Stephanikirche Osterwieck

Lebendige Kirchenführungen in Osterwieck für Schüler

Ein Eisenholzbaum und eine glänzende Plakette sind die äußeren Zeichen eines Projekt, für das Osterwieck mit seiner Stephanikirche auserwählt wurde.

Von Mario Heinicke
Auf der Wiese hinter der Stephanikirche pflanzten die Beteiligten einen Eisenholzbaum. Ein Ziergehöz, das eine Höhe bis zu zehn Meter erreichen kann und dauerhaft an das Projekt erinnern soll.
Auf der Wiese hinter der Stephanikirche pflanzten die Beteiligten einen Eisenholzbaum. Ein Ziergehöz, das eine Höhe bis zu zehn Meter erreichen kann und dauerhaft an das Projekt erinnern soll. Foto : Mario Heinicke

Osterwieck - Es hat etwas von der „Sendung mit der Maus“. Den Kindern die Kirche erklären. Warum die Bibel geöffnet auf dem Altartisch liegt. Wie man die Höhe des Kirchenraums messen kann. Oder wie betet man eigentlich? Viele, viele Fragen nach dem Wie und Warum in einem Gotteshaus.

Pfarrer Sebastian Beutel und seine Frau, Gemeindepädagogin Michaela Beutel, haben immer mal wieder Schüler bei Führungen zu Gast. Bisher vor allem aus dem Fallstein-Gymnasium, doch sie möchten künftig auch die Grundschule Sonnenklee mehr für die Stephanikirche interessieren. Das Vorhaben trägt den Titel „St. Stephani Osterwieck – der Schatz der Stadt erzählt“.

Über das Projekt „Land:Gut2021“ erhält die Kirchengemeinde nun Unterstützung, Führungen lebendiger gestalten zu können, den Kindern nicht nur wortreiche Erklärungen zu bieten, sondern Greifbares.

Mit 8000 Euro ist die einjährige Projektförderung verbunden. Ein Budget, das dazu verwendet werden kann, Experten zu den Führungen zu holen. Einen Orgelbauer zum Beispiel, der den Kindern erklärt, wie solch eine „Königin der Instrumente“ mit mehreren tausend Pfeifen aufgebaut ist und funktioniert. Um Materialen zu einkaufen. Etwa Holz, um mit den Kindern einen romanischen Torbogen zu bauen. Die ältesten Gebäudeabschnitte Stephanikirche aus dem zwölften Jahrhundert entstammen der Romanik, das Bauwerk liegt deshalb an der Straße der Romanik durch Sachsen-Anhalt. „Es gibt viele Dinge, die man in die Hände nehmen kann“, sagte der Pfarrer weiter. Eine Idee ist es auch, die hoch hängenden Emporenbilder näher zu den Kindern zu bringen.

Im neuen Schuljahr soll es losgehen

Mit der Projektförderung im Rücken können sich nun Sebastian und Michaela Beutel sowie weitere Vertreter der Kirchengemeinde an den Tisch setzen und ein detailliertes Konzept erarbeiten, mit dem sie zum neuen Schuljahr die Osterwiecker Schüler einladen möchten.

Dass es dabei nicht um Religionsunterricht geht, unterstrich Klaus-Martin Bresgott aus dem Kulturbüro des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland. Kinder sollten die Kirche im Ort als Heimat erkennen. Wenn man seine Heimat kenne, dann schätze und bewahre man sie auch.

Das Kulturbüro hat das Projekt „Land:Gut2021“ mit Unterstützung der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien auf die Beine gestellt. Nur 20 Ideen bundesweit werden gefördert. „Auf jedes Projekt haben sich 20 bis 25 Leute beworben“, unterstrich Bresgott die Attraktivität der Osterwiecker Idee. Es sei zudem ein Anliegen, damit nicht „die großen Leuchttürme des Landes“ zu fördern.

Dass die Förderung auch einen Baum beinhaltet, erklärte Klaus-Martin Bresgott mit dem für lange Zeit angelegten Projekt der lebendigen Schülerführungen. „Das ist kein Blumenstraußprojekt für die schnelllebige Zeit.“

„Ein tolles Projekt“, sagte der Halberstädter Superintendent Jürgen Schilling, auch weil es Menschen zusammenführe. Osterwiecks Bürgermeisterin Ingeborg Wagenführ (Buko) wusste zu schätzen, dass der Kulturbüro-Vertreter extra aus Berlin an den Harzrand gekommen war. Sie sieht die Kirche, ob man gläubig ist oder nicht, als Schatz und bedeutendes Kulturgut in der Stadt.

Gymnasiumleiterin Sylvia Gemeiner stellte fest, dass in das Kirchenprojekt mehrere Schulfächer Eingang finden können. Bis zur Mathematik, wenn es an die Vermessung des Bauwerks geht.

Die erste der vier Schrauben der Projektplakette drehte Pfarrer Sebastian Beutel, assistiert von Klaus-Martin Bresgott, ins Mauerwerk des Kirchturms.
Die erste der vier Schrauben der Projektplakette drehte Pfarrer Sebastian Beutel, assistiert von Klaus-Martin Bresgott, ins Mauerwerk des Kirchturms.
Foto: Mario Heinicke