Wegeleben/Harsleben l Neben dem Vereinsleben widmen sich die Angler aus Wegeleben und Harsleben – als aktive Naturschützer – dem Wohl der Gewässer und deren Bewohnern. „Ein ungeschliffener Diamant ist da in unseren Augen die Bode“, sagt Pressesprecher Marco Grigoleit im Volksstimme-Gespräch. „Der Fluss hat eine überregionale Bedeutung, für die wir gern unseren Beitrag leisten wollen.“

Ursprünglich sei die Bode ein wichtiges Gewässer für die Fortpflanzung von sogenannten Langdistanz-Wanderfischen wie dem Lachs gewesen. Der Bodelachs kehrte noch im späten Mittelalter regelmäßig zum Laichen in seine seit Urzeiten angestammten Laichgründe im Harz-Vorland zurück. „Durch menschliche Eingriffe, wie den Ausbau von Wehren und Flusslaufveränderungen wurde der Fisch schon vor Generationen ausgerottet“, setzt Grigoleit seine Ausführungen fort. „Der Lachs findet hier aufgrund der hohen Wanderbarrieren – trotz vielfältiger Bemühungen im Elbe-Einzugsgebiet – nicht allein zurück. Gerade diese Fischart ist ein wichtiger Indikator für einen intakten Flussverlauf sowie auch der Wasserqualität.“

„Mit der EG-Wasserrahmenrichtlinie hat das Europäische Parlament die gesetzlichen Rahmenbedingungen unter anderem für derartige Vorhaben geschaffen“, erläutert Grigoleit. „Auf dieser Grundlage wurde für die Bode vom Land Sachsen-Anhalt ein Gewässerentwicklungskonzept (GEK) erarbeitet.“ Es diene als Fachgrundlage, um die EU-Forderungen zu erfüllen. Von den Sportfischern des Vereins Weha wurde es mit Freude zur Kenntnis genommen.

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„Wir erhoffen uns von der Umsetzung des Entwicklungskonzeptes eine deutliche Verbesserung der Lebensbedingungen für die Fische und die anderen Gewässerbewohnern der Bode“, erklärt der Pressesprecher. „Wehrrekonstruktionen, die Erweiterungen von Stauräumen sowie der Aus- oder Neubau von Wasserkraftanlagen werden damit ausdrücklich als konträr dargestellt.“

Nicht ganz ins Konzept passen den Fischern da die jüngsten Vorhaben durch den Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft in Sachsen Anhalt (LHW), erneut Wehre mit zum Teil Kleinstwasserwerken in den Lauf der Bode zu integrieren.

„Solch ein Vorhaben konnte erst kürzlich durch den engagierten Einsatz der Angler in Oschersleben verhindert werden“, berichtet Marco Grigoleit. „Hier muss man deutlich hinterfragen, welchen Nutzen solche Anlagen haben. Unter dem Deckmantel der erneuerbaren Energie werden gerne – um an Fördergelder zu gelangen – die ökologischen Bedingungen nicht ausreichend betrachtet. Es werde auch gern mit dem sogenannten „grünen Strom“ geworben. Grigoleit fragt: „Ist dieser Strom wirklich grün?“ Dann fügt er hinzu: „ Salopp gesagt, um ein paar Straßenlaternen mit Energie zu versorgen, werden irreparable Schäden und dauerhaft negative Auswirkungen für die Entwicklung des Ökosystems der Bode in Kauf genommen.“ Für die Angler sei der Strom in dem Fall nicht grün, sondern rot, weil in den Turbinenblättern unzählige Wasserbewohner ihr Leben lassen müssten.

„Wozu werden steuerfinanzierte Fachkonzepte wie das Gewässerentwicklungskonzept erarbeitet, in denen die negativen Auswirkungen von Verbauungen fachlich begründet werden, dann aber bei den Projekten an der Bode nicht ausreichend beachtet?“, fragt der Pressesprecher.

Den Mitgliedern des Vereins ist bewusst, dass sich das Vorhaben noch lange hinziehen kann. „Unsere Überlegungen sollen als Anstoß dienen“, sagt Grigoleit. „Es bringt ja nichts, an einer Stelle anzufangen, es muss ein gemeinsames Konzept her. Dazu sind wir gesprächsbereit.“