Halberstadt l Eine große Bagger­schaufel frisst sich ­derzeit mitten durch einen über 40 Jahre alten Plattenbau an der Maxim-Gorki-Straße in Halberstadt. Bereits im Vorjahr ist das Nachbarhaus abgerissen worden. Die Wohnungsbaugenossenschaft Halberstadt (WGH) hat grünes Licht für den Rückbau des Gebäudes gegeben. Ein Prozedere, das angesichts des demografischen Wandels (Bevölkerungsrückgang) zum Konzept der WGH gehört, um das Wohngebiet in die Zukunft zu führen, wie WGH-Chef Karl-Heinz Schönfeld sagt. Dazu gehören auch die Aufwertung und Neubauvorhaben.

Flucht aus den Plattenbauten

Lange Zeit zählte das Wohngebiet zwischen Richard-Wagner- und Wilhelm-Trautewein-Straße nicht zu den bevorzugten Wohngebieten in Halberstadt. In den 1970er und 1980er Jahren ist es aus dem Boden gestampft worden, weil Wohnungsnot herrschte. Nach der Wende 1989 setzte die große Flucht aus den einst begehrten Wohnungen ein. Hunderte sind mittlerweile verschwunden. Wohnraum, der nicht mehr benötigt wurde. Die Wohnungsbaugenossenschaft Halberstadt hat den Standort trotzdem nie abgeschrieben und stellt sich den Herausforderungen des Stadtumbaus.

Neubau setzt Zeichen für Klimaschutz

Insgesamt 234 Wohnungen hat die WGH im besagten Gebiet vom Markt genommen. Gleichzeitig sind nac ­Information von WGH-Vorstand Karl-Heinz Schönfeld 265 Wohnungen in der Wilhelm-Trautewein-Straße und in der Maxim-Gorki-Straße modernisiert und aufgewertet worden. Auf einer Fläche, auf der vor mehr als zehn Jahren Wohnhäuser abgerissen wurden, ist der Neubau „An den Platanen“ entstanden. Das Gebäude mit 27 Wohnungen steht ganz im Zeichen des Klimaschutzes und des sparsamen Umgangs mit Energie. „Das Gebäude ist das erste Mehrfamilien-Passivhaus in dieser Größe in Halberstadt“, sagt Karl-Heinz Schönfeld. Ein extrem niedriger Energiebedarf ist Standard, der Einsatz von Wärmepumpen und erneuerbaren Energien schont sowohl das Klima als auch den Geldbeutel der Nutzer, so Schönfeld.

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„In dem vom Stadtrat Halberstadt beschlossenen Stadtumbaugebiet Richard-Wagner-Straße/Bahnhofsvorstadt betreiben wir Stadtentwicklung aus einem Mix von Rückbau, Aufwertung und Neubau“, betont der WGH-Chef. Bislang habe das Unternehmen dort für Aufwertung und Neubau etwa 20 Millionen Euro investiert. „Der Rückbau schlägt mit etwa einer halben Million Euro zu Buche.“ Leider habe nur die WGH im Sinne des Ratsbeschlusses bislang im besagten Areal investiert, bedauert Schönfeld. Der andere große Vermieter, die HaWoGe, habe ihre 305 Wohnungen verkauft.

Entwicklungsstrategie für Stadtteil geht

Das die Wohnungsbaugenossenschaft mit ihrer Entwicklungsstrategie kein Geld in den Sand gesetzt, sondern gut investiert hat, beweise der Fakt, dass der Wohnstandort mittlerweile wieder gut nachgefragt sei. „Die aufwendig sanierten Wohnungen mit neuen Personenaufzügen erfreuten sich hoher Nachfrage. Sie sind alle vermietet“, berichtet WGH-Vorstand Karl-Heinz Schönfeld.

Der Neubau „An den Platanen“ sei drei Wochen nach Vermietungsbeginn Anfang Februar dieses Jahres zu 75 Prozent vermietet gewesen. Für die verbliebenen vier Wohnungen würden derzeit die letzten Vorbereitungen zum Vertragsabschluss mit den Nutzern laufen.