Schwarm versetzt Eilenstedter in Angst / Experten: Besorgnis oft unbegründet

Rettung geglückt: Anderbecker Imker siedeln 30 000 Bienen um

Von Sandra Reulecke

Besorgt hat sich Familie Lehmann aus Eilenstedt an Imker gewandt. Ein Bienenvolk mit rund 30 000 Tieren hat sich in ihrem Garten niedergelassen. Die Fachleute haben mit Rat und Tat geholfen.

Eilenstedt l Als dreifache Mutter ist für Christin Lehmann aus Eilenstedt das Wäscheaufhängen längst Alltag. Jüngst hat sie bei dieser Routine-Aufgabe jedoch eine Überraschung erlebt. "Der Himmel wurde richtig dunkel. Außerdem war es sehr laut - wie bei starkem Wind", berichtet die Eilenstedterin. Der Grund war ein Bienenvolk, das über ihren Garten geflogen ist, um sich an einem Baum an der Grundstücksgrenze niederzulassen.

Bei dem schönen Wetter spielen der zehnjährige Justin, die sechsjährige Maxi und das sieben Monate alte Nesthäkchen Linus den ganzen Tag auf dem Grundstück. "Wir hatten Angst, weil wir nicht wussten, ob es Bienen oder Wespen sind. Vielleicht reagieren die Kinder auf Stiche auch allergisch", sagt Christine Lehmann besorgt. "Aber wir wussten nicht, wer in so einer Situation helfen kann."

"Also haben wir bei der Feuerwehr angerufen. Die haben uns gleich vorgewarnt, dass ihr Einsatz teuer wird. Eine Alternative konnten sie uns allerdings nicht nennen", ergänzt Hendrik Lehmann, selbst freiwilliger Feuerwehrmann. Dem 31-Jährigen kam dann ein Firmenschild in den Sinn: Am Ortseingang von Eilenstedt gibt es eine Imkerei. Familie Lehmann wandte sich hilfesuchend an die Fachleute.

"Die richtige Entscheidung. Ein Kammerjäger hätte das Volk wahrscheinlich vergast, Bienen sind aber stark gefährdet", sagt Sandra Scharun. Gemeinsam mit ihrem Mann kümmert sie sich um die Pflege und Aufzucht der nützlichen Insekten. Vor zwei Jahren wagten sie den Schritt in die Selbständigkeit.

Geschützt von der obligatorischen Imkerkleidung samt Haube machte sich Torsten Scharun ein Bild von der Situation. "Es war ein Volk mit 30 000 Bienen. Sie haben sich traubenförmig im Baum gesammelt", berichtet der 41-Jährige. Der Schwarm habe dort nur einen Zwischenstop eingelegt. "Späher-Bienen sind weitergeflogen, um eine neue Behausung zu suchen. Vielleicht wäre ihnen der Schwarm schon einige Stunden später gefolgt", informiert der Imker. Zum Schutz der Familie und der gefährdeten Tiere entschied er sich jedoch, sie einzufangen.

Mit einem an einer Dachlatte befestigten Eimer schüttelte er die Bienen runter und verstaute sie in einem Imker-Kasten. Dreimal musste die Prozedur wiederholt werden. Der Schwarm hat nun ein neues Zuhause in der Eilenstedter Imkerei und produziert dort Honig. "Wir bringen die Völker in einem Umkreis von 100 Kilometern zu verschieden Blütenstandorten", erläutert Sandra Scharun. So entstünden Honigsorten, die sich in Geschmack und Optik unterscheiden.

Das Imker-Handwerk haben sich die dreifachen Eltern größtenteils selbst angeeignet. Sandra Scharun ist gelernte Arzthelferin, Thomas Scharun Werkzeugmacher. "Mein Vater ist Imker. Ich bin damit also aufgewachsen", erinnert er sich. "Ich habe meinen Mann mit den Bienen kennengelernt. Nach und nach wurde so auch mein Interesse geweckt. Ich habe viel dazu gelernt", berichtet Sandra Scharun.

Sie betont: "An sich sind Bienen auch nicht gefährlich. Wenn man einen Schwarm im Garten hat, sollte man dennoch Abstand halten und einen Imker anrufen." Das sei für alle von Vorteil: "Die Gartenbesitzer sind die Bienen los und der Imker bekommt ein neues Volk", so die Anderbeckerin. In der Imkerei informiert sie Interessierte über ihre Arbeit und Bienen.