Halberstadt l Je mehr Genitiv, desto komplizierter. In Zeiten kurzer Aufmerksamkeitsspannen und tausendfacher Werbungsmöglichkeiten muss es kurz und prägnant sein. Selbst in der Kulturszene. Und deshalb muss für ein erfolgreiches Orchester auch ein griffiger Name her.

Jetzt befassten sich die Träger des Nordharzer Städtebundtheaters mit diesem Thema. Weil, wie Johannes Rieger im Volksstimme-Gespräch erklärte, man des Öfteren einen Wettbewerbsnachteil bemerkt habe. Nicht hier vor Ort, da gehen die Menschen ins Konzert und wissen, es ist ihr Orchester, was hier aufspielt. „Aber auf dem Gastspielmarkt ist es schon spürbar, das unser langer Name ein Nachteil ist. Wenn es dann heißt: ,Es spielt das Orchester des Nordharzer Städtebundtheaters‘, gucken die Gastspieleinkäufer eher auf kürzere Namen, unserer ist in der Konkurrenzsituation eher mittelsexy“, sagt Johannes Rieger. Der Intendant des Städtebundtheaters ist zugleich Musikdirektor und weiß, dass der Konzertmarkt gerade im Aufschwung ist. Die Nachfrage nach Konzerten steige bundesweit leicht an. Vor allem die „Crossover-Konzerte“ sind gefragt. „Ich mag diesen Begriff nicht besonders, aber so etwas bieten wir ja auch seit Jahren. Wenn wir im Sommer zu Filmmusik, italienischer Nacht oder Operngala bitten, mischen sich Genre und Stile.“

Konzertanteil

Dass das Orchester erfolgreich ist, belegen Zahlen. Und dass der Anteil der reinen Konzerttätigkeit für das Theaterorchester gestiegen ist, auch. „Als ich nach Halberstadt kam, hatten wir im Spielplan sechs Sinfonieorchester, jedes davon einmal in Halberstadt und einmal in Quedlinburg. Dazu kamen drei Neujahrskonzerte und die Orchesterwerkstatt. Das waren 16 Konzerte. Bei den rund 180 Einsätzen des Orchesters nicht mal zehn Prozent unserer Tätigkeit. Was ja für ein Theaterorchester völlig in Ordnung ist“, berichtet Rieger. Inzwischen sei der Konzertanteil deutlich gewachsen.

„In der vergangenen Spielzeit hatten wie rund 50 Konzerte, 20 davon als Freilichtkonzerte, sechs Neujahrskonzerte, Weihnachtskonzerte und auswärtige Auftritte mit unserem Sinfonieprogramm.“ Und um diese Außenwirkung besser darzustellen und weiter auszubauen, soll nun das Ensemble einen neuen Namen bekommen. „In der Branche bleiben ja eigentlich nur zwei Begriffe: Sinfoniker oder Philharmoniker. Da letzterer in der Region schon belegt ist, haben wir uns für die Harzer Sinfoniker entschieden“, sagt Rieger.

Vorbereitung

Die Träger des Theaters gehen diese Veränderung gerne mit, die auch ein bisschen das Selbstbewusstsein der Musiker heben soll. „Das Orchester kann stolz auf seine Leistung sein“, so Rieger und das solle der Name widerspiegeln. Doch bevor das Theaterorchester auf „Harzer Sinfoniker“ getauft wird, sind noch ein paar Dinge vorzubereiten.

Spätestens im Herbst jedoch, bevor die Saison der Gastspielmessen beginnt, soll die Umbenennung mit einem kleinen Festakt begangen werden. Und dann machen auch die Harzer Sinfoniker bundesweit Werbung für ihr Stammhaus, für „Ihr Theater im Harz“.