Definition

Frühgeburt

Von einer Frühgeburt ist die Rede, wenn das Kind vor Vollendung von 37 Schwangerschaftswochen geboren wird oder bei der Geburt weniger als 2500 Gramm wiegt.

Die Grenze zur Lebensfähigkeit ist nach aktuellem medizinischem Stand zwischen der 23. und 25. Schwangerschaftswoche erreicht.

Sternenkinder

So werden Kinder genannt, die vor, während oder kurz nach ihrer Geburt sterben. Früher war der Begriff noch enger gefasst und galt nur für Babys, die bei der Geburt weniger als 500 Gramm wogen. Verwendet werden auch die Begriffe Engelskinder und Schmetterlingskinder.

Quellen: www.frauenaerzte-im-netz.de, www.trauer.de

Halberstadt l Bunte Stoffe mit fröhlichen Mustern und in leuchtenden Farben liegen bereit. Die beiden Organisatorinnen lächeln um die Wette. Ab 11 Uhr erwarten sie am 19. Oktober 2019 Handarbeiterinnen zu einem Treffen in Halberstadt. Nicht zu irgendeinem – die Sachen, die gefertigt werden, werden an Krankenhäuser gespendet. Und an Bestatter. Die Frauen nähen, stricken, häkeln und basteln für Frühchen und Sternenkinder.

„Das Treffen wird aber weder still, noch traurig. Es wird viel gequatscht und gelacht werden“, versichert Anne Borkmann. Die Neuhalberstädterin ist Pressesprecherin des Vereins Herzenssache und kenne deshalb die Ängste und Befürchtungen derjenigen, die zum ersten Mal an einem Nähtreffen des Vereins Herzenssache teilnehmen.

Noch immer ein Tabu-Thema

Gerade Sternenkinder seien noch immer ein Tabu-Thema, sagt die 36-Jährige, selbst zweifache Mutter. Wie spricht man mit Eltern, die so einen Schicksalsschlag erlebt haben, wie geht man mit ihnen um? Fragen, mit denen viele Menschen nicht umgehen können. „Manchmal muss man gar nichts sagen. Umarmen reicht“, sagt sie. „Oder eben etwas tun, das Trost spendet.“ Kleidungsstücke, Deckchen oder auch Karten können so etwas erreichen.

Bilder

Denn oft kommen Sternenkinder sehr klein zur Welt. Kleidung, die es im Laden zu kaufen gibt, passt ihnen nicht. „Eltern haben in solchen Momenten ganz andere Sorgen, als etwas zu finden, was die richtige Größe hat“, gibt Anne Borkmann zu bedenken. Gleiches gilt für Paare, deren frühgeborene Babys auf der Intensivstation liegen.

Darum, diesen Müttern und Vätern eine Sorge abzunehmen, kümmert sich der Verein seit 2015. 300 Mitglieder und 1300 Unterstützer fertigen Strampler, Hosen, Mützen, Deckchen, Schuhe und vieles von Größe 32 bis 48. Mittlerweile versorgt der Verein laut Borkmann rund 25 Prozent der Kliniken mit Geburtsstation in Deutschland – auch das Harzklinikum in Wernigerode und das Ameos-Klinikum in Halberstadt. Zudem gehen die Sachen an Bestatter und können von Sternenkind-Familien bestellt werden. Alles kostenlos.

Bei dem Treffen in Halberstadt werden unter anderem Nikolausstiefel gefertigt, mit der Eltern von Frühchen überrascht werden sollen, berichtet Anne Borkmann. Die 38-Jährige ist selbst begeisterte Näherin. Dadurch ist sie auch auf Herzenssache aufmerksam geworden. „Ich habe nach einer sinnvollen Möglichkeit gesucht, wie Stoffreste verwendet werden können“, berichtet sie.

Brautkleid als Stoffspender

So ähnlich war es bei der diesmaligen Gastgeberin Tanja Güldner, die seit dem 24. August einen Stoffladen in der Gröperstraße in Halberstadt betreibt. „Ich bin darauf gestoßen, dass man aus Brautkleidern Taufaufleger für Sternenkinder nähen kann und darüber auf den Verein aufmerksam geworden.“

Um selbst für Herzenssache zu nähen, fehle ihr oft die Zeit, deshalb freue sie sich, heute ihr Geschäft für den Treff zur Verfügung stellen zu können. Und der ist gut gefragt. Anmeldungen aus Halberstadt und Wernigerode sind bereits eingegangen, die weiteste Anreise wird wohl eine Teilnehmerin aus Leipzig haben.

„Um 11 Uhr sind wir völlig ausgebucht mit Anmeldungen“, berichtet Güldner. „Aber ab 13 Uhr freuen wir uns auf weitere Teilnehmer.“ Nähmaschinen und Wolle sollen mitgebracht werden. Schnittmuster und Stoffe sind vorhanden.