Halberstadt l Mal eben in zweiter Reihe geparkt, das Auto auf dem Gehweg abgestellt oder vor dem Supermarkt gleich Stellplätze gleichzeitig blockiert: Das Parkverhalten einiger Autofahrer hat wohl schon so manchen geärgert und Kopfschütteln ausgelöst. Und nicht immer sind Ordnungshüter in der Nähe, um das Fehlverhalten zu tadeln –was nicht heißt, dass nicht trotzdem ein Knöllchen unter dem Scheibenwischer landet. In immer mehr Orten verteilen Bürger private Strafzettel – auch Mitglieder der Harzer Blitzergruppe, einer Facebook-Gemeinschaft mit rund 17.750 Mitgliedern.

Die Idee für die weißen und orangenen Strafzettel mit den deftigen Sprüchen darauf hatte Gruppen-Initiator Denny Behrend schon vor einigen Jahren. Wie er berichtet, reagieren die Empfänger sehr unterschiedlich – mit Verständnis, Humor oder Pöbeln. „In jedem Fall denken sie über ihr Verhalten nach“, so Behrendt. Nicht selten landen Fotos von den „Strafzetteln“ in der Internet-Gruppe und werden dort diskutiert.

Private Knöllchen

Ist die Nachfrage nach solchen Strafzetteln groß? „Das kommt wellenmäßig. Wenn irgendwo einer auftaucht oder das Thema gerade wieder im Netz hochkocht, kommen sogar Anfragen aus Bayern“, berichtet Behrendt. Erst vor wenigen Wochen wurden private Knöllchen in der Region wieder viel diskutiert. So wurden falsch geparkte Autos in Magdeburg mit roten Aufklebern versehen. Der Text darauf: „Park doch wo du sollst“. Kurz zuvor wurden in Barby (Salzlandkreis) rote „Strafzettel“ von Unbekannten verteilt.

Grundsätzlich verboten sind solche privaten Knöllchen nicht, sagt Kriminalrätin Nadine Sünnemann vom Polizeirevier Harz. „Solange keine strafrechtlichen Taten vorgenommen werden“, schränkt sie ein. Rechtliche Konsequenzen habe der Empfänger nicht zu befürchten. „Aber vielleicht haben solche Zettel eine gewisse präventive Wirkung.“ Andererseits könne es aber auch zu Auseinandersetzungen zwischen Fahrzeughalter und Knöllchenaussteller kommen und zu Zuweisungen wie „Du hast mein Auto beschädigt kommen.“ Die Kriminalrätin rät deshalb dazu, das Ordnungsamt über Falschparker zu informieren.

Auf der Interseite der Stadt Halberstadt steht zum Beispiel ein Formular dazu bereit, informiert Ralf Fleischhauer, Leiter der Halberstädter Ordnungsabteilung. Auch könne ein Foto des Vorfalls geschickt werden. „Aber“, gibt Fleischhauer zu bedenken, „wer so etwas anzeigt, muss auch als Zeuge zur Verfügung stehen, falls der Fall vor Gericht landet“. Das schrecke viele ab. Häufiger seien da Anrufe von Bürgern, die sich an bestimmten Stellen mehr Präsenz des Ordnungsamtes wünschten, weil dort häufig Falschparker aktiv seien. „Wir versuchen dem nachzugehen, aber die Personaldecke lässt wenig Spielraum zu.“ Gegen private Knöllchen habe er grundsätzlich nichts. „Sofern sie keinen amtlichen Anschein machen.“