Osterwieck l Um es vorwegzunehmen, Entscheidungen wurden am Dienstagabend nicht getroffen. Aber ausführlich über einen neuen Netto-Einkaufsmarkt sowie die generelle Zukunft von Veranstaltungen auf dem Osterwiecker Anger gesprochen. Und das trotz der Brisanz sehr sachlich.

Der externe Projektentwickler Dr. Toni Herget aus Halle und der Netto-Gebietsleiter für Expansion, Jakob Siemss aus Coswig, erläuterten, warum Netto perspektivisch nicht mehr Am Langenkamp bleiben kann und wie ein Neubau auf dem Anger platziert werden könnte.

Mietvertrag endet

Netto ist seit 1994 in Osterwieck vertreten. Der 30-jährige Mietvertrag für das Objekt Am Langenkamp läuft 2024 aus. Ein Neubau oder eine Erweiterung des Marktes ist aus Platzgründen nicht möglich. Im jetzigen Gebäude ist es einfach zu eng. Ebenso draußen auf dem Parkplatz.

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Mitte 2018 hatte Netto das erste Mal im Rathaus vorgesprochen zwecks Bau auf der Anger-Spitze, des Festplatzes also. Weil die Brisanz den Stadtvätern natürlich klar war, wurden zunächst alternative Grundstücke gesucht. Herget verwies auf drei private Grundstücke an Hornburger Straße und Denkmalplatz. Probleme gab es dort demnach mit der Größe, einem Denkmal sowie fehlender Verkaufsabsicht. Kein Interesse hat Netto indes an einem freien Grundstück an der alten Zuckerfabrik, also quasi gegenüber Aldi. Das liege nicht an der Nähe zum Wettbewerber, erklärten die Vertreter.

Versorgung

Mit diesem Standort sei den Einwohnern auf der anderen Seite der Stadt, wo sich der Markt jetzt befindet, nicht geholfen. „Wenn wir dort weg sind, ist dort kein Versorger mehr.“ Netto sei ein Nahversorger, kein Vollversorger, betonte Siemss. Und er unterstrich: „Wir sind sehr zufrieden in Osterwieck.“

5000 Quadratmeter möchte Netto von der Kommune auf dem Anger kaufen. „In den Sportplatz greifen wir nicht ein“, betonte Herget und zeigte verschiedene Pläne und Computeranimationen. Die Zufahrt soll von der Goslarer Straße aus erfolgen. Man wäre auch bereit, sich für die Herrichtung des momentan nicht nutzbaren Fußballplatzes auf dem Anger zu engagieren.

Nachnutzung

Von sich aus gingen die Vertreter auf eine Nachnutzung des Marktobjektes Am Langenkamp ein. Hier halte man Kontakte zu einem Netzwerk von Anbietern. In Osterwieck sei ein sogenannter Nonfood-Dicounter möglich, erklärte Siemss. Ein Vertreter habe sich den Standort schon angeschaut und als „perfekte Fläche“ eingeschätzt. Gleichwohl sei die Neuvermietung Angelegenheit des Eigentümers, nicht von Netto. Sollte Netto in Osterwieck keinen geeigneten Standort finden, „müssen wir uns nach 30 Jahren verabschieden“, unterstrich Jakob Siemss, ohne das als Drohung auszusprechen.

Wie werteten die Abgeordneten das Vorhaben am Anger? „Der Standort ist völlig falsch“, sagte Frank Witschel (Buko). „Wer am Warberg wohnt, geht hier nicht einkaufen.“ Ohne Festplatz gebe es auch keinen Zirkus mehr.

Bereitschaft

Peter Eisemann, im Rathaus auch für Wirtschaftsförderung zuständig, informierte allerdings über die Bereitschaft eines Grundstückseigners an der alten Zuckerfabrik, dort seine Fläche für Zirkusse oder Osterfeuer zur Verfügung zu stellen. „Für das Tuningtreffen ist die Fläche aber zu klein.“

Lucas Kesterke (CDU) verstehe die Wünsche von Netto. „Man muss aber auch uns verstehen. Der Anger ist unsere heilige Kuh. Wenn dort gebaut wird, stirbt auch ein Stück Osterwieck.“ Er betonte: „Netto sollte deshalb nicht aus Osterwieck weg. Das wäre das falsche Zeichen.“

Keine Entscheidung

Hartmut Janitzky (CDU) brachte als Alternative in der Straße Vor dem Kapellentor den Standort der beiden leergezogenen Wohnblöcke ins Spiel. Der aber eben auch unweit von Aldi liegt. Renate Fink (Bündnisgrüne) sagte in Anlehnung an die geplante Glasfassade eines neuen Marktes: „Beim Einkaufen brauche ich keine schönen Aussichten.“ Warum könne man nicht den vorhandenen Standort aufwerten? „Dort werden wir kein modernes Konzept hinbekommen“, antwortete Jakob Siemss. Toni Herget ergänzte, dass der Lebensmittelbereich der meisterforschte Bereich sei. „Daraus entstehen Standardkonzepte der Ketten.“

Eine Entscheidung zum Anger-Vorhaben fiel im Ortschaftsrat erwartungsgemäß nicht. „Es ist nicht ausgeschlossen, dass es noch eine andere Option gibt“, sagte Peter Eisemann. Dem Vernehmen nach wird eine weitere auch schon geprüft.