Aderstedt/Halberstadt l Am Ende wird es bei diesem Projekt nur Gewinner geben. Da ist die Aderstedter Feuerwehr, die sich über ihre restaurierte Feuerwehrleiter aus dem Jahr 1928 freuen kann.

Teamarbeit ist gefragt

Auf der anderen Seite gibt es zwölf junge Erwachsene, die im Rahmen einer Arbeitsgelegenheit im VHS-Bildungswerk bei praktischen Arbeiten, wie zum Beispiel dieser Leiter, nicht nur ihre handwerklichen Fähigkeiten verbessern, sondern sich auch soziale Kompetenzen aneignen und als ein Team agieren. „Das Besondere bei diesem Vorhaben ist, dass wir ein Jahr lang nicht nur an verschiedenen Projekten zusammenarbeiten, sondern am Ende soll jeder unserer Teilnehmer seinen Führerschein in der Tasche haben“, erklärt Michael Pfeiffer, der sich beim VHS als Anleiter um die praktischen Arbeiten kümmert.

Möglich wird dies durch die Kooperation des Bildungsträgers mit der Kommunalen beschäftigungsagentur (KoBa), die für diese besondere Arbeitsgelegenheit neben dem Arbeitslosengeld II nicht nur den sonst üblichen Satz von einem Euro pro Tag, sondern einen erhöhten Mehraufwand von 1,20 Euro angesetzt hat.

Geld für Führerschein

„Dieses Geld wird nicht ausgezahlt, sondern beim VHS gespart, um den Führerschein zu bezahlen,“ erklärt Andrea Blauwitz, Koordinatorin beim VHS. Das Ganze geschehe selbstverständlich im Einvernehmen mit den jungen Leuten, die in Härtefällen auch über ihr Geld verfügen könnten. Dieses besondere Projekt wird begleitet durch „JuNeA“, eine Beratungsstelle der KoBa und des Landkreises Harz für junge Erwachsene (siehe Infokasten).

Dass ein Arbeitnehmer in der heutigen Arbeitswelt mobil sein sollte, ist kein Geheimnis. „Für viele junge Leute ist der Erwerb des Führerscheins keineswegs selbstverständlich“, ergänzt Michael Pfeiffer. Gegenwärtig büffeln seine zwölf Schützlinge nun gemeinsam für die theoretische Prüfung. Ist die bestanden, sind sie auf dem besten Wege, bis zum Jahresende ihre „Fleppen“ in der Tasche zu haben und damit ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt deutlich zu verbessern.

Endlich mobil sein

Eine der Teilnehmerinnen ist die alleinerziehende Jenny (22). Sie würde gern eine Ausbildung in einem handwerklichen Beruf absolvieren. „Am liebsten mit Holz.“ Bisher seien jedoch alle Versuche, direkt in Halberstadt einen geeigneten Betrieb zu finden, gescheitert. „Für das Umland gibt es zu wenige Busverbindungen, da ist man einfach auf ein Fahrzeug angewiesen“, betont Michael Pfeiffer. Diese Erfahrung hat auch Patrick aus Halberstadt bereits gesammelt. Er ist Tierwirt und würde gern in der Rinderhaltung arbeiten. Doch ein solcher Arbeitsplatz befinde sich auf dem Land und sei stets mit Schichtarbeit verbunden. Wenn Patrick seinen Führerschein hat, will er „richtig durchstarten“. Es sei zudem ein schönes Gefühl, die Kosten selbst bezahlen zu können.

„So lernen unsere Teilnehmer auch, dass es sich lohnt, jeden Monat etwas zur Seite zu legen und auf eine bestimmte Sache zu sparen“, sagt Andrea Blauwitz.

Nachdem sie ihre Feuerwehrleiter inspiziert haben, loben Bernd Lange und Andy Rux von der Feuerwehr Aderstedt sowie Ellen Germer vom Verein „Wir für Aderstedt“ die gute Arbeit und bedanken sich herzlich. „Irgendwann gibt es diese alten Dinger nicht mehr“, betont Bernd Lange und wünscht den Teilnehmern bei ihrem Vorhaben viel Erfolg.