Moses-Mendelssohn-Akademie

Neue Ausstellung macht Lyrik "sichtbar"

Von Marco Oschlies

Halberstadt. Pünktlich zu den diesjährigen Domfestspielen, ist in der Moses-Mendelssohn-Akademie eine neue Ausstellung eröffnet worden. Es handelt sich um Werke der Künstlerin Helga von Loewenich, die Bilder und Collagen zu Gedichten verfolgter und ermordeter jüdischer Schriftstellerinnen angefertigt hat. Die Ausstellung trägt den Namen "Ich lebe in meinem Mutterland Wort...", umfasst 25 Exponate und ist noch bis Ende Juli zu sehen.

Es waren nur eine Handvoll Gäste, die der Vernissage am vergangenen Freitag in dem alten Rabbinerseminar im Rosenwinkel beiwohnten. Doch jene, die ein feinsinniges Gespür für Kunst, Kultur, Geschichte und Literatur besitzen, erwartete ein künstlerisches Kleinod.

Der Raum und die Zeit, das sind die zentralen Leitmotive in der Kunst Helga von Loewenichs, die im doppelten Sinne, sowohl in ihrem künstlerischen Schaffen, als nun auch in den Ausstellungsräumen zusammentreffen. Die vom Bodensee stammende Künstlerin, die eine profunde Kennerin der jüdischen Kultur und Geschichte ist, hat sich bei der Ausführung ihrer Kunstwerke von den Schriften verschiedener jüdischer Dichterinnen inspirieren lassen. Zwar führte sie selbst den Pinsel, doch sind ihre Werke Transformationen der Gedichte von Schriftstellerinnen wie Hilde Domin oder Rose Ausländer, deren Geist nun nicht mehr nur im Wort, sondern durch die Arbeit Helga von Loewenichs auch im Bild erlebbar werden.

"Es ist die Ausgewogenheit der Komposition in einem schlichten Bildraum, die dazu verhelfen, die religiösen und persönlichen Erfahrungen starker und moderner Frauen sichtbar zu machen", erklärte Marc Wrasse, Philosoph und Kunsthistoriker aus Berlin, der zu Beginn der Vernissage einige einleitende Worte an das Publikum richtete.

Doch Kunst und ihre Bedeutung ist subjektiv und liegt stets im Auge des Betrachters. "Für mich strahlen die Bilder Wärme, Licht und Frieden aus", beschreibt Ausstellungsgast Jana Knoche ihre Ein- drücke der Bilderschau. "Ich persönlich liebe die Gedichte Rose Ausländers, die sich hier im Bild wiederfinden lassen. Was mich die Werke weiterhin wahrnehmen lassen, sind die tiefen Stimmungen und die menschlichen Sehnsüchte, die hier zum Ausdruck kommen", beschreibt die Quedlinburgerin ihre persönlichen Eindrücke.

Durch die untergehende Sonne am Freitagabend und die damit einhergehenden, sich verändernden Lichtverhältnisse in der alten Klaussynagoge erschienen die Werke Helga von Loewenichs stets in einem anderen Licht, was der Vieldimensionalität der Kunst eine weitere visuelle Ebene hinzufügte.