Kirchen

Pfarrstelle wieder besetzt

Seit November ist Elfi Runkel Pfarrerin der Liebfrauengemeinde in Halberstadt.

Von Sabine Scholz

Halberstadt l Es ist zwar nur eine kleine, aber es ist eine Stadt. Und in eine Stadt wollte sie gern. Also bewarb sich Elfi Runkel um die Stelle, von der ein Kollege ihr berichtet hatte, dass diese neu besetzt werden solle. Und so kam es, dass die studierte Theologin nach Halberstadt reiste. Hier führte sie Gespräche mit der Leitung ihrer künftigen Gemeinde und stellte sich dieser vor. Sie hatte sich zuvor das Okay der hiesigen Landeskirche eingeholt, sich bewerben zu dürfen. „Man wird ja lebenslang verbeamtet, da ist es verständlich, dass man vorher gucken will, wer da von einer anderen Landeskirche wechseln will und dann auf der Gehaltsliste steht“, sagt die Pfarrerin und muss schmunzeln.

Nun ist sie in Halberstadt, als Pfarrerin an der Liebfrauenkirche tätig. Eine halbe Stelle zwar nur, aber es macht ihr Spaß, sich in dem neuen Umfeld einzuarbeiten. Die Osnabrückerin stammt aus einem Pfarrhaushalt. Mutter, Vater und Großvater sind Pfarrer, aber die Studienwahl des Nesthäkchens war zunächst nicht Theologie, sondern Sozialpädagogik. „Aber nach einem Jahr wusste ich, dass will ich nicht. Es ist blöd, etwas nicht zu machen, nur aus Opposition heraus“, sagt sie rückblickend. Ihre beiden älteren Brüder haben andere Berufswege eingeschlagen, einer ist bei der Bundeswehr tätig, der andere in der Computerbranche. Aber Elfi Runkel merkte, die Theologie liegt ihr.

Studiert hat die Wander- und Kletterfreundin in Wuppertal und Heidelberg, promoviert in Siegen. Über das Thema „Kirche als Gemeinschaft in der Ekklesiologie Johannes Calvins und Karl Barths“. Ein Thema, dass der Pfarrerin wichtig ist. „Was heißt das, in einer Gemeinschaft zu sein, dazuzugehören? Das spielt nicht nur in der reformierten Kirche eine Rolle“, sagt sie. Auch in der Ökumene sei das eine zentrale Frage, denn trotz aller Unterschiede, die in den christlichen Kirchen existieren, letztlich bezeichnen sich alle als Christen. „Es ist hilfreich, keine Berührungsängste zu haben. Menschen sind unterschiedlich, haben verschiedene Arten, sich zu ihrem Glauben zu bekennen. Das kann man respektieren und muss sich nicht die Köpfe einschlagen“, sagt die Pfarrerin der Liebfrauengemeinde .

Das Wort reformiert hat für sie einen hohen Stellenwert, es kennzeichne den permanenten Wandel, dem sich auch ihre Gemeinde gegenübersieht. „Wir führen aus gutem Grund keinen der Reformatorennamen, ob nun Calvin, Zwingli, Luther. Sie alle haben wesentliche Impulse gegeben. Wir müssen uns dem steten Wandel in der Gesellschaft stellen, uns selbst und unsere Rolle in der Gesellschaft betrachten, fragen, was ist uns wichtig.“ Die Welt ist kein idealer Ort, dem muss man sich stellen, sagt sie. Manchmal muss man zwischen kleinerem oder größerem Übel wählen. „Sich aus allem raushalten zu wollen, funktioniert nicht.“ Da ist sie in ihrer Gemeinde wohl genau richtig.

Elfi Runkel ist begeistert von der Herzlichkeit und Offenheit, mit der ihr nicht nur ihre neue Gemeinde begegnet ist. Auch die gelebte Nachbarschaft am Domplatz hat sie überrascht. mitten in der Stadt so etwas zu finden, hätte sie nicht erwartet. Als angenehm empfindet sie die Offenheit der Nachbargemeinden am und rund um den Domplatz. Für sie ist es eine spannende Erfahrung, in einem Umfeld zu arbeiten, das sich mehrheitlich zu keinerlei Konfession bekennt. An ihrer vorherigen Arbeitsstelle, einem Dorf in Ostfriesland, war das anders. Da ist die Zugehörigkeit zu einer Kirchgemeinde völlig selbstverständlich.

Dass sie einmal in einem so beeindruckenden Gotteshaus wie der Liebfrauenkirche in Halberstadt arbeiten würde, hätte sie sich nicht träumen lassen. Sie ist groß geworden in einer Neubaukirche aus den 1960 Jahren, berichtet sie. Da ist die große romanische Basilika eine neue Erfahrung. Das Schöne an dem großen Bau sei, dass er viele Möglichkeiten für ihre Arbeit bietet. „Allein schon, weil das Kirchengestühl nicht fest eingebaut ist“, sagt Elfi Runkel.

Und die Stadt? Einen Lieblingsort hat sie schon, das Café Hirsch, sagt die 1977 Geborene. Auch wenn Halberstadt klein ist, findet sich alles, was zu einer Stadt gehört. Im Theater war sie, jeder Neubürger erhält von der Stadt eine Karte geschenkt. Kino, Schwimmhalle, der Harz vor der Haustür, es passt alles für die reiselustige Naturfreundin, die sich dieses Jahr auf den Besuch einer Halberstädter Partnergemeinde im ostafrikanischen Tansania freut. Und, dass ein Garten zum Pfarrhaus gehört, freut sie sehr. „Da kann ich mit meinen Händen etwas schaffen, draußen im Grünen sein, gestalten.“