Halberstadt l Eine Aufgabe, eine Ausschreibung – diese Zeiten sind längst vorbei. Die Baufirmen, die die schwierigen wirtschaftlichen Zeiten überlebt haben, haben volle Auftragsbücher. Und oft nur noch knapp bemessene Mitarbeiterzahlen, die Suche nach Fachkräften ist längst Realität geworden. Alles Fakten, die neben dem oft hohen bürokratischen Aufwand abschrecken, sich um Aufträge der öffentlichen Hand zu bewerben. So ist es für Auftraggeber wie die Stadt Halberstadt zu einer fast alltäglichen Erfahrung geworden, Bauleistungen wieder und wieder ausschreiben zu müssen.

Das betrifft längst nicht mehr nur die Baugewerke im Hochbau, wie zum Beispiel bei der Sanierung der Diesterweg-Grundschule, sondern auch die Tiefbauaufträge. Jüngstes Beispiel ist die Anbindung des Industriegebietes Ost an die Ortsumgehung Halberstadt/Harsleben. Der Bau dieser Zubringerstraße samt Umbau der Kreuzung Gessnerstraße/Osttangente ist vom Stadtrat beschlossen, die Gelder dafür sind eingestellt, Fördermittel beantragt.

Kein neuer Antrag

Insgesamt, so die Schätzungen der Stadt, wird das Vorhaben samt Vermessung, Planung und Baugrundkosten rund 737 000 Euro kosten. Die Baukosten selbst machen davon rund 567 000 Euro aus, so die Kostenermittlung Mitte März dieses Jahres, die auch die Grundlage für den Fördermittelantrag ist. Gut 492 000 Euro schießt das Land zu, eine Förderquote von 90 Prozent. Sollten neue Fördergeldanträge notwendig werden, weil sich der Bau zu weit nach hinten verschiebt, könnten es auch nur noch 60 Prozent Zuschuss sein, so, wie es bei Straßenbauvorhaben meist der Fall ist. Der Bewilligungsbescheid sieht eine Bauausführung im Jahr 2019 vor.

Deshalb will die Stadt auch keinen neuen Antrag stellen, obwohl die Baukosten sich bereits nach oben bewegen, ohne dass auch nur ein Bagger vor Ort ist. Denn eine aktuelle Kostenberechnung durch das beauftragte Planungsbüro sieht mittlerweile 599 000 Euro als realistisch an.

Neuschätzung

Die Neuschätzung erforderlich machte eine gescheiterte Ausschreibung. Zwei Firmen gaben Angebote ab, ein Angebot musste wegen Formfehlern ausgeschlossen werden, das zweite Angebot lag bei fast 700 000 Euro und wurde als überteuert ausgeschlossen. Nun muss die Ausschreibung also wiederholt werden. „Wir verbinden das zugleich mit einer längeren Umsetzungsfrist“, berichtete Manfred Wegener, „denn alle Firmen, mit denen wir im Gespräch sind, haben gesagt, dass sie bis Ende September auf keinen Fall fertig werden können. Deshalb wollen wir die Fertigstellung auf Ende Oktober verschieben“. Der Abteilungsleiter Tiefbau der Stadtverwaltung berichtete bei einer gemeinsamen Sondersitzung von Finanz- und Hauptausschuss über die aktuellen Entwicklungen bei diesem Bauvorhaben und schätzte die Bauzeit auf gut drei Monate. Wenn der Auftrag vergeben werden kann und die Anbindung im Oktober fertig ist, könnte das zusammenfallen mit der Freigabe des zweiten Bauabschnitts der Ortsumgung. „Die Bauleute vor Ort rechnen zurzeit mit Oktober als Fertigstellungstermin“, so Wegener.

Doch wie soll die Kostensteigerung von 47 000 Euro (inklusive aller Baunebenkosten) bezahlt werden? Aus einem Posten im Stadthaushalt, in dem Geld eingeplant ist für Aufträge zur Werthaltung, die an Fremdfirmen vergeben werden, informierte Wegener die Ausschussmitglieder. Die bewilligten einstimmig die Auszahlung dieser Summe. Weil die Stadt noch keinen Haushaltsplan für 2019 beschlossen hat, müssen solche Einzelausgaben von Ausschüssen und Stadtrat bewilligt werden.