Halberstadt l „Manche Eltern würden ihre Kinder am liebsten bis ins Schulgebäude fahren“, sagt Ralf Fleischhauer und schüttelt den Kopf. Der Ordnungsamtsleiter stellt die Auswertung der Aktion „Sicherer Schulweg“ vor. Eines sei bei den dazugehörigen Kontrollen, die in Zusammenarbeit der Stadt und der Polizei seit Schuljahresbeginn stattfinden, deutlich geworden: Kinder sind vielleicht die schwächsten Verkehrsteilnehmer, Eltern nicht selten die unvernünftigeren.

So wurden 70 Autofahrer für ihr Parkverhalten vor Schulen mündlich verwarnt – in knapp sieben Wochen. Drei weitere Fahrer wurden sogar mit einem Verwarngeld belegt. Insgesamt fanden 43 solcher Kontrollen statt. Auffällig: Ausgerechnet am Gymnasium Martineum gab es mit 16 Vorfällen die zweithäufigsten. „Das hat uns überrascht“, sagt Fleischhauer.

Mehr Verkehr nach dem Unterricht

Dass es vor dem Grundschulgebäude in der Wolfsburger Straße zu Schwierigkeiten kommen könnte, damit habe man dagegen gerechnet. Aufgrund der Bauarbeiten in der Diesterweggrundschule sind die Schüler seit Schuljahresbeginn mit im Goethe-Schulebäude untergebracht. Mehr Schüler bedeutet auch mehr Verkehr vor und nach den Unterrichtszeiten. „Bei Verstößen haben wir auf Parkplätze in der Nähe hingewiesen, zum Beispiel den großen bei Aldi“, berichtet der Amtsleiter. „Die meisten Eltern haben sich einsichtig gezeigt und das Parkverhalten wurde von Woche zu Woche besser.“ Neunmal waren die Ordnungskräfte an dieser Stelle im Einsatz.

Zudem ist eine Fußgängerampel am Sargstedter Weg, unmittelbar vor der Brücke, aufgebaut worden. Diese soll den Kindern aus der Siedlung ein sicheres Überqueren der Kreisstraße ermöglichen. Für mehr Sicherheit soll auch ein Schutzgitter sorgen, das auf dem kombinierten Fahrrad- und Radweg, der von Schule zum benachbarten Hort führt, angebracht ist. „Es war schon vorher nicht erlaubt, dort mit dem Auto langzufahren, aber es wurde immer wieder getan.“

Schon im Mai haben sich Vertreter von Tiefbau- und Ordnungsamt sowie Polizisten begonnen, die Schulstandorte im Stadtgebiet unter die Lupe zu nehmen: Wo gibt es Defizite? Müssen Schilder ersetzt, Hecken geschnitten werden? „Seit einigen Jahren kommen vermehrt die Schulen auf die Stadt zu, um Anregungen zu geben und Schwachstellen zu melden“, berichtet Ralf Fleischhauer. Auch wenn nicht alles (sofort) umsetzbar sei, seien diese Hinweise sehr wertvoll.

Mängel beseitigt

So konnten in diesem Jahr am Berufsschulstandort in Böhnshausen mehrere Mängel, die die Schulleitung seit Jahren beklagt, beseitigt werden. Unter anderem wurde der Gehweg an der Bushaltestelle gepflastert. Zudem gilt nun von montags bis freitags zwischen 7 und 15 Uhr Tempo 30 vor dem Schulgebäude. Lediglich acht Fahrer wurden bei einer Kontrolle ertappt, die sich nicht an dieses Limit hielten.

Ganze 59 Verstöße wurden dagegen bei Kontrollen vor der Anne-Frank-Grundschule registriert – dort ist zwischen 7 und 17 Uhr ebenfalls nur Tempo 30 erlaubt. Insgesamt wurde seit Start des Schuljahres zwölfmal in unmittelbarer Nähe zu Schulstandorten geblitzt. Dabei wurden 160 Tempo-Sünder erwischt. Der Spitzenreiter war mit 96 Kilometern in der Stunde statt der erlaubten 50 vor der Kreismusikschule in der Südstraße unterwegs.

Wie Fleischhauer betont, werden im Laufe des Schuljahres sporadische Kontrollen stattfinden, um Autofahrer zu sensibilisieren, mehr Rücksicht auf Kinder zu nehmen. Wie notwendig das ist, zeigt die Statistik der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV). Demnach wurden allein im ersten Halbjahr 2018 52 695 Schulwege-Unfälle im Bundesgebiet gemeldet.