Halberstadt l Seit zehn Jahren ist der Halberstädter Hauptbahnhof wieder ein ansehnliches Tor in die Stadt. „Eigentlich“, sagt Frank Dannhauer, Geschäftsführer der Nosa, „hätten wir das kleine Jubiläum gern gefeiert. Aber das lassen wir in Corona-Zeiten lieber.“

Vielleicht geht das ja im kommenden Jahr, dann könnte die Auszeichnung als „Schönster Bahnhof des Jahres 2011“ ein Anlass sein. Am 24. Oktober 2011 hatte die „Allianz pro Schiene“ den Halberstädter Hauptbahnhof als „Bahnhof des Jahres 2011“ in der Kategorie „Stadt unter 100 000 Einwohner“ ausgezeichnet. Das gemeinnützige Verkehrsbündnis würdigte damit die umfangreiche Sanierung des Bauwerks, das seit Dezember 2007 Eigentum der Nosa ist.

Die städtische Holding hatte damals das ziemlich heruntergekommene Empfangsgebäude erworben. Das Backsteingebäude war 1868 errichtet worden und repräsentativer Ausdruck der wirtschaftlichen Bedeutung des Bahnknotenpunktes Halberstadt. Zur wechselvollen Geschichte des Bahnhofs gehört die Zerstörung am 7. April 1945 und die 1970 fertiggestellte Wellblechverkleidung, die so manchen Fassadenschaden überdeckte.

Mieter investieren in Läden im Bahnhof

Während das Empfangsgebäude mehr und mehr verfiel, kümmerte sich die Deutsche Bahn AG auf Druck des Landes Sachsen-Anhalt immerhin um die Sanierung der Gleisanlagen. Im November 1996 erfolgte der erste Spatenstich für die Neugestaltung des Bahnhofs­umfeldes. Die Bauarbeiten für die Schnittstellen des städtischen und kreislichen ÖPNV wurden 2001 abgeschlossen.

Doch alle Bemühungen, dass die Bahn AG auch das Gebäude saniert, liefen ins Leere, selbst Millionen an Fördergeld ließen die Bahn kalt. Der 1997 unter Denkmalschutz gestellte Klinkerbau harrte weitere elf Jahre aus, bis endlich die Sanierungsarbeiten starteten.

Unter Federführung der Nosa GmbH wurde 20 Monate lang abgerissen, aufgemauert, saniert und modernisiert. Rund 8,6 Millionen Euro kosteten am Ende alle Arbeiten, das Land Sachsen-Anhalt schoss 4,9 Millionen Euro zu. Seit der Wiedereröffnung des Bahnhofs am 15. August 2010 nutzten jeden Tag rund 3000 Menschen den Bahnhof. Jeder von ihnen geht an den Geschäften vorbei, von denen einige sieben Tage in der Woche geöffnet haben.

Bäcker seit 1996 im Bahnhof

So zum Beispiel die Filiale der Halberstädter Bäcker und Konditoren GmbH. 1996 schloss das Unternehmen einen Mietvertrag mit der Bahn AG, den Umbau erlebten die Mitarbeiter im Container vor dem Bahnhof mit. „Selbst da hielten uns die Kunden die Treue“, sagt Eva Kilian, „diese Filiale ist unsere umsatzstärkste“. Ein Grund, warum sich die HBK-Geschäftsführerin zu zwei Dingen entschloss. Zum einen, den Mietvertrag um mindestens fünf Jahre zu verlängern. Weitere fünf Jahre sind bereits als Option im neuen Mietvertrag verankert. Zum anderen legte die Geschäftsführung fest, die Filiale zu modernisieren. Mehr als 100.000 Euro flossen in neue Technik und einen modernen Ladenbau, der den Mitarbeiterinnen die Laufwege verkürzt und Arbeitserleichterung bedeutet.

Corona hat zwar auch bei den Bäckern zu Umsatzrückgängen geführt, aber die Bahnhofsfiliale läuft. Deshalb gab es neben der neuen Technik auch ein neues riesiges Wanddesign, das einen Gleis- und Lageplan des Halberstädter Bahnhofs aus seiner Entstehungszeit zeigt.

Reiseziel und Veranstaltungsort

„Der Bahnhof ist Anlaufpunkt für Berufspendler, Touristen und Einheimische gleichermaßen“, sagt Nosa-Chef Frank Dannhauer, „neben der Erhaltung der Infrastruktur bemüht sich die Nosa seit Jahren um einen ausgewogenen Mix an attraktiven Mietern in den Räumlichkeiten.“

Sein Geschäftsführerkollege Christian Mokosch ergänzt, dass nicht nur die Bäckerfiliale ihren Mietvertrag erneuert hat. Auch der zweite langjährige „Ankermieter“, die Presse- und Buchfiliale der Unternehmensgruppe Dr. Eckert, hat bereits für weitere zehn Jahre einen Mietvertrag geschlossen. Und trotz der wirtschaftlichen Belastungen in der Corona-Krise sind auch der Imbiss „King Döner“ und die Halberstädter Taxizentrale dem Standort treu geblieben.

Weitere Mieter, wie der Blumenladen „Grüne Welt“ oder der „Harzer Friseur und Barbier“, hätten sich gut entwickelt und belebten die kleine Einkaufszeile im Inneren des Empfangsgebäudes. Zuletzt konnte auch das Restaurant erfolgreich vermietet werden und ergänze mit internationalen Spezialitäten das gastronomische Angebot im Bahnhof.

Mehr Kulturinitiativen gewünscht

Zudem sei es gelungen, das Verkehrsunternehmen Abellio als langfristigen Partner für Büroflächen im Obergeschoss zu gewinnen und weiterhin ein Reisezentrum als Ansprechpartner für die Kunden vor Ort anzubieten. „Trotzdem haben wir noch einige Flächen frei und freuen uns über Interessenten, die mit neuen Dienstleistungen und Waren unser Konzept abrunden wollen“, so Frank Dannhauer. Zu dem gehört die Förderung sozialer Projekte und kultureller Angebote. So ist der Bahnhof Domizil der Bahnhofsmission, die das Gebäude mit Veranstaltungen wie Männerabendbrot, Wintermarkt oder Heiligabendgottesdienst belebt. „Auch andere Kulturinitiativen können sich hier gern präsentieren“, so Mokosch.