Ferientipp

Kuscheln mit Dinos in Halberstadt

Dinosaurier und Co. sorgen in Halberstadt gerade dafür, dass bei Ferienkindern garantiert keine Langeweile aufkommt.

Von Sandra Reulecke

Halberstadt l „Jetzt machen wir einen ganz großen Schritt – in die Steinzeit“, sagt Evelyn Winkelmann. Die Ankündigung der Museumspädagogin verfehlt ihre Wirkung nicht. Neugierig recken einige der Kinder ihre Köpfe, um schon einmal einen Blick in den Raum hinter der Tür zu erhaschen. Andere tuscheln aufgeregt, bevor sie in das Zimmer treten. Und da steht es: das Skelett eines Plateosaurus.

Dass es sich bei dem Wesen mit dem komplizierten Namen um einen Dinosaurier handelt, ist zumindest den Jungen in der Gruppe längst bekannt. „Ich habe Dino-Lego und ein Buch“, berichtet Bryan. „Dinos sind toll, weil sie so stark sind“, fügt der Sechsjährige hinzu. Mit seiner Faszination ist er nicht allein. „Vor allem Jungs finden Dinosaurier total spannend. Sie kennen alle Namen“, berichtet Karin Roth. Sie ist die Erzieherin der Zuckertüten-Gruppe aus der Halberstädter Kita „Bummi“. Kurz bevor sie in die Schule kommen, unternehmen die Abc-Schützen einen gemeinsamen Ausflug ins Heineanum, das Naturkundemuseum der Stadt.

Schließlich gibt es da gerade die Gelegenheit, die Dinos und Urzeittiere, die sie aus Büchern kennen, einmal in der Realität zu sehen. „Urzeitliche Schätze“ heißt die Sonderausstellung. Zu sehen bekommen die Besucher mehr als 20 Fundstücke von echten Dinosauriern.

Die meisten davon stammen vom Plateosaurus. „Den hat es in Halberstadt wirklich gegegeben“, berichtet Evelyn Winkelmann den staunenden Kindern. „Vor etwa 220 Millionen Jahren hat er hier gelebt.“ Freilich sah die Gegend zu Lebzeiten der „Breitweg-Echse“ ganz anders aus. Statt Häuser und Autos gab es nur Bäume, Gräser und Sträucher. Die Nahrung der Tiere, sie waren Vegetarier. „Das erkennt man an der Form ihrer vielen, kleinen, spitzen Zähne“, erläutert die Pädagogin und fordert die Kinder auf, sich das mal aus der Nähe anzusehen. Ein originalgetreuer Nachbau eines Skeletts bietet dazu Gelegenheit, dem Urzeittier ins Maul zu schauen. Emma traut sich – wenn auch mit gemischten Gefühlen. „Ich mag Dinosaurier nicht, die sind gruselig“, gesteht die Sechsjährige. Spannend sei der Rundgang trotzdem.

Vor allem die „echten“ Exponate – riesige Backen- und Stoßzähne vom Mammut oder Knochen von Dinos, die bei Ausgrabungen in Halberstadt zutage gekommen sind – beeindrucken die Kinder. Und auch, wenn Mathe erst nach den Ferien auf sie zukommt, imponieren ihnen die reinen Zahlen zu den Säugetieren. „Zwischen 600 Kilogramm und vier Tonnen waren sie schwer“, informiert Evelyn Winkelmann. „So schwer wie mehrere Autos.“

Die Kinder sind jedoch nicht nur zum Zuhören ins Museum gekommen – sie wollen und dürfen selbst aktiv werden. Zum Beispiel beim Legen eines Puzzles. „Jüngere Kinder können stattdessen malen, ältere lösen ein Quiz, während sie durch die Ausstellung gehen“, sagt Evelyn Winkelmann zum Konzept der Ausstellung. Unterschiedliche Altersgruppen sollen weder unter- noch überfordert werden.

Der letzte Punkt der Sonderführung kommt jedoch bei allen Generationen gut an: In Sandkästen wird nach kleinen Schätzen gebuddelt. „Das sind Gipsabdrücke von echten Fossilien, die in Halberstadt gefunden wurden“, erläutert die Museumsmitarbeiterin. Wie Forscher dürfen die Kinder vorsichtig im Sand danach suchen, die Funde sanft mit dem Pinsel reinigen und anschließend mithilfe von Fachliteratur und Evelyn Winkelmann bestimmen, worum es sich bei ihrem Schatz handelt.

Und der kann sogar mit nach Hause genommen werden. Die Mädchen und Jungen dürfen die Andenken zuvor nach Herzenslust bemalen. „Eigentlich können die Eltern in der Zeit an einer Führung für Erwachsene teilnehmen, aber viele wollen mitmalen“, verrät Evelyn Winkelmann lachend.