiere zu fangen.“

Hilfe aus dem Bundesland Hessen

Kirsten Feldheim erinnert sich, dass sich an manchen dieser Punkte schon mal zehn bis 20 Katzen befinden können. Besonders schwierig sei das Einfangen der Katzen gewesen, sagt sie. „Dazu bekamen wir ehrenamtliche Hilfe von Anke Kaulfuß und Elly Keller vom Verein sommerhuskatte. Sie sind dafür extra aus dem Bundesland Hessen in den Harz gekommen.“

Feldheim sei übers Internet auf das Engagement der hessischen Tierretter aufmerksam geworden. „Das hat mich inspiriert, so ein Projekt auch im Harz auf die Beine zu stellen“, so die Halberstädterin, die die Aktion initiiert hat. Sie habe online Kontakt zu Anke Kaulfuß aufgenommen, die inzwischen mehrere Wochen in Halberstadt verbracht hat, um vor Ort zu unterstützen. „Alles auf eigene Kosten“, hebt Feldheim nicht ohne Bewunderung für ihre Mitstreiterin hervor.

Allerdings gab es zwischenzeitlich irritierte Nachfragen und Warnungen vor den vermeintlich unlauteren Katzenfängern von Anwohnern, die die Aktionen beobachtet hatten.

Über Nacht betreut

Nachdem die Katzen in Lebendfallen eingefangen worden, waren, brachten die Ehrenamtlichen sie zur Kastration zum Tierarzt. Drei Tierärzte aus dem Landkreis haben sich daran beteiligt.

Kirsten Feldheim und ihr Lebensgefährte Torsten Schmidt hatten sich bereits im Vorfeld der Aktion darum gekümmert, die Zusammenarbeit mit den beteiligten Kooperationspartnern abzustimmen, wie den Tierärzten, den Betreibern der Futterstellen und mehreren Tierschutzvereinen aus der Region. „Besonders hervorheben möchte ich die sehr gute Zusammenarbeit mit dem Wegeleber Verein Straßentiger“, so Kirsten Feldheim. „Sobald es nach dem Eingriff und einer Beobachtungszeit grünes Licht vom Veterinär gab, haben wir die Katzen wieder abgeholt und über Nacht betreut und beherbergt. Am nächsten Tag haben wir sie an der jeweiligen Futterstelle wieder frei gelassen“, erklärt sie.

Verein muss in Vorleistung gehen

Doch damit sei die Arbeit für sie und die Vereinsmitglieder noch nicht beendet gewesen. Zusammen mit Torsten Schmidt, der sich ebenfalls im Verein engagiert, hat sie die notwendigen organisatorischen und schriftlichen Arbeiten übernommen. Dazu gehörte etwa das Ausfüllen der Anmeldeformulare für jede einzelne Katze für das Haustierregister sowie die Abrechnung der angefallenen Kosten. „Dabei hat uns Waltraud Hammer sehr unterstützt“, berichtet Feldheim.

Waltraud Hammer erklärt, dass sie die Kosten für die Kastration zunächst aus der Vereinskasse vorfinanzieren müssen. „Um unsere Auslagen erstattet zu bekommen, müssen wir die vorbereiteten Unterlagen mit der Tierarztrechnung in jedem einzelnen Fall beim Landesverband Sachsen-Anhalt des Deutschen Tierschutzbunds einreichen“, so die 78-Jährige. Dabei werden die Kosten für die Kastration und die Kennzeichnung mit Mikrochips, nicht aber die Mehrwertsteuer übernommen.

„Deshalb ist der Tierschutzverein Halberstadt allen Tierfreunden sehr dankbar, die mit zweckgebundenen Spenden für die Mehrwertsteuer den Verein unterstützt haben“, teilt die Vereinsvorsitzende mit.

Spenden decken Mehrwertsteuer-Anteile

Kirsten Feldheim spricht einen besonderen Dank für drei Tierschutzorganisationen aus dem Raum Frankfurt am Main aus. Diese haben die Halberstädter bei ihrem Vorhaben mit Spenden finanziell unterstützt. Wieder eine Unterstützung, die sie der Hessin Anke Kaulfuß zu verdanken hätten. Die Tierschützerin habe den Kontakt zu den süddeutschen Vereinen erst hergestellt.

Weitere finanzielle Mittel seien notwendig gewesen, da die Finanzierungsmöglichkeiten über das MULE-Förderprogramm bereits voll ausgeschöpft waren. So erklärt die Halberstädterin: „Jeder Verein kann nur Kosten von bis zu 4000 Euro vom Ministerium fördern lassen.“ Das entspreche ungefähr 50 Kastrationen der Katzen und sei angesichts der 160 gefangenen Tiere nicht ausreichend gewesen, so die Katzenliebhaberin.

Torsten Schmidt betont, wie wichtig finanzielle Unterstützung für ihre Arbeit sei: „Dass wir so viele Tiere kastrieren lassen können, ist nur dank der Fördermittel und Spenden möglich.“ Er hofft sehr, dass das Förderprogramm „Kastration ist Tierschutz“ fortgesetzt werde, selbst wenn es nur eine Teilfinanzierung sei.

„Viele Tierschutzvereine, gerade die kleineren, sind schnell überfordert mit den anfallenden Kosten“, sagt er und ergänzt: „Der Tierschutzverein ist daher dankbar für jede Spende.“