Wülperode l Ein alter Kfz-Sperrgraben, ein Stück Zaun dahinter, Schautafeln daneben: Das Denkmal bei Wülperode im Harz, dort, wo vor 30 Jahren die innerdeutsche Grenze verlief, wurde von Schülern erschaffen. Um die eigene Geschichte besser zu verstehen, besser greifbar zu machen. Um nicht zu vergessen. Doch in der Nacht zum Sonnabend haben Unbekannte das Grenzdenkmal des Fallstein-Gymnasiums zerstört.

"Ich bin erschüttert", sagte Projektinitiator Sebastian Knobbe. "Die Schilder wurden herausgenommen und hingelegt, das war kein blinder Vandalismus, sondern eine geplante politisch motivierte Tat zum 9. November." Für den Lehrer ist die Zerstörung auch ein Zeichen dafür, "wie viel Hass es da noch gibt, wie tief der Stachel bei einigen Menschen steckt".

Die mutmaßlich mehreren Täter haben die drei hölzernen Informationstafeln, die vor einem Jahr aufgestellt wurden, aus der Verankerung geschraubt. Zwei Tafeln blieben direkt daneben liegen, eine wurde in Richtung Oker weggezogen. Darüber hinaus flexten die Täter die Metallpfosten für das große braune Schild, das das Land Sachsen-Anhalt 2009 zur Erinnerung an den Fall des Eisernen Vorhangs aufgestellt hatte, durch und kippten die beiden Tafeln um. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen.

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Entsetzen in und um Osterwieck

In der Morgendämmerung hatte Landwirt Heiko Hartmann aus Lochtum Familie Weihe in Abbenrode angerufen und von den Beschädigungen, die er im Vorbeifahren an der Landesstraße entdeckt hatte, berichtet. Auch Lothar Engler vom Grenzerkreis eilte gleich vor Ort. „Ich konnte das erst gar nicht glauben“, sagte er. „Am 9. November – das hat Symbolkraft“, betonte Wülperodes Ortsbürgermeister Dirk Heinemann (SPD), der auch Stadtratsvorsitzender in Osterwieck ist, kopfschüttelnd.

Das Schülerprojekt ist in Deutschland einmalig. Seit 2015 erleben Zehntklässler des Fallstein-Gymnasiums in Osterwieck hier einen Teil der Geschichte ihrer Eltern hautnah. Bei Arbeitseinsätzen werden Tafeln errichtet und das Gelände gepflegt. Für dieses Engagement ist das Gymnasium erst vor wenigen Tagen mit dem Denkmalpreis des Landes Sachsen-Anhalt ausgezeichnet worden

Am Samstagvormittag waren die alarmierten Polizeibeamten zunächst vor Ort, um Spuren zu sichern. „Wir ermitteln wegen Sachbeschädigung“, so der Leitende Einsatzbeamte vom Dienst im Harzer Polizeirevier auf Anfrage. Seitens der Polizei wird der aufgrund der Schändung entstandene Sachschaden auf rund 8000 Euro geschätzt. Die Kriminalpolizei habe Ermittlungen aufgenommen. Ob spezielle polizeiliche Abteilungen – aufgrund der Rahmenbedingungen beispielsweise der Staatsschutz – tätig werden, bleibt abzuwarten.