Halberstadt l Ist im Tauziehen rund um die unnötigen Feuer-Alarmierungen in der Zast nun eine Lösung in Sicht? Ob es bei einem für den 7. September 2018 anberaumten Spitzentreffen, zu dem der Halberstädter Oberbürgermeister Andreas Henke (Die Linke) ins Rathaus eingeladen hat, schon verbindliche Entscheidungen gibt, ist offen. Sicher aber ist: Es gibt eine Tendenz.

Kurze Verzögerung hilfreich

Zumindest zeichnet sich mehr und mehr ab, dass eine kurze zeitliche Verzögerung im automatischen Meldeweg zwischen den Nottastern in der Zast und der Kreis-Leitstelle eine gangbare Lösung sein könnte. Dafür hatte beim Aufkommen der jüngsten Debatte gegenüber der Volksstimme bereits Zast-Chef Eckhardt Stein plädiert.

Dreh- und Angelpunkte der Debatte sind gehäufte Notrufe, die insbesondere nachts in der Zast ausgelöst worden sind, ohne dass tatsächlich eine Gefahr bestand. Binnen fünf Wochen waren die Halberstädter Feuerwehren zu zwölf Einsätzen ausgerückt – elf davon Fehl­alarme. Der Abteilungsleiter Feuerwehr in der Verwaltung, Jörg Kelle, formuliert in dieser Hinsicht deutlicher und spricht von „bösartigen Alarmierungen“.

Unnötige Belastung

Das Problem: Bislang mussten neben den regulären Kräften der Hauptberuflichen Wachbereitschaft (HWB) stets auch viele freiwillige Feuerwehrleute mit ausrücken, um garantiert die nötige Einsatzstärke von neun Mann zu erreichen. Hier sahen und sehen Kelle und Stadtwehrleiter Thomas Dittmer eine große Gefahr: Wenn die Freiwilligen immer wieder nachts unnötig aus dem Schlaf gerissen werden und umsonst zur Zast eilen, könne sich eine so große Frustration einstellen, dass sie irgendwann bei Zast-Alarmierungen gar nicht mehr antreten. „Und das wäre bei einem wirklichen Ernstfall ganz fatal“, warnt Jörg Kelle.

Ausrücke-Ordnung verändert

Um das „unnötige Verbrennen“ (Dittmer) der Ehrenamtler zu verhindern, hat Kelle zuletzt das Ausrückeregime verändert. Aktuell werden bei Alarmierungen via Zast-Notfall-Taster nur noch die HWB und einige wenige Freiwillige alarmiert. Letztere nach einem Rotationsprinzip, sodass jeder mal an der Reihe ist. Das aber, sagt Kelle, sei bestenfalls ein Kompromiss. Auch er plädiert ganz klar für einen definierten Zeitverzug, sprich eine Interventionszeit, beim Notrufdurchlauf vom Notfall-Taster zur Leitstelle.

Kompromiss möglich

Er, Thomas Dittmer und Zast-Chef Eckhardt Stein sehen hier aufgrund der Besonderheiten in der Zast eine gangbare Lösung. Schließlich sei seit 2015 in jedem der drei belegten Blöcke rund um die Uhr ein Wachmann als Brandwache platziert. Werde in einem Block ein Taster gedrückt, könne der Wachmann binnen weniger Augenblicke dorthin eilen, um die tatsächliche Lage zu klären.

Brennt es wirklich, könnte er sofort mit Evakuierung und Brandbekämpfung beginnen, weil der Alarm nach beispielsweise anderthalb Minuten Interventionszeit automatisch zur Leitstelle geht und dann die Feuerwehren ausrücken. Brennt es nicht, hätte der Wachmann anderthalb Minuten Zeit, um die Leitstelle über den Fehlalarm zu informieren, sodass die Wehrleute im Depot oder in ihren Betten bleiben können.

Landkreis muss entscheiden

Wenn gesetzlich möglich, sei das eine gangbare Lösung, findet mittlerweile auch Kreisbrandmeister Kai-Uwe Lohse. Er habe das Thema mit vorgesetzten Behörden diskutiert und auch dort zustimmende Signale vernommen. Die endgültige Entscheidung bleibt indes bei den zuständigen Brandschutzverantwortlichen im Bauordnungsamt der Kreisverwaltung.

Deren Vertreter seien zur heutigen Runde ebenfalls eingeladen, so OB Henke. Hinzu kämen die Polizei und Zast-Chef Stein. Kelle, Dittmer, OB Henke sowie Zast-Chef Stein und Kreisbrandmeister Lohse dürften in der Runde für die Intervensionszeit plädieren. Abzuwarten bleibt die Sicht von Polizei und Bauordnungsamt.

Regel nur für Notruftaster

Jörg Kelle präzisiert noch in einem Punkt: „Uns geht es nur um eine Interventionszeit bei den Notruftastern, die immer wieder böswillig gedrückt werden. Wir reden hier nicht über die automatischen Rauchmelder – hier soll der Alarm weiter unverzögert durchlaufen.“

Interessant ist derweil noch ein weiterer Fakt: Nachdem in der Nacht zum Donnerstag voriger Woche Zast-Bewohner nach zwei Fehlalarmen einen Tatverdächtigen in der Zast gestellt haben, blieben weitere unnötige Alarme aus. Das könnte dafür sprechen, dass der 18-jährige Asylbewerber aus Guinea-Bissau, der die Taten abgestritten hat, doch der Täter war und obendrein auch für die anderen Taten verantwortlich sein könnte.

Das sei ein Aspekt, so Kelle. Da es in der Vergangenheit immer wieder zur temporären Häufung von böswilligen Alarmierungen in der Zast gekommen sei, müsse eine generelle Lösung her. Eine, die die Sicherheit in der Zast garantiere, zugleich aber die Feuerwehrleute vor Missbrauch schütze.