Halberstadt l „Hallo, ich bin Pippa.“ Mit einem gewinnenden Lächeln und sympathischem britischen Akzent öffnet die junge Frau die Tür. Hier, im Burchardikloster, ist sie für einige Tage zu Gast, um Halberstadt kennenzulernen. „Eine tolle Stadt, die Menschen sind freundlich“, schwärmt die Londonerin. Beste Voraussetzungen für ihre bevorstehende Aufgabe: Sie wird die Kuratorin der Monat_Kunst_Halberstadt (MKH) im kommenden Jahr sein.

Wie kommt jemand aus der britischen Metropole ausgerechnet auf die deutsche Kleinstadt? „Ich wurde von Ilka gefragt, ob ich ein Konzept ­schreiben möchte“, erläutert sie. Die beiden Frauen kennen sich seit vielen Jahren und haben zusammen studiert.

Gegen Mitbewerber behauptet

Die Künstlerin Ilka Leukefeld lebt ebenfalls in London – und abwechselnd in Halberstadt, wo sie aufgewachsen ist. Die 50-Jährige hat die MKH mit ins Leben gerufen. Bei der ersten Biennale 2014 war sie zudem als Kuratorin tätig.

Dass ihre Freundin nun in ihre Fußstapfen tritt, freut sie sehr. „Ich weiß, was Pippa schon für Projekte gemacht hat und was sie leisten kann.“ Doch die Verbundenheit allein habe nicht den Ausschlag gegeben, dass Pippa Koszerek die Kunstaktion 2018 vorbereiten wird. „Es gab mehrere Anfragen“, berichtet Ilka Leukefeld. „Wir haben im MKH-Team zusammengesessen und darüber gesprochen, was wir uns wünschen.“ Mit ihrem Konzept habe sich Pippa Koszerek gegen die Mitbewerber durchgesetzt.

Wie genau das aussieht, möchte die 38-Jährige mit den markant gezupften Augenbrauen noch nicht verraten. Zehn bis zwölf Künstlern möchte sie während der MKH eine Plattform bieten. „Aus Sachsen-Anhalt, aus Deutschland und international.“ Namen nennt sie keine – solange noch nichts spruchreif ist. „Ich habe viele Ideen, wollte mir aber erstmal die Stadt persönlich ansehen.“

Eindrücke verändern Konzept

Zwar habe sie schon viel von Ilka Leukefeld gehört und vieles gelesen, aber ihr sei bewusst gewesen, dass sich das Konzept ändern würde, sobald sie Halberstadt persönlich kennengelernt hat. Und so ist es nun auch. „Ich werde in den nächsten Wochen am Konzept arbeiten“, kündigt sie an. Die Eindrücke, die sie in den Spiegelsbergen und im Gleimhaus gesammelt hat, die unterschiedliche Architektur, die Halberstadts Stadtzenrum prägt und die Geschichte der Stollen in Langenstein haben Anstöße dazu gegeben.

Eines steht für die Londonerin, deren Familie aus Polen stammt, schon fest: Während der MKH werden keine Arbeiten von ihr zu sehen sein. Dabei hat sie sich durchaus mit ihren Skulpturen einen Namen in der Szene gemacht. „Ich möchte mich auf die Aufgabe als Kuratorin konzentrieren“, sagt sie.

Ursprünglich hatte sie eine andere Kariere angestrebt. „Ich wollte Schriftstellerin werden oder für den Film arbeiten“, verrät Pippa Koszerek. Ihr Studium ging zunächst auch in diese Richtung. „Aber ich wollte dabei sein, wenn das Publikum auf meine Arbeiten reagiert. Das ist beim Film kaum möglich.“ Also wechselte sie zur bildenden Kunst.

Deutsch in der Schule gelernt

Mittlerweile kreiert sie nicht nur selbst Werke, sondern berichtet über die Arbeiten anderer. Seit einigen Jahren ist sie für ein Kunstmagazin in England tätig. Obwohl sie gern Museen besucht, findet sie Kunst außerhalb geschlossener Räume spannender.

„Die schönsten Erlebnisse in der Kunst sind für mich, andere Orte zu sehen, mit neuen Menschen in Kontakt zu kommen und neue Erfahrungen zu sammeln“, sagt Pippa Koszerek.

Ihr Deutsch ist sehr gut. „Das habe ich in der Schule gelernt, seit ich etwa 13 war.“ Bei einem zweimonatigen Stipendium in Deutschland vor einigen Jahren, an das sie sehr gute Erinnerungen habe, bot sich die Gelegenheit, die Sprachkenntnisse weiter zu vertiefen. Aber ich habe vieles vergessen“, sagt die Kuratorin bescheiden. Doch jetzt, da ihre Deutschkenntnisse wieder mehr gefragt sind, komme vieles zurück. Gelegenheit zum Üben hat sie nun ja reichlich für die Vorbereitungen der dritten MKH.