Halberstadt l. Der Domschatz hat bereits einige Jahrhunderte auf dem Buckel, die Mitglieder der „Domschatz-Martineer“-AG sind erst 16 oder 17 Jahre alt. Junge Leute, die sich mit alten Schätzen beschäftigen - eine Kombination, die überraschend gut funktioniert. Derzeit bereiten sich die Schüler auf die „Nacht im Domschatz“ vor. Seit der Unterzeichnung der Kooperation zwischen dem Gymnasium und der Domschatzverwaltung sind zwei Arbeitsgemeinschaften des Martineums regelmäßig am Dom zu Gast: Während die „Domschatzkids“ aus den 6. Klassen sich um eine sogenannte Social Wall kümmern, werden die „Domschatz-Martineer“ aus den 11. Klassen eine Dom-App sowie einen Info-Flyer präsentieren und Interessierte durch den Dom führen – vor allem die Kanzel, der Hohe Chor und die Epitaphien sollen den Besuchern nähergebracht werden.

Bei Limonade und Keksen haben die beiden Lehrkräfte Susanne Dannenberg und Olaf Beder gezielt Schüler angesprochen, ob sie nicht Lust hätten, an der Domschatz-AG teilzunehmen. Sie zu überzeugen, sei kein Problem gewesen. Die 18 Schüler haben sich in kleinen Gruppen zusammengetan, die Freitagnacht jeweils ein Projekt präsentieren. „Wir haben hier Spezialisten für alles“, erklärt Susanne Dannenberg.

Spezialisten

Einer dieser Spezialisten ist Justin Treulieb, der in seiner Freizeit programmiert und deshalb von den Lehrern angesprochen wurde, ob er nicht eine App zur Domschatznacht entwickeln will. Die App, also eine Anwendung fürs Smartphone, liefert dem Nutzer Infos zum Dom, dem Domschatz und anderen Orten der Reformation in Halberstadt– abrufbar sind beispielsweise Fakten zu den Domherren, ihren Biografien und Wappen. Mehrere Versionen haben die Schüler bereits entwickelt. „ Uns fallen immer neue Möglichkeiten ein, die wir in der App verbauen können“, so Justin. Um 21.30 Uhr werden er und sein Team die App am Freitag im Gewänder-Vorraum präsentieren, ab dann wird sie voraussichtlich auch im Android-App-Store abrufbar sein.

Eine andere Kleingruppe der Domschatz-Martineer hat sich in den letzten Monaten mit der Erstellung eines Flyers für interessierte Besucher beschäftigt. Vanessa Writte, Isabell Feider und Konstantin Paul haben Informationen zur Reformation in Halberstadt und ihren wichtigsten Persönlichkeiten gesammelt und diese in ein anschauliches Format in Form eines Flyers verpackt. Neben diesem Infoblatt für Erwachsene, das am Freitag vorgestellt werden soll, wollen die drei bald noch einen Flyer für Grundschulkinder im Stil einer Rallye veröffentlichen. Einige andere Schüler haben sich mit alten Büchern und Zeitungsartikeln aus dem Gleimhaus ab dem 18. Jahrhundert beschäftigt und aus diesen die unterschiedlichen Auffassungen der Reformation in Halberstadt und kleine Geschichten aus dem Alltag der Menschen herausgearbeitet. „Das ist schon etwas Besonderes, wenn man so ein altes Buch in den Händen halten darf“, antwortet Robin Eckhardt auf die Frage, wieso er sich gerade für diese Arbeitsgruppe entschieden hat. Auch der kostenlose Eintritt ins Gleimhaus und den Domschatz seien gute Argumente gewesen, fügt seine Mitschülerin Ida Schattenberg hinzu. Die beiden werden ihre Ergebnisse ebenfalls am Freitagabend vortragen und freuen sich schon sehr auf den Austausch mit den Gästen der Veranstaltung.

Doch auch die jüngeren Mitschüler aus den 6. Klassen, die „Domschatzkids“, haben etwas ganz Besonderes für die „Nacht im Domschatz“ vorbereitet: Die Social Wall, eine Mitmachaktion im Gewänder-Vorraum des Doms. Jeder Veranstaltungsgast ist herzlich eingeladen, den Satzanfang „Mein Schatz ist…“ auf einer großen Papierwand zu vervollständigen. Vorgestellt wird die „soziale Wand“ von den Sechstklässlern um 21 Uhr.

Am Mittwoch und Donnerstag gibt es schulfrei für die Schüler, die sich in den Domschatz-AGs einbringen. Doch nicht etwa, um das schöne Wetter zu genießen, sondern, um sich noch einmal intensiv mit ihren Projekten auseinanderzusetzen und am Freitag perfekt für die „Nacht im Domschatz“ und ihre Besucher vorbereitet zu sein.