Nahrhafte Zahlenspiele

Im Tiergarten Halberstadt leben auf dem rund zehn Hektar großen Gelände an den Spiegelsbergen zirka 270 Tiere in rund 60 bis 70 Arten. „Das variiert immer ein wenig. Wir machen gerade Inventur, danach stehen die aktuellen Zahlen exakt fest“, informiert Zooinspektor und Tiergarten-Vizechef Michael Bussenius.

Die Tiere wollen natürlich ordentlich versorgt werden. Da komme jeden Tag ganz schön was zusammen, wie der 62-Jährige vorrechnet. „Pro Tag gehen 300 Liter Wasser weg, beim Futter ist das sehr unterschiedlich und richtet sich nach den Futterarten.“ Allein 20 Kilogramm Kraftfutter und fünf große Schubkarren à 15 Kilogramm Heu fallen an. Jeden Tag kommen zehn Eier, zwei Kaninchen, acht Ratten und 50 Eintagsküken dazu. Obst und Gemüse seien ebenfalls sehr stark gefragt, allein die Berberaffen bekämen jeden Tag zwei volle Eimer. „An dieser Stelle möchte ich ein herzliches Dankeschön an alle Spender und Unternehmen richten. Wir bekommen von den Supermärkten das Obst und Gemüse kostenfrei. Die Affen kosten im Grunde genommen im Unterhalt gar nichts“, freut sich der Vize-Chef des Zoos.

Damit sich der Magen-Darm-Trakt der Fleischfresser – darunter Luchse, Dingos und Greifvögel – von den mächtigen Portionen auch mal erholen kann, gibt es im Tiergarten Halberstadt einmal pro Woche einen Fastentag, immer sonntags. „In der Natur bekommen die Tiere auch nicht jeden Tag Beute“, gibt Michael Bussenius zu bedenken. „Man merkt, dass das Verhalten der Tiere nach einem Fastentag ein ganz anderes ist. Sie sind aufmerksamer, beobachten besser, sind aktiver und reaktionsschneller.“ (kl)

Halberstadt l „Wie ich sehe, sind wir fast wieder in Familie. Die meisten kenne ich schon aus dem zurückliegenden Jahr oder denen davor“, freut sich Zooin­spektor Michael Bussenius. Vorrangig Familien mit Kindern und Senioren sind am Neujahrstag gegen 11 Uhr in den Halberstädter Tiergarten gekommen, um einen ganz besonderen Blick auf die Bewohner werfen zu können. Denn neben spannenden Fakten über die Tierwelt gibt es beim traditionellen Neujahrsspaziergang eine Besonderheit: Sonst verschlossene Gehege dürfen betreten, die Tiere gestreichelt und auch mit Leckereien gefüttert werden.

Alpaka-Fohlen wird getauft

Doch bevor es auf den eineinhalbstündigen Rundgang geht, ist die neunjährige Demi aus Ilsenburg gefordert. Sie bekommt die ehrenvolle Aufgabe, das am 12. September geborene Alpaka-Fohlen auf seinen neuen Namen zu taufen. Die Volksstimme hatte zuvor um Vorschläge gebeten und zahlreiche Zuschriften erhalten. „Ich taufe dich auf den Namen Polly und wünsche dir viel Glück“, spricht Demi nun dem quirligen Fohlen zu und gießt ein wenig Wasser über die fellige Stirn. Neugierig verfolgt Alpaka-Papa Max vom Ziegengehege aus das Geschehen. „Der freut sich, dass sein Kind zu Besuch ist“, wirft Michael Bussenius ein. Seit der neue Zuchthengst Nero zu den Weibchen gezogen ist, muss Max sich mit den gehörnten Nachbarn begnügen.

Max lebt nun mit Ziegen zusammen

Jahrelang hatte Max für Nachwuchs im Tiergarten gesorgt. Diese Aufgabe übernimmt künftig jedoch der neue Zuchthengst Nero. „Er hat sich super in die Gruppe integrieren lassen und wir hoffen nun, dass 2020 das nächste Fohlen angepurzelt kommt“, zeigt sich der Vize-Chef des Zoos erwartungsfroh. Max bleibe dem Tiergarten dennoch erhalten. „Er ist ein herrliches Begrüßungstier. Das mögen die Leute. Und er wird ja auch nicht alleine gehalten, sondern wohnt mit der Ziegenherde zusammen, ein Schweinchen läuft auch mit rum. Und die Tiere vertragen sich gut.“

Bilder

Doch nicht nur untereinander ist der Kontakt mit den Tieren wichtig. Mit Alpaka-Fohlen Polly besucht Michael Bussenius beispielsweise auch Seniorenheime. „Wir waren zudem schon im Hospiz in Quedlinburg und haben dort die Menschen erfreut. Und wir sind dann trotz der psychisch angespannten Situation in einer solchen Einrichtung mit einem Lächeln nach Hause gekommen“, erzählt der Zooinspektor. Ein Tier könne eben herrlich Brücken schlagen.

Besucher mit viel Freude dabei

Genau das ist es auch, was Michael Bussenius an dem Neujahrsspaziergang so schätzt. „Hier kommt ein ausgewähltes Publikum. Es sind Leute, die einfach Freude haben, zu uns zu kommen. Und wenn die Besucher hinterher nach Hause gehen und sagen, ‚Es war schön‘, haben ein Lächeln im Gesicht und haben sich gefreut, wenn die Affen dann doch irgendetwas aus der Tasche gemopst haben, dann kann man zufrieden sein.“

Achtjähriger füttert Erdmännchen

Allerlei erlebt haben die Besucher bei dem Rundgang auf jeden Fall. Der achtjährige Jakob aus Halberstadt durfte gleich zu Beginn der Führung die Erdmännchen füttern. „Er hat heute morgen gleich gefragt, ob wir zum Neujahrsspaziergang gehen. Wir waren schon mal dabei und Jakob weiß, dass man dann auch in die Gehege gehen darf. Das ist schon was Besonderes“, erzählt Mutter Michaela Schilling. Wann dürfe man sonst Erdmännchen füttern.

Doch nicht nur die kleinen Tiergartenbewohner sind Teil des Rundgangs. Weiter geht es gleich zu den zwei größten Vertretern im Zoo, den Trampeltieren. Mutig nutzen mehrere Kinder die Möglichkeit, die imposanten Tiere mit Brötchen zu füttern. Ganz nebenbei erfahren sie von Michael Bussenius, dass Trampeltiere bis zu 14 Tage ohne Wasser auskommen können und dann gern mal 200 Liter auf einmal trinken.

Känguruh-Ersatzmama überrascht Besucher

Nach einem kurzen Stopp bei Glücksschwein „Marzipan“ hat der Zooinspektor eine weitere Überraschung für die Gäste parat. Er begrüßt die Auszubildende Viktoria Stelter, die zusammen mit Florian Hartmann das im Sommer von der Mutter verstoßene Känguru-Baby Joey aufzieht. Unter ihrer Jacke gibt sie einen Beutel preis, aus dem das neugierige Junge in entzückte Menschengesichter blickt. Bis Februar werde er noch in ihrer Obhut bleiben, bevor er endgültig zu seinen Artgenossen darf. „Wir sind sehr oft zusammen mit Joey hier, damit er sich in die Känguru-Gruppe integrieren kann“, informiert die Ersatzmama. Ansonsten sei das Leben mit Joey wie das mit einem Baby. Die 21-Jährige berichtet vom nächtlichen Fläschchengeben, den unterstützenden Schwiegereltern und ganz viel Kuscheleinheiten. „Joey schläft sogar bei uns im Bett, weil er ganz viel Körpernähe braucht.“

"Showeinlage" bei den Berberaffen

Zutraulich zeigen sich etwas später auch die freilaufenden Berberaffen – und sorgen für reichlich Gelächter, als sie einer Dame eine Tüte mit Eierwaffeln aus der Hand stibitzen. Die Borstenschweine dagegen freuen sich über ein paar Brotlaibe, die Bussenius ihnen ins Gehege wirft.

Die letzte Station ist erreicht. Gegen 12.30 Uhr entlässt er die Besucher in die eigene Mittagspause – und in ein „gesundes, erfolgreiches und friedvolles neues Jahr.“ Für den Tiergarten selbst werde es ein ganz besonderes: 2020 feiert die Einrichtung ihr 60-jähriges Bestehen.