Halberstadt l „Einiges davon ist für unseren Schrank“, sagt Constantin Schnee. Für den Schrank, aus dem Menschen in Not mit einer Mütze, einem Schal und anderem geholfen wird. Die Spenden dafür verwaltet Dagmar Wuttke, die ihren Bundesfreiwilligendienst in der Ökumenischen Bahnhofsmission Halberstadt leistet, wie Schnee berichtet. Er ist Leiter der Einrichtung am Halberstädter Bahnhof und als einziger für einige Wochenstunden hauptberuflich in der Mission tätig. Alle anderen Mitarbeiter sind als Ehrenamtler im Einsatz. „Aber wir sind einfach zu wenige“, sagt Schnee. Zurzeit sind 14 Männer und Frauen aktiv – das seien zehn zu wenig. Weshalb die Mission auch „nur noch“ von 10 bis 14 Uhr geöffnet ist, das allerdings an sieben Tagen in der Woche. Spätdienste sind nur möglich, wenn es die einsatzfähigen Mitarbeiter ermöglichen können. Das sei zwei- bis dreimal in der Woche der Fall.

Das, was den Kleiderschrank in der Bahnhofsmission auffüllt, sind Mützen, Schals und Socken, alle handgefertigt. Birgit Eberding und Sigrid Hoppe haben am Montag mehr als 110 Mützen, rund 30 Schals und anderes mehr in der Mission abgegeben. Über diese Hilfe freut sich Schnee. Denn neben dem, was in den Kleiderschrank kommt, werden die Stricksachen der beiden Halberstädterinnen, die zudem in Margarete Wisotzky eine tatkräftige Unterstützerin haben, auch den Tisch des nächsten Bahnhofsflohmarktes am 30. Oktober füllen. Neben Wärmendem sind auch Topflappen, Taschen und anderes mehr an das Team der Bahnhofsmission übergeben worden. Das profitiert vom Erlös des Flohmarktes, der von 10 bis 17 Uhr stattfinden soll.

Weitere Mitarbeiter

Den Stand aufzubauen und zu betreuen, ist dann eine zusätzliche Aufgabe für das Team, das bis dahin drei weitere Mitstreiter begrüßen kann, die derzeit in der Einarbeitungsphase sind. „Neben der Betreuung der Gäste, die uns hier täglich aufsuchen, sind viele Aufgaben zu bewältigen“, berichtet Schnee.

Im Team sind fünf Mitarbeiter, die, finanziert von Landkreis und Jobcenter, als „Außendienstler“ unterwegs sind. Das heißt, sie fahren in den Regionalbahnen mit, begleiten Menschen mit Mobilitätseinschränkungen oder alleinreisende Kinder. So wird demnächst ein Mitarbeiter nach Erfurt fahren und dort ein Kind in Empfang nehmen, dass aus Schweinfurt kommt. „Die Missionsleute aus Schweinfurt fahren bis Erfurt, dann übernehmen wir und begleiten das Kind bis nach Quedlinburg“, sagt Schnee.

Bundesweit vernetzt

Die Bahnhofsmissionen sind deutschlandweit vernetzt, weshalb das kostenlose Angebot der „bestellten Reisehilfe“, so der Fachbegriff, auch bundesweit funktioniert. „Wir nehmen kein Geld dafür, wenn jemand spendet, ist es okay, aber keine Voraussetzung für diese Dienstleistung“, erklärt Schnee. Wer die Hilfe braucht, muss sich nur vorher anmelden – in einer der Bahnhofsmissionen, bei der Mobilitätszentrale der Deutschen Bahn in Schwerin oder bei einer Kirchengemeinde. Und er muss in Kauf nehmen, nur mit Regionalzügen unterwegs zu sein, denn nur in denen dürfen die Missionsmitarbeiter ihre Hilfe anbieten. „Zum Glück haben wir mit Abellio wieder einen Vertragspartner, der unsere Mitarbeiter kostenlos transportiert, sonst wäre dieser Teil unserer Arbeit schwer zu machen“, sagt Schnee. Und gerade diese Aufgabe habe in diesem Jahr deutlich zugenommen. „Sonst hatten wir im ganzen Jahr vielleicht 200 solcher bestellter Reisehilfen, seit Januar diesen Jahres waren es immer 30 bis 40 pro Monat.“

Helfende Hände

Dazu kommen die „Patrouillen“ der Außendienstler, die sechs Stunden am Tag von Halberstadt aus bis Aschersleben, Ilsenburg, Thale, Magdeburg und auch Goslar mitfahren und auf den Unterwegsbahnhöfen schauen, ob jemand beim Ein- und Aussteigen Hilfe braucht. An vielen Stationen ist kein Bahnmitarbeiter mehr, da ist die Hilfe der Halberstädter Bahnhofsmission doppelt wichtig. Und weil so die Akzeptanz des öffentlichen Nahverkehrs wächst, unterstützen Landkreis und Jobcenter diese Arbeit. Was im Vergleich zu den Vorjahren deutlich weniger geworden ist, ist die Arbeit mit Geflüchteten.

Klare Strukturen

„Das große Chaos ist vorbei, die Strukturen und Zuständigkeiten sind klar“, sagt Schnee. Nur manchmal gibt es Probleme, wenn Migranten zum Bundesamt nach Halberstadt bestellt werden und diese dann ihren Fahrschein verloren haben und nicht wissen, wie sie zurück in ihre neuen Heimatorte kommen sollen.

„Vor allem Freitag ab Mittag ist es schwer, dann einen Zuständigen zu erwischen, der die Kostenübernahme regelt“, sagt Schnee. „Zum Glück gibt es einen Spender, der uns diese Kosten ersetzt, dafür sind wir alle sehr dankbar.“