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VeranstaltungMit Video: Neues Musikstück für Halberstadt

Zum Klangwechsel beim Cage-Projekt in Halberstadt gibt es am 4. Februar ein Konzert im Dom mit Antonio Jimenez Marin. Was der Posaunist mit der Stadt verbindet.

Von Sabine Scholz Aktualisiert: 04.02.2024, 12:57
Antonio Jimenez Matin probt vor der großen Domorgel in Halberstadt. Er spielt ein sehr seltenes Instrument – eine Posaune mit zwei Schalltrichtern.
Antonio Jimenez Matin probt vor der großen Domorgel in Halberstadt. Er spielt ein sehr seltenes Instrument – eine Posaune mit zwei Schalltrichtern. Foto: Sabine Scholz

Halberstadt. - Nichts weniger als eine Uraufführung für Halberstadt hat er im Gepäck, der spanische Posaunist Antonio Jimenez Marin. Erklingen soll die am Sonntag um 12 Uhr im Cage-Haus. „Ich hoffe, wir schaffen es mit dem Proben bis dahin“, sagt er, als er am Freitagvormittag auf die Orgelempore des Halberstädter Doms steigt.

 
Eine kurzer Klang von Antonio Jimenez Marin als Vorgeschmack. (Kamera: Sabine Scholz, Schnitt: Bernd Stiasny)

Dort spielt er mit Olga Bechtold einen Choral von John Cage, den Mike Svoboda arrangiert hat. Das Stück klingt sehr harmonisch. Neue Musik ist eben nicht immer schrill oder schräg, aber sie basiere auf einem sehr weit gefassten Musikbegriff, sagt der Posaunist auf die etwas überraschte Reaktion.

Unmögliches wird möglich

Der Neuen Musik widmet sich der 35-Jährige seit vielen Jahren. Er musiziert weltweit mit unterschiedlichsten Ensembles, hat in Schottland und der Schweiz studiert und lebt jetzt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Deutschland an der Schweizer Grenze. Denn einen kleinen Teil seiner Zeit verbringt er inzwischen mit dem Unterrichten an der Musikschule Basel.

Dass er für Halberstadt ein neues Stück komponiert hat, hängt mit seiner Begeisterung für die Harzstadt zusammen. Aufmerksam geworden ist er auf Halberstadt „durch das verrückte Orgelprojekt“ und die Berichterstattung im Radio darüber, sagt er lachend. Außerdem hatte ein Freund ihn auf das Cage-Orgelprojekt hingewiesen. „Es ist wirklich verrückt, ein Stück so lange zu spielen“, sagt der Musiker, der zugleich fasziniert ist von dem Engagement der Menschen, die dieses bislang komplett aus privaten Spenden finanzierte Projekt tragen. „Die Stiftung macht eigentlich Unmögliches möglich“, sagt der Preisträger des Cage-Awards 2023.

Preis gewonnen

Im vergangenen Sommer nahm er am Wettbewerb um den Cage-Award teil. Zum zweiten Mal, wie er berichtet. Das erste Mal war er 2021 dabei, wegen der Corona-Pandemie fand der Wettbewerb online statt. Damals hat er keinen Preis gewonnen. „Ich habe es wohl zu locker genommen“, sagt er rückblickend, denn das Niveau und die Anforderungen dieses dreitägigen Wettbewerbs seien wirklich hoch. Aber zugleich sei die Jury so positiv in ihrer Kritik gewesen, dass er sich sicher war, auf dem richtigen Weg zu sein. Zwei Sommer hat er geopfert, um sich auf die nächste Teilnahme vorzubereiten. Dass seine Familie das mitgetragen hat, dafür ist er ihr sehr dankbar.

Der Einsatz habe sich gelohnt, nicht nur, weil er den Cage-Award gewonnen hat, sondern weil er so vielen tollen Menschen begegnet sei. Dass eine kleine Stadt wie Halberstadt offen ist für Neue Musik, sei außergewöhnlich.

Konzert am Sonntag im Dom

An diesem Wochenende ist er wieder zu Gast in der Stadt, deren Domschatz er schon dreimal besucht hat. „Es gibt immer etwas Neues zu entdecken. Ich bin neugierig auf die Menschen, die hier leben, wie es ihnen geht, was sie essen“, sagt der Mann, der als freiberuflicher Musiker viel in der Welt herumkommt.

Am Sonntag will er mit der italienischen Sopranistin Eleonora Claps seine Komposition „Mini-Carousel“ uraufführen. Seine Musik nutzt den Text „Karawane“ des Dadaisten Hugo Ball. Neben der Uraufführung beim Matinee-Konzert um 12 Uhr im Cage-Haus des Burchardiklosters ist Marin ab 17 Uhr im Dom zu erleben, wo er gemeinsam mit Olga Bechtold, Eleonora Claps, dem Domvokalensemble und Domkantor Claus-Erhard Heinrich Werke von Bruckner, Puccini und Cage spielt. Der Eintritt ist frei.