Halberstadt l Direkt hinter einem Weinberg, unweit der Uferpromenade der Ihle befindet sich Halberstadt. Nein, die Domstadt wurde nicht umgesiedelt. Die Rede ist vielmehr von dem Garten, mit dem sich Halberstadt auf der Landesgartenschau (Laga) in Burg präsentiert.

Noch braucht es eine Menge Fantasie, sich eine blühende, grüne Oase vorzustellen. Lediglich ein Quadrat aus Erde, 25 Quadratmeter groß, ist auf der Rasenfläche vor den Stadtmauer-Resten zu sehen. Das wird sich bald ändern, kündigt Thomas Rimpler – Fachbereichsleiter Wirtschaft, Stadtplanung und Kultur – an. Am 5. April, reisen Mitarbeiter des Grünamtes und des Landschaftspflegebetriebs (Stala) aus Halberstadt nach Burg, um den Garten zu gestalten. Schließlich soll zur Eröffnung der größten Gartenschau des Landes am Sonnabend, 21. April, alles fertig sein.

Eiben als Zahlungsmittel

Was genau „alles“ ist, erläutert Rimpler bei einem öffentlichen Info-Abend zur Laga in Halberstadt. „Wir präsentieren ein kleines Schatzstück“, so der Fachbereichsleiter. Thematisch orientiere sich der Garten an den Schatzjahren, die gerade angelaufen sind. Dahinter verbirgt sich eine Reihe von Jubiläen, Veranstaltungen und Aktionen, die bis 2020 in Halberstadt und den Ortsteilen stattfinden, ergänzt Jeannette Schroeder. Sie betreut den Bereich Neue Medien für Halberstadt und betont, dass mit den Schatzjahren nicht nur Touristen angelockt werden sollen. Auch Halberstädter sollen die großen und kleinen, historischen wie modernen Schätze ihrer Stadt kennenlernen. „Es gibt einiges zu entdecken, was ihnen vielleicht noch gar nicht bekannt ist.“

Ein Eindruck davon wird auch auf der Laga vermittelt. Angefangen mit der Pflanzenauswahl: In allen vier Ecken des Gartens wird eine typische Halberstädter Frucht gepflanzt, sagt Thomas Rimpler. Der Jungfernapfel zeichne sich nicht nur wegen seiner leuchtend roten Farbe aus, er eigne sich auch sehr gut für die Saftherstellung.

Eingefasst wird der Garten mit Eiben. „Das wissen nicht viele, aber Eiben sind typisch für den Harz und Halberstadt“, erläutert Rimpler. Und er berichtet von einer Kuriosität, die zeigt, wie besonders diese Bäume sind. So soll es Zeiten gegeben haben, in denen Bürger ihre Steuern mit Eibenstämmen zahlten.

Schatztruhe für die Schatzjahre

Herzstück der Präsentation ist eine Schatzkiste – eine große Holztruhe mit Metallbeschlägen. Sie wurde in Handarbeit eigens für die Laga gefertigt, die Seiten ziert die eingefräste Silhouette der Stadt und der Slogan „Ihr Tor zum Harz – Halberstadt“. Dreimal wird die Truhe während der 170 Tage dauernden Gartenschau bepflanzt. Mit Pflanzen einer Halberstädter Gärtnerei, wie Rimpler ergänzt.

Drei Sitzsteine bieten den Besuchern einen Ruheplatz. Die je 450 Kilogramm schweren Steine stehen normalerweise vor der Halberstädter Martinikirche.

Zudem gehören vier hölzerne Stelen zum Konzept des Halberstadt-Gartens. Als Scherenschnitt herausgearbeitet , zeigen sie die Köpfe von Halberstädter Persönlichkeiten: Johann Ludwig Gleim, Freiherr Ernst Ludwig Christoph Spiegel, Magnus Gottfried Lichtwer und Linda Hesse. Da diese Personen vielleicht nicht jedem ein Begriff sein werden, sind an den Stelen QR-Codes zu finden. So können sich Besucher schnell mit dem Smartphone Informationen zu ihnen verschaffen.

Linda Hesse ist Botschafterin

Mit etwas Glück treffen sie Schlagersternchen Linda Hesse auf der Laga sogar persönlich. Die 30-jährige, gebürtige Halbertädterin singt den Laga-Song, gibt ein Konzert, moderiert bei der Eröffnung und ist Botschafterin der Laga, berichtet Frank Schröder. Der gärtnerisch-technische Leiter der Landesgartenschau ist nach Halberstadt gekommen, um das Konzept des großen Gartenfests vorzustellen. Lampenfieber hat er so kurz vor Start nicht. „Trotz Schnee und Frost haben wir nur einen Tag Verzug“, sagt er achselzuckend.

2011 hatte sich Burg für die Laga beworben, 2015 begannen die Bauarbeiten dafür. „Es sollten bereits vorhandene städtische Grünanlagen wieder aufgewertet werden. Viele befanden sich zuletzt in einem schlechten Zustand“, beschreibt Schröder. Er selbst sei zuvor nie in Burg gewesen. Die Stadt habe ihn positiv überrascht.

350 000 Blumenzwiebeln – rund neun Tonnen – werden das etwa rund 17 Hektar große Laga-Gelände nun in ein Blütenmeer mitten in der Stadt verwandeln. Gegliedert in vier Flächen – Goethepark, Weinberg, Ihlegärten und Flickschupark – sind auf dem Areal 21 Themengärten, Wechselflorflächen, Blumenschauen, Spielplätze und Gastronomie zu finden. Die Schau und 800 Veranstaltungen sollen von April bis Oktober etwa 450 000 Besucher anlocken, so Schröder.

Imagegewinn dank Laga

Der 43-Jährige betont, dass Burg nachhaltig von der Landesgartenschau profitieren werde. Imagegewinn, Steigerung der Besucherzahlen, Aufwertung von Grünanlagen seien nur einige Aspekte.

Würde sich nicht auch für Halberstadt eine Landesgartenschau lohnen? Tatsächlich sei das bereits im Stadtrat Thema gewesen, berichtet Thomas Rimpler. Jedoch sei der Aufwand nicht zu unterschätzen. „Es ist ein Schritt, der viel Kraft kostet“, bestätigt Schröder, der schon bei der Planung der Laga in Wernigerode, seiner Heimatstadt, dabei war. „Aber es lohnt sich“, betont er. Er würde sich freuen, wenn Halberstadt sich bewerben würde. Dass dies in den kommenden Jahren geschehen könnte, schließt er nicht aus, sagt Rimpler.