Eilenstedt l Aufregung in Eilenstedt: Am Sonntagmorgen, 23. August 2020, haben viele Einwohner erfahren, dass es in ihrem sonst so beschaulichen Ort in der Nacht einen Großeinsatz der Polizei gegeben hatte. Dieser galt einem Eilenstedter Bürger, der Hunderte Waffen in seinem Haus aufbewahrt.

„Der Einsatz muss recht ruhig abgelaufen sei“, berichtet Ortsbürgermeister Michael Richter (parteilos), der selbst erst am Sonntagmorgen davon erfuhr. Als ehrenamtliches Dorfoberhaupt sei er in keine Meldekette eingebunden und könne nur weitergeben, was er aus den Medien erfahren habe. Demnach soll es sich um einen 56-Jährigen Mann handeln, der Hunderte Waffen, Granaten und weitere Militärgegenstände sammle und diese zu Hause aufbewahre. So sei ein privates militärhistorisches Museum entstanden, mit Waffen, die vorrangig aus dem 18. und 19. Jahrhundert stammen.

Zwei Schüsse

Für viele Diskussionen und Ängste haben vor allem zwei Schüsse gesorgt, die laut Polizeiinspektion Magdeburg von Zeugen wahrgenommen worden. Zu diesem Zeitpunkt habe sich der 56-jährige Verdächtige in seinem Wohnhaus befunden. Aus diesem Grund, so informiert ein Sprecher, haben die Polizeibeamten das Sondereinsatzkommando (SEK) angefordert. Jedoch habe sich schnell herausgestellt, dass der Mann nicht geschossen habe.

Das berichtet auch Ortsbürgermeister Richter. „Die Schüsse haben mit dem Einsatz überhaupt nichts zu tun und sind von Jägern in der Plantage abgefeuert worden.“

Dennoch kochte am Sonntagmorgen die Gerüchteküche in Eilenstedt über, viele Spekulationen machten die Runde, die sich auf die sozialen Medien, aber auch auf Berichte von Zeugen bezogen haben. Denn, auch wenn die einen von der nächtlichen Aktion nichts wahrgenommen haben, andere Bürger haben genau mitbekommen, was im Oberdorf vor sich gegangen ist.

Zur Identität des Waffensammlers wurde mittlerweile bekannt, dass es sich um einen Mann handele, der erst kürzlich nach Eilenstedt gezogen sein soll. Der Waffensammler wird als ruhig beschrieben.

Anonymer Hinweis?

„Für weitere Einzelheiten sollte nun der Polizeibericht abgewartet werden“, betont Ortsbürgermeister Richter. Natürlich stelle sich die Frage, warum ein solcher Polizeieinsatz, der offensichtlich als normale Kontrolle geplant gewesen sei, ausgerechnet an einem Wochenende und noch dazu mitten in der Nacht geschehen muss. Er wüsste gern den Anlass für diese Untersuchung. Möglicherweise sei ein anonymer Hinweis ursächlich für diesen Einsatz.

Wie der Sprecher der Polizeiinspektion Magdeburg auf Volksstimme-Nachfrage berichtet, sei der Zeitpunkt nicht ungewöhnlich. Dass sich der Einsatz so lange hingezogen habe, sei dem Umstand geschuldet, dass der Verdächtige zunächst nicht zuhause angetroffen werden konnte.

Zur Anzahl der gefundenen Waffen gab der Sprecher keine konkrete Bestätigung. Es sei eine „Vielzahl“ gefunden worden, berichtet er. Nach ersten Erkenntnissen seien viele der Waffen unbrauchbar gemacht worden, sodass nicht damit geschossen werden könne. Zudem könne der Neu-Eilenstedter einen Waffenschein vorweisen. Die scharfen Waffen, die sich im Haus befanden, waren vorschriftsmäßig aufbewahrt worden.

Untersuchung am Montag

Wie von der Polizeiinspektion in Magdeburg zu erfahren war, ist das Haus derzeit von der Staatsanwaltschaft versiegelt worden. „Die Zeit reichte nicht aus, um die Vielzahl der Waffen sofort zu kontrollieren.“ Ermittlungen wegen des Verdachts, dass gegen das Waffengesetz verstoßen wurde, sind zunächst eingeleitet worden. Am Montag, 24. August 2020, werde die Polizei zusammen mit der zuständigen Waffenbehörde prüfen, ob sich der Verdacht bestätigen lässt, oder der 56-Jährige alle gefunden Waffen legal besitzt.

Grundsätzlich beurteilt der Michael Richter das nächtliche Geschehen positiv. „Ich finde es sehr gut, dass die Staatsmacht eingreift, eine mögliche Gefährdung der Bürger kontrolliert und für Ordnung sorgt.“ Scheinbar funktioniere dieses oft kritisierte System der Sicherheit ja doch ganz gut. Beunruhigt sei er nicht, so der Ortsbürgermeister weiter. „Was wir bisher wissen, ist, dass die Waffen vorschriftsmäßig behandelt und unzugänglich aufbewahrt worden sind.“ Niemand sei mit scharfer Waffe durch das Dorf gelaufen.