Bühne l Vier Afrikaner an der kleinen Grundschule Bühne, das war schon etwas ­Außergewöhnliches für die 76 Mädchen und Jungen und überhaupt so ein kleines Dorf. Dabei war die Initiative „Black & White“ um ihren Vereinsvorsitzenden Wolfgang Lieberknecht vor fünf Jahren schon einmal hier, damals aber bei einer anderen Grundschüler-Generation.

Lehrer waren sofort begeistert

Die Lehrer waren schon seinerzeit begeistert von dem Afrika-Projekt. Schulleiterin Angelika Rüstenberg hatte damals auch eine CD erworben mit afrikanischer Musik, die danach immer mal wieder in den Unterricht eingebaut wurde. Nun waren die Künstler leibhaftig da, tanzten, sangen und trommelten mit den Kindern. In einem vorbereitenden Projekt, berichtete die Schulleiterin, hatten sich alle Kinder kleine Trommeln gebastelt.

„Wir versuchen jedes Jahr etwas Künstlerisches zu bieten“, sagte Rüstenberg. Jetzt also wieder die Afrikaner. „Ich finde es total wichtig, fremde Kulturen kennenzulernen“, sagte sie auch angesichts der Flüchtlingsströme und -debatten, die aber an Bühne mehr oder weniger vorbeigehen. „Bühne ist ja nicht der Mittelpunkt der Welt.“ Flüchtlingskinder gebe es hier nicht, aber ein Kind mit Wurzeln aus einem anderen EU-Land.

Informationen über den Kontinent

Bestandteil des Tagesprogramms sind auch Informationen über Afrika, den Kontinent, die Menschen, das Leben dort. Wolfgang Lieberknecht verweist dabei auf die Ungerechtigkeit, dass Afrika zwar ein reicher Kontinent sei, aber die Menschen davon nichts haben. Reichtum vor allem im Form von Bodenschätzen, ohne die hier kein Smartphone und keine Batterie laufen würde. Die Flüchtlingswelle sei eine Folge der Ausbeutung des Kontinents. Daher könnte die Lösung nur darin bestehen, die Fluchtursachen zu beseitigen. „Jede Flucht ist eine persönliche Niederlage im Leben“, betonte er.

Initiative agiert bundesweit

Um die 100 Projekte begleitet die Initiative „Black & White“ jedes Jahr. „Es könnten noch mehr sein“, sagte Lieberknecht. Ihren Sitz hat die Gruppe in der hessischen Stadt Wanfried, an der Grenze zu Thüringen gelegen. Vor fünf, sechs Jahren, so berichtete Lieberknecht, sei man noch relativ selten im Osten Deutschlands gewesen. „Das hat sich geändert, jetzt sind es 70 Prozent. Ich denke, man hat hier erkannt, dass man etwas tun muss, sonst geht es nach rechts ab.“ Die Ini­tiative ist nicht nur in Grundschulen unterwegs, sondern von Kindertagesstätten bis Förderschulen und Gymnasien. In der Region war sie 2012 auch schon in Hessen und 2016 in Osterwieck an den Grundschulen gewesen.

Seit gut 15 Jahren tourt die Gruppe durch Deutschland. Übernachtet wird, wie in Bühne, meist gleich in den Schulen. Wolfgang Lieberknecht selbst ist von Hause aus Journalist, er berichtete Anfang der 1990er Jahre von den rassistischen Ausschreitungen in Rostock und Hoyerswerda. Für das Afrika-Projekt hängte er seinen Job an den Nagel.

Angesichts der Flüchtlingsproblematik hat er weitere Ideen. In seinem Heimatort ist ein Afrika-Forum im Entstehen. Darin organisieren sich Afrikaner. Sie wollen Vorschläge erbringen, die Fluchtursachen zu beseitigen sowie die Menschen in Deutschland darüber aufklären, warum Afrikaner nach Europa fliehen.