Osterwieck l Die Dörfer haben das Förderprogramm der Dorferneuerung, die Osterwiecker Altstadt den Städtebaulichen Denkmalschutz. Wollen die Stadtväter in Osterwieck aber außerhalb des Altstadtgebietes etwas anpacken, greift (außer bei übergeordneten Straßen) bisher kein Förderprogramm. Es müsste also alles aus eigener Stadtkasse bezahlt werden oder alles beim alten bleiben. Dabei ist der Sanierungsbedarf an Häusern und kommunalen Straßen am Stadtrand genauso groß wie in der Altstadt. Vor allem rings um das Gebiet der früheren Zuckerfabrik.

Detlef Schönfeld, Bau-Fachbereichsleiter im Rathaus, muss nicht lange überlegen, welche städtebaulichen Missstände es gibt. Die gepflasterte Bahnhofstraße, die unübersichtliche Kreuzung an der Post, der sanierungsbedürftige Parkplatz am Einkaufszentrum, der nur halbsanierte Busbahnhof, das alte Postamt, das riesige leerstehende Druckereigebäude, mehrere Brachflächen, die alte Bahntrasse, die kaum noch bewohnten Mehrgeschosser Vor dem Kapellentor.

Die Aufzählung ist damit noch nicht beendet. „Es gibt erheblichen Bedarf, hier etwas zu machen“, unterstreicht Schönfeld. Zumal hier mit Einkaufsmärkten und Busbahnhof eigentlich der belebteste Bereich von Osterwieck ist.

Energetisches Konzept liegt seit 2014 vor

Planerisch wäre die Stadt vorbereitet, was aber fehlt, ist die Aufnahme in ein Förderprogramm zur Umsetzung. 2014 kam sie in ein Programm „Energetische Stadtsanierung“, mit dessen Hilfe ein energetisches Konzept für das 18,3 Hektar große Gebiet rings um die Bahnhofstraße erarbeiten werden konnte. Rund 50 Gebäude stehen hier mit meist überalterter Wärmeerzeugung. Aber das sind eben erstmal nur Planungen.

So wie es Ideen zur baulichen Aufwertung gibt. Natürlich mit der Sanierung der Bahnhofstraße, mit Seniorenwohnungen in der alten Druckerei, einer weitere Wohnbebauung nördlich der Bahnhofstraße. Oder einem Radweg auf der einstigen Bahntrasse.

Die Förder-Lösung für die Bauvorhaben war zunächst ein Programm namens „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“. Doch um dort reinzukommen, muss man zwingend im Programm „Stadtumbau Ost“ sein. Dieser Aufnahmeantrag der Kommune ist aber abgelehnt worden, obwohl die Stadt ausdrücklich keinen Cent aus dem Stadtumbau-Programm haben wollte. Es ging nur um die formale Aufnahme, um ins andere Programm zu gelangen.

2018 gestellter Förderantrag abgelehnt

Das Landesverwaltungsamt orientierte daraufhin auf das Programm „Soziale Stadt“. Der für 2018 gestellte Antrag ist aber auch abgelehnt worden. Trotz der vielen Absagen hegt die Stadt Hoffnung, nun vielleicht 2019 aufgenommen zu werden. Der Antrag ist gestellt, eine Entscheidung dürfte aber erst gegen Jahresende fallen.

Finanziell sieht man sich vorbereitet. Im Haushalt ist eine Position „Projekt Soziale Stadt – Bahnhofstraße Osterwieck“ verankert. Bis 2022 sind im Etat Bauvorhaben für insgesamt über 900.000 Euro vorgesehen, wobei man mit 600.000 Euro Fördermitteln rechnet. Ein städtebaulicher Missstand ist seit Beginn der Bemühungen doch schon beseitigt worden, allerdings auf private Kosten von Investoren. Die Wohnhaus-Ruinen der alten Zuckerfabrik sind abgerissen worden, an der Stelle entstand der neue Aldi-Markt nebst Parkplätzen.

Ein weiteres Vorhaben, das ursprünglich über das Projekt Bahnhofstraße abgewickelt werden sollte, wird 2019 über die Altstadtsanierung umgesetzt. Es geht um die Verlängerung des Fritz-Gille-Weges. Damit entsteht ein Fußweg abseits des Straßenverkehrs von der Stadtmitte bis zum Einkaufszentrum.