Serie „Otto ist Einheit“ über 35 Jahre Wiedervereinigung Mister SCM im Hintergrund erzählt: So ging es von der Fast-Pleite zurück in die Weltspitze des Handballs
Marc-Henrik Schmedt ist neben Trainer Bennet Wiegert, den motivierten Spielern, engagierten Vereinsangestellten und vielen Unterstützern im Umfeld der Handballer des SC Magdeburg der Macher im Hintergrund.

Magdeburg - In einer Serie erzählen Menschen aus Magdeburg mit Ost- oder West-Hintergrund ihre Geschichte über Wiedervereinigung und Deutsche Einheit seit 35 Jahren. Hier Marc-Henrik Schmedt, Geschäftsführer der Handballer des SC Magdeburg.
Der SCM ist seit seiner Gründung vor 70 Jahren eng mit der Stadt verwachsen und doch hat er sich genau wie Magdeburg seit der Wiedervereinigung noch einmal grundlegend gewandelt. Einer der dafür mitverantwortlich ist, ist Marc-Henrik Schmedt.
Der heutige Geschäftsführer des Sportclubs ist in Rheinland-Pfalz geboren und hatte bis zu seinem Start in Magdeburg nur wenig Vorstellung vom Osten. Nach seiner Ausbildung bei der Dresdner Bank wurden Mitarbeitende für die neuen Bundesländer gesucht und so verschlug es ihn mit 21 Jahren an die Elbe. „Das war eine komplett andere Welt“, erinnert er sich heute.
„Die Arbeitsweise in der noch völlig im Aufbau befindlichen Bank war schon ziemlich wild, aber auch faszinierend.“ Da ihn dieses Unkonventionelle und der überall spürbare Aufbruch gereizt haben, sind aus den zunächst geplanten 3 Monaten in Magdeburg mittlerweile über 30 Jahre geworden.
Zunächst ehrenamtlicher Manager der zweiten Mannschaft
Mit der persönlichen Erkenntnis „Hier will ich nicht mehr weg!“, kam der Wunsch, sich auch über den Job hinaus für die neue Heimat engagieren zu wollen. Aufgrund seines guten Netzwerkes und der Kontakte zum SCM wurde er im Jahr 2000 zum ehrenamtlichen Manager der zweiten Handballmannschaft.
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„Da ich schon immer ballsportaffin war und Lust hatte, was zu bewegen, habe ich angefangen, das Team zu organisieren und Strukturen aufzubauen“, erklärt er seine Anfänge. „Am Ende waren wir in der zweiten Liga und es kamen immer mehr Fans auch zu unseren Spielen.“
Verein war fast insolvent
Ab 2007 gab es eine schwierige Phase für den Club, in der der Verein fast gescheitert wäre. Mitten in dieser wirtschaftlichen Krise ist man auf Schmedt zugekommen, ob er sich zutrauen würde, den Handball in Magdeburg auch hauptberuflich zu managen. Er sagte zu und wurde von seinem damaligen Arbeitgeber erstmal freigestellt. „Auf einmal war ich Geschäftsführer eines fast insolventen Handballvereins,“ erzählt er mit einem Schmunzeln.
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Mit seinen Erfahrungen, seinem Engagement und seiner ansteckenden Motivation hat er maßgeblich dazu beigetragen, dass der Erfolg zurückkam. Denn nach dem ersten Titel 2016 ging es stetig bergauf. „Wenn man eine Leidenschaft für etwas hat, dann sollte man dem nachgehen“, so fasst Schmedt seine damalige Entscheidung zusammen. „Ich habe mit meiner Aufgabe beim SCM meine Bestimmung gefunden und es trotz aller Höhen und Tiefen keinen Tag bereut.“
5.000 Dauerkarten beim SCM vergeben
Mittlerweile ist der SCM wieder eine „renommierte Adresse im Welthandball“, stellt der Handball-Macher nicht ohne Stolz fest. Davon zeugen die vielen Titel der letzten Jahre, aber auch die ständig ausverkaufte Halle: „Wir haben 6.600 Plätze, davon sind 5.000 mit Dauerkarten belegt und auch für die restlichen hätten wir eine sehr lange Warteliste.“
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Um aber ein wechselndes Publikum zu haben und jedem Fan mal die Chance zu geben, live dabei zu sein, gibt der Verein diese Restkarten ganz bewusst bei jedem Spiel in den freien Verkauf. „In Magdeburg lebt man Handball“, das ist überall zu spüren, sagt er und das macht auch das besondere Wir-Gefühl in dieser Stadt aus.
„Wir müssen uns nicht verstecken“
Diese Identifikation mit dem Sport und der Stadt ist es auch, was ihn wohl für immer in Magdeburg halten wird. „Ich habe drei wichtige berufliche Entscheidungen in meinem Leben getroffen: Nach Magdeburg zu kommen, beim SCM anzufangen und dort langfristig zu bleiben.“ Natürlich hätte er auch viele andere Wege gehen können, aber dann wäre sein Leben garantiert langweiliger, da ist er sich absolut sicher. Die Zukunft der Stadt und seines Vereins sieht er überaus positiv: „Ich glaube nicht, dass wir uns vor irgendwem verstecken müssen. Magdeburg ist eine wirklich schöne und lebenswerte Stadt mit vielen Angeboten und Möglichkeiten.“
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Das hört er auch immer von den neuen Spielern, die manchmal noch etwas skeptisch hierherkommen und dann nach kurzer Zeit sehr begeistert sind. „Unsere Stärken sind die Nähe der Menschen zueinander, die bestehenden Netzwerke und die vorhandene Flexibilität.“ Außerdem haben wir sportlich sehr viel zu bieten. So sind neben den Handballern auch die Fußballer, Schwimmer und viele mehr die besten Werbeträger für die Stadt. Denn Magdeburg ist eine Sportstadt und Marc-Henrik Schmedt ist eines ihrer Gesichter.