Langenstein l Trommelwirbel kündigt den Besuch an, aufgeregt schauen die Knirpse aus der Haustür, die Eltern dicht dabei. Man weiß ja nie. Und so einen großen Osterhasen haben die wenigsten Kinder schon einmal gesehen.

Abstand beachtet

Lachend zieht Frank Pardeike den roten Klapp-Bollerwagen in Position, Kornelia Liebscher nimmt einen kleinen Schokohasen und einen der liebevoll gestalteten Holzhasen und packt alles in eine kunterbunt bemalte Dose. Auch ein kleiner Brief samt Sonnenblumenkern wandern in die Blechbüchse, die Luis Bültemann hält und aus der sich das so überraschte Kind die kleine Osterüberraschung nimmt. „Damit es kontaktlos klappt und kein Kind in den Sachen wühlt“, sagt Frank Pardeike. Schließlich gilt es, Abstand zu halten und Hygiene­vorschriften zu beachten. Die Latexhandschuhe gehören dazu.

Der Leiter der Kindertagesstätte „Hoppelnase“ kommt in seinem Hasenkostüm ganz schön ins Schwitzen, obwohl der morgendliche Wind kühl ist. Aber die Strapaze nimmt er gerne auf sich, schließlich will er „seine“ Kinder zu Ostern überraschen.

Bastelvorschläge an der Tür

Die meisten der 70 Krippen-, Kindergarten- und Hortkinder, die sonst in der Einrichtung betreut werden, sind wegen der landesweiten Kita-Schließungen zuhause. Acht bis zehn Kinder sind in der Notbetreuung, hier haben Eltern keine andere Möglichkeit, um ihren wichtigen Berufen nachzugehen. Für alle Eltern hängen am Eingang Mappen, die regelmäßig mit neuen Spiel- und Beschäftigungsideen gefüllt werden. „Die Kinder, die jetzt nicht bei uns sein können, kommen nach Feierabend einzeln auf das Gelände und ziehen sich einen der Bastelvorschläge aus den Folien“, berichtet Frank Pardeike.

Während die Kinder in der Notbetreuung an diesem Vormittag versteckte Überraschungen auf dem Freigelände suchen können, haben die anderen „Hoppelnasen“ dazu keine Chance. Also entschloss sich Pardeike, zum Osterhasen zu werden. Geschminkt von Erzieher Hanno Klemens und unterstützt von Kornelia Liebscher, die eine lange Liste mit den Adressen der Zuhause betreuten Kinder dabei hat, macht sich Pardeike am Donnerstagmorgen auf dem Weg. Begleitet von Luca Bültemann, der für den Trommelwirbel vor dem Haus des jeweiligen Kindes sorgt.

Erzieher basteln

Der 15-Jährige ist der Bruder des zehnjährigen Luis und wie dieser im Spielmannszug Langenstein aktiv. Der Verein unterstützte das Anliegen des Kindergartenchefs ebenso gerne wie der Essensanbieter, der die Schokohasen spendierte.

„Für die Kleinsten haben wir Erzieher in den vergangenen Tagen Papier-Osterhasen gebastelt, für die Großen einen aus Holz. Alle bekommen einen Gruß aus der Kita, zu dem auch bunte Eier gehören, die wir mit den Kindern in der Notbetreuung gemeinsam gefärbt haben“, berichtet Pardeike.

Man wolle, so sagt er, trotz aller Einschränkungen versuchen, den Kindern ein so schönes Osterfest wie möglich zu bereiten. Ein Ansinnen, dass nicht nur bei den Eltern auf positive Resonanz stieß, sondern auch ein MDR-Team nach Langenstein lockte.

Sonnenblumen-Wiese

Frank Pardeike hofft, dass die Familien auch bei der Samenkorn-Idee mitziehen. Denn dass die Mädchen und Jungen aus der Kita „Hoppelnase“ ein Samenkorn geschenkt bekommen, hat einen Hintergedanken, wie er sagt. „Wir möchten, dass die Kinder den Sonnenblumenkern in einen Topf mit Erde aussäen und später die kleine Pflanze mit in die Kita bringen.“ Die Pflänzchen sollen auf eine Wiese am Zaun gesetzt werden. Weil die Sorte mehrjährig ist, könnten die Kinder, Eltern und Erzieher lange Freude daran haben. „Ich glaube aber nicht, dass wir sie Corona-Wiese nennen werden“, sagt Pardeike lachend.