Corona

Später Start in die Spielzeit hat Folgen für das Nordharzer Städtebundtheater

Verwaiste Bühnenräume über Monate hinweg – seit dem 5. Juni hat das ein Ende. Das Nordharzer Städtebundtheater startet in Quedlinburg und Halberstadt wieder durch. Allerdings hat die Zwangspause langfristige Konsequenzen.

Von Sabine Scholz
Johannes Rieger ist Intendant und Musikdirektor des Nordharzer Städtebundtheaters.
Johannes Rieger ist Intendant und Musikdirektor des Nordharzer Städtebundtheaters. Ray Behringer

Halberstadt - Der Frust war groß. Sieben Monate Zwangspause liegen hinter den Mitarbeitern des Nordharzer Städtebundtheaters. Sieben Monate, in denen geprobt und einstudiert wurde, immer galt es, die geplanten Stücke bis zur Premierenreife zu bringen. Nur Premieren, die gab es nicht.

Trotzdem kamen die Schneiderinnen und Beleuchter, die Maskenbildner und Tänzer, die Sänger und Musiker, setzten Masken und Visiere auf, hielten Abstand, testeten sich regelmäßig auf das Corona-Virus. „Das Konzept ging auf“, sagt Theaterintendant Johannes Rieger rückblickend, „bei der Arbeit hat sich zum Glück niemand von den Mitarbeitern angesteckt.“

Stand-by-Modus zahlt sich aus

Der Theaterchef ist glücklich, dass es mit dem ersten Juni-Wochenende nun endlich wieder zurückgeht in den Spielbetrieb. Sind es doch die Auftritte vor Publikum, die den Künstlern besonders wichtig sind.

Dass das Haus im aktiven Wartemodus war, zahlt sich nun aus, die Produktionen können starten. „Im weißen Rössl“ am 5. Juni, „Waldweiberwildwechsel“ am 6. Juni und am Freitag, 11. Juni, „Evita“.

Freiluftsaison startet ebenfalls

Zunächst geht es in den Häusern los, bald jedoch heißt es: Auftritt unter freiem Himmel. „Wir starten am 11. Juni mit dem Schauspiel und am 18. Juni im Musiktheater mit der Sommerklassik-Reihe in die Freiluftsaison“, sagt Rieger. Interessanterweise beginne der Konzertreigen wieder im Schlosspark Langenstein, so wie im vergangenen Jahr, als nach dem ersten Lockdown im Frühsommer wieder Theater möglich wurde. Allerdings hoffe er, dass sich das nicht zur Tradition verstetige – denn in eine weitere Zwangspause wolle niemand.

In der Schließungszeit galt es aber nicht nur, trotzdem Stücke zu erarbeiten. „Gemeinsam mit Verkaufsleiter Bertram Beier habe ich geplant, umgeplant, wieder umgeplant und dann noch mal umgeplant, weil ja nie klar war, wann wir wieder den Betrieb richtig aufnehmen können“, sagt der Intendant und fügt an: „ Auch jetzt ist vieles ja permanent im Fluss. Zum Beispiel, was die Voraussetzungen für einen Theaterbesuch anbelangt.“

Hygienekonzept hat sich bewährt

Man steige jetzt erstmal mit den Konzepten ein, die schon im Herbst vier Monate lang sehr gut funktioniert hatten. Heißt, begrenzte Besucherzahl und negativer Schnelltest. Oder Nachweis der Genesung bzw. vollständigen Impfung.

Aktuell sind nur drei Wochenenden noch mit Aufführungen in den Häusern geplant. Das aktuelle mit zwei Aufführungen in Quedlinburg, sowie in der Woche drauf ein Halberstadt-Wochenende unter anderem mit der Premiere von „Evita“. Auch Ende Juni gibt es noch mal Haus-Aufführungen, dann geht es komplett in die Freiluftsaison.

Dazu sei aktuell ein kleines Programmheft in Arbeit, in dem sich die Termine gebündelt finden. Abgesprochen sei zum Beispiel, dass „Ronja Räubertochter“ erst am 19. Juni Premiere feiert, unter der Woche wird erst gespielt, wenn in einigen Bundesländern die Sommerferien starten. Man hoffe, sagt Johannes Rieger, dass die Zufahrtsstraße zum Hexentanzplatz pünktlich vor den Schlussproben wieder befahrbar sein wird.

Viele Verträge geändert

Sieben Monate ohne Aufführungen, das barg nicht nur jede Menge Frustpotenzial. Es war viel zu regeln – denn die Verträge mit Aufführungsrechten mussten angepasst und geändert werden, ebenso die Personalplanung – auch die für die neuen Spielzeiten.

Die Nachwehen der aktuellen Zwangspause werde das Haus noch 2023 spüren, wenn bereits jetzt fertige Stücke endlich auf die Bühne können.

Viele Stücke liegen aktuell „auf Halde“, Bühnenbilder und Kostüme warten auf den Einsatz. Und das bei den ohnehin beengten Verhältnissen in den Depots und Werkstätten.

Als Landesbühne in der Pflicht

Manches wurde in die nächste und sogar übernächste Spielzeit verschoben. Aber das war nicht mit allen Stücken möglich. „Deshalb haben wir uns schweren Herzens entschlossen, einige Aufführungen bereits nach nur wenigen Vorstellungen wieder abzusetzen. Das ist für alle unbefriedigend, aber die am wenigsten schlechte Lösung.“

Als Landesbühne wolle das Haus alle seine Verpflichtungen erfüllen, da könne man nicht einfach mit einem anderen Stück als vereinbart an den Gastspielorten auftauchen. „Wenn Sie eine Kaffeemaschine bestellt haben, wollen Sie ja auch keinen Rasenmäher, selbst wenn der sehr gut ist“, zieht Rieger einen Vergleich. Verlässlich zu sein, ist neben guter Theaterkunst wichtig, um sich auf dem umkämpften Gastspielmarkt behaupten zu können.