Musikpreis

Junge Komponisten in Halberstadt ausgezeichnet

Von Von Sabine Scholz



Halberstadt. So gab es sie noch nie, die Orchesterwerkstatt junger Komponisten – ohne persönliche Begegnung der jungen Musikautoren mit den Profis des Theaterorchesters und mit ihren Tutoren. Stattdessen viel Videokonferenzen, in denen intensiv an den Stücken gearbeitet wurde.

Nur die Harzer Sinfoniker kamen endlich mal wieder nicht nur zu Proben ins Halberstädter Haus des Nordharzer Städtebundtheaters, sondern konnten nach den Proben tatsächlich auch auftreten. Allerdings vor leeren Sitzreihen. Harren die Theater doch seitdem 1. Dezember im Hoffnungsmodus aus, dass endlich Wege raus aus der Pandemie gefunden werden, die nicht nur Schließung aller Kultur- und Freizeitangebote bedeuten.

Technik hat funktioniert

Aber immerhin, sie konnten ein Konzert geben und ganz ohne Publikum waren sie nicht, wurde das Konzert mit den sieben Uraufführungen doch live im Youtube-Kanal des Theaters übertragen. Eine Premiere für das Orchester, wie Theaterintendant und Musikdirektor Johannes Rieger zu Beginn der Konzertübertragung sagte. Er sei schon etwas skeptisch gewesen, ob denn die Werkstatt virtuell funktioniere, wie er zugab. Dass es trotz der widrigen Umstände gelang, die Werkstatt stattfinden zu lassen, habe alle positiv überrascht und erfreut. Und es zeige, welche Bedeutung das Haus diesem bundesweit einmaligen Projekt beimesse, das gemeinsam mit dem Landesmusikrat Sachsen-Anhalt und der Stadt Halberstadt veranstaltet wird.

Nach tollen Proben und Seminartagen freue man sich auf die Aufführung, so Johannes Rieger. Das Konzert verfolgte auch die Präsidentin des Landesmusikrates, Prof. Dr. Jutta Schnitzer-Ungefug vor Ort in Halberstadt, die ebenfalls zu Beginn ein Grußwort sprach. Zu Gast war auch Claus Dietmar George, Geschäftsführer des Landesmusikrates, der vor Jahrzehnten die Orchesterwerkstatt mit begründet hatte.

Seminar per Video-Konferenz

Es erklangen Werke von jungen Tonkünstlern, die in den vergangenen Tagen im Rahmen der Orchesterwerkstatt an ihren Stücken gefeilt hatten. Zu den Seminaren mit den Komponisten Annette Schlünz vom Conservatoire Strasbourg und Professor Martin Christoph Redel von der Musikhochschule Detmold schalteten sich die Teilnehmer aus ihren Heimatorten via Internet zu. In Halberstadt wurden die Stücke unter der Leitung von Werkstattleiter MD Johannes Rieger von den Harzer Sinfonikern geprobt und zur Aufführungsreife gebracht – auch hier wurden die Teilnehmer per Internet zugeschaltet.

Auch die Preisverleihung am Ende des Konzertes konnte nur virtuell stattfinden. Den Andreas-Werckmeister-Preis der Stadt Halberstadt erhielten Anselm Hichert und Vincent Hagemann, die sich das Preisgeld in Höhe von 500 Euro teilen. Die 14- bzw. 16-jährigen Talente aus Erfurt (Thüringen) und Wiesbaden (Hessen) haben die Jury mit ihren Stücken „Herbstszenen „Halberstädter Fassung„“ und „Herbstimpressionen“ überzeugt.

Auftrag für Neues

Doppelte Freude auch beim Preis der Deutschen Orchester-Stiftung. Den nahmen der 18-jährige Mats Thiersch aus Köln sowie der 14-jährige Felix Gerstner, der einen Förderpreis erhielt. Sie wurden für die Stücke „IST ES NICHT“ sowie „Skizzen für Kammerorchester“ ausgezeichnet. Mats Thiersch wurde außerdem mit dem „IMPULS“-Preis ausgezeichnet, der eine Teilnahme am Impuls Campus im Rahmen des IMPULS Festivals für Neue Musik in Sachsen-Anhalt vorsieht.

Den Preis des Kuratoriums Stadtkultur Halberstadt erhielt Marlene Jacobs. Die 22-Jährige aus dem hessischen Hanau hatte sich mit dem Stück „Die Angst vor der Unendlichkeit“ für die Teilnahme an der Orchesterwerkstatt beworben. Diese Komposition befand das Kuratorium Stadtkultur Halberstadt für so ansprechend, dass es der jungen Künstlerin einen auf den Mai 2022 gerichteten Kompositionsauftrag für die Harzer Sinfoniker erteilte. Dieser Auftrag ist mit 1.000 Euro dotiert.