Halberstadt l „Man muss sich ja immer was Neues einfallen lassen“, sagt Jens Ganso und bezieht das nicht allein auf das Angebot der Händler. Als aktueller Betreiber des Halberstädter Weihnachtsmarktes will er mehr auf nachhaltiges Wirtschaften achten. Als ersten Schritt sieht er dabei den Kampf gegen die Berge von Plastikmüll, die jeden Tag auf dem Markt anfallen.

Vor Beginn des adventlichen Treibens auf dem Fischmarkt entschied Ganso deshalb, dass die Styroporbecher verschwinden sollen. Also orderte er Plastikbecher – aus stabilem Material, bis zu 400 Mal zu benutzen, spülmaschinengeeignet und Bestandteil eines deutschlandweiten Pfandsystems. „Den Becher können die Gäste dann mit ihrem Absacker nach Hause nehmen und gern wieder mitbringen und auffüllen lassen“, sagt Ganso, der allen Getränkeanbietern des Marktes diese Becher „verordnet“ hat.

Kein Plastikbesteck mehr ab 2020

Bislang habe sich bei ihm niemand gemeldet, der die Styroporbecher vermisse, sagt der Unternehmer, der im kommenden Jahr weitere Schritte in Richtung Nachhaltigkeit gehen will. So sind schon jetzt Plastikteller weitgehend vom Markt verbannt, das Besteck soll folgen. „Manche sagen zwar, es schmeckt nicht, mit einer Holz- oder Bambusgabel zu essen, aber irgendwo müssen wir ja endlich mal anfangen und etwas tun gegen den Plastikmüll, der Umwelt und Meere belastet“, so Ganso.

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Er will in seiner Bewerbung für die nächsten Märkte dieses Thema weiter vorantreiben. Als Betreiber kann er Rahmenbedingungen für die Händler festlegen, erläutert er.

Diese Pläne sind aber weitestgehend noch Zukunftsmusik. Doch wie sieht es aktuell auf dem Halberstädter Weihnachtsmarkt aus? Ist das Thema Nachhaltigkeit bei Gästen und Händlern angekommen?

32 Buden auf dem Fischmarkt

Wer seinen Blick über die Auslagen der 32 Buden, die in diesem Jahr auf dem Halberstädter Fischmarkt stehen, schweifen lässt, findet tatsächlich kaum Plastikteller, auch Styroporbecher gibt es nirgends zu entdecken. Aber hier und da sind noch Einwegbestecke und -trinkhalme sowie kleine Becher für Kostproben aus Plastik zu entdecken.

So stehen am Crêpesstand Plastikgabeln und -messer für die Kunden bereit. „Das ist Altbestand. Den brauchen wir erstmal auf“, sagt der Mitarbeiter der Bude – die übrigens von einer Jury zur schönsten in diesem Jahr auf dem Halberstädter Weihnachtsmarkt gewählt wurde. Grundsätzlich, so betont der junge Mann, sei man anschließend für umweltfreundlichere Alternativen offen. Und bereits jetzt seien die Verpackungen für Schmalzkuchen und Quarkbällchen recycelbar. Sie bestehen aus Pappe oder Papier.

Germknödel kommen in Brotdose

Wenige Meter weiter, an der Rathausschenke, muss schon genau hingeschaut werden, um eine kleine Umweltsünde zu entlarven: Plastikstrohhalme. Die Trinkhilfen kommen zum Beispiel für heißen Caipirinha zum Einsatz, erläutert Francis Eulenstein. Auch sie hätte nichts dagegen einzuwenden, Trinkhalme, die wiederverwendbar oder -verwertbar sind, auszugeben. Aber zum einen sei nicht sie für den Einkauf zuständig und zum anderen dürfe der Kostenpunkt nicht außer Acht gelassen werden. Trinkhalme aus Glas oder Metall zum Beispiel können zwar gut gereinigt werden, sind aber teuer. Die aus Papier seien dagegen für Heißgetränke nicht geeignet, weil sie viel zu schnell aufweichen.

In der Backstube suchen die Mitarbeiter ebenfalls noch nach einer geeigneten Alternative. In ihrem Fall geht es um Alufolie. „Viele lassen sich zum Beispiel die Germknödel für zu Hause einpacken, die sollen natürlich warmbleiben und nicht kleckern“, erläutert Karla Jackel.

Von der Folie abgesehen, sei die Bude aber seit dieser Saison „voll auf Öko umgestellt“, wie sie berichtet. Die Bestecke und die Stäbchen für das Schmalzgebäck sind aus Holz, Teller und Servietten bestehen aus recyceltem Papier und sind komplett abbaubar, berichtet die 69-Jährige. Seit sieben Jahren ist sie in der Bude tätig und beobachtet einen Trend, der immer mehr zunimmt. „Essen kommen immer mehr Leute, die ihre eigenen Tupperdosen mitbringen, die wir dann füllen“, sagt sie.

Auch in der Rathausschenke kann man Glühwein und Co. in den eigenen Thermobecher füllen lassen, sagt Francis Eulenstein. So wird Müll komplett vermieden.