Halberstadt l Drei Tage vor Silvester sind Thomas Dittmer und seine Kollegin Nadine Kappe vom Ordnungsamt der Stadt Halberstadt im Auftrag der Sicherheit in der Kreisstadt unterwegs. Am Freitag nehmen sie mehrere Lebensmittelmärkte unter die Lupe, die an den drei erlaubten Verkaufstagen Feuerwerk im Sortiment anbieten. Natürlich mit Überraschungseffekt – die Läden wissen nicht, dass eine Streife des Ordnungsamtes kommt. „Insgesamt 30 Geschäfte verkaufen in diesem Jahr in Halberstadt Silvesterfeuerwerk“, informiert ­Thomas Dittmer, der als Stadtwehrleiter einen ganz speziellen Blick auf das Thema Silvesterknaller hat.

Es gibt strenge Auflagen für den Verkauf der explosiven Ware, erklärt Thomas Dittmer. Unter anderem dürfen die im Verkaufsraum angebotenen Knaller insgesamt nicht mehr als 70 Kilogramm Netto-Explosions-Masse (NEM) besitzen. Damit ist nicht das Gesamtgewicht der Artikel gemeint, sondern der darin enthaltene Sprengstoff. Den Grenzwert zu überschreiten, sei keine Kunst. Die großen Knaller­batterien bringen es auf bis zu einem Kilogramm reinen Sprengstoff pro Packung. Thomas Dittmer und Nadine Kappe verlassen sich nicht auf die Aussagen der Marktleiter. Sie zählen die Gewichtsangaben auf den Verpackungen zusammen, um zu sehen, ob alles korrekt ist.

Limitiert ist auch die Menge, die im Lager vorgehalten werden darf – maximal 350 Kilogramm reiner Sprengstoff. ­„Einige Märkte stellen Container auf. Ist das der Fall, zählt dieser gesondert und der Laden darf zweimal 350 Kilogramm NEM einlagern“, berichtet Thomas Dittmer.

Regake müssen beaufsichtigt werden

Immer wieder stoßen die Streifen auf ein Problem: Die Regale werden nicht beaufsichtigt, obwohl es vom Gesetz vorgeschrieben ist. „Gerade für die kleinen Geschäfte ist das eine Herausforderung, weil sie meist mit wenig Personal ausgestattet sind.“ Größere Märkte, auch in Halberstadt, ordern für die drei Verkaufstage zusätzlich Sicherheits-Mitarbeiter, sagt Thomas Dittmer. Bei den kleineren scheitert das an den Mehrkosten.

Kontrolliert wird auch, ob die Silvesterknaller zugelassen sind. „Ich habe persönlich noch nie ­illegales Feuerwerk gefunden“, betont der Ordnungsamts-Mitarbeiter.

Die erste Station der Streife ist der NP-Markt in der Sarg­stedter Siedlung. Thomas Dittmer und Nadine Kappe sehen mitten im Laden ein mit Silversterfeuerwerk vollgepacktes Regal. Eine Aufsicht fehlt. Die Kassiererin sitzt einige ­Meter entfernt. „Das reicht nicht aus. Die Frau ist abgelenkt“, stellt Thomas Dittmer fest. Die Marktleiterin verspricht, umgehend eine Kollegin zur Aufsicht abzustellen. Verlässt sich Thomas Dittmer darauf? „Mal sehen, vielleicht fahre ich später noch einmal vorbei.“ Sonst erfüllt der Markt alle Anforderungen.

Positiv überrascht ist die Streife vom Aldi in der Wolfsburger Straße. Das Verkaufsregal ist nicht überfüllt, für den Notfall steht ein Eimer mit Wasser parat. Eine Mitarbeiterin überwacht beflissen den Verkauf und füllt bei Bedarf das Regal auf. Die vorgeschriebene Netto-Explosions-Masse hat sie dabei im Blick und was noch viel wichtiger ist, sie kennt sie. Der Container vor dem Markt ist beim Ordnungsamt als Lager deklariert, die NEM-Grenze wird nicht überschritten, der Container ist mit einem Spezialschloss gesichert. „Alles super. So muss es sein“, urteilt Thomas Dittmer.

Zwei Container für den Nachschub

Im Kaufland läuft es ebenfalls super. Ein Mitarbeiter beaufsichtigt das Verkaufsregal und füllt es bei Bedarf auf. Der NEM-Grenzwert ist für ihn keine Quizfrage mit mehreren Lösungen. „70 Kilogramm“, sagt er wie aus der Pistole geschossen. Außerhalb des Marktes stehen zwei Container, in denen der Feuerwerk-Nachschub gelagert ist. Auch dort gibt es nichts zu meckern. Ein­brecher wären dort ­chancenlos. Die Kaufland-Geschäftsleitung verlässt sich nämlich nicht nur auf ein Schloss. Nach Ladenschluss wird ein dritter tonnenschwerer Container vor das Lager geschoben.

Nicht ganz so positiv fällt die Kontrolle im Bienek-Edeka aus. Auch dort wird der NEM-Grenzwert eingehalten. Wie sich herausstellt, ist das jedoch purer Zufall. Denn die Marktleitung geht davon aus, dass Silvesterknaller mit bis zu 200 Kilogramm reinen Sprengstoff im Geschäft angeboten werden dürfen. Dittmer klärt auf, dass der Wert schon lange nicht mehr aktuell ist. Marktleiter Frank Bienek verspricht, den Verkaufsstand unter Aufsicht zu stellen.

Das Fazit von Thomas Dittmer: „Insgesamt haben wir keine gravierende Mängel gefunden. Eine echte positive Überraschung war der Aldi-Markt.“