Langenstein l Mit einem Schreck sind die Langensteiner noch einmal davon gekommen, als Ende August ein Felsen auf den Fußgängerweg zwischen der Bahnhofstraße und Am Sommer­bad gefallen ist. Der tonnenschwere Sandstein hat zum Glück niemanden verletzt. Im Dorf wächst indes die Kritik, dass die Stadtverwaltung Halberstadt ­Wochen verstreichen lässt und nichts zur Sicherung des Felsens unternehmen würde. Der Fußgängerweg ist bis heute gesperrt, der Felsabbruch ­nicht beseitigt und blockiert immer noch den Weg.

Felsbewuchs muss weg

„Ich habe absolut kein Verständnis dafür, dass die Verantwortlichen so viel Zeit verstreichen lassen und nichts zur Beräumung beziehungsweise Sicherung des Felsens unternehmen“, kritisiert Siegfried Schwalbe während der Bürger­fragestunde der jüngsten Tagung des Ortschaftsrats am Dienstagabend. Um künftig Felsabbrüche in Langenstein zu vermeiden, muss unbedingt der Bewuchs auf dem Felsen entfernt werden. „Büsche und Bäume treiben ihre Wurzeln in den weichen Sandstein. Dann muss man sich nicht wundern, dass es immer wieder zu Felsab­brüchen kommt“, sagt der Langensteiner.

Ortsbürgermeister Jürgen Meenken (CDU): „Die Gefahr eines Felsabbruchs kann nie zu 100 Prozent ausgeschlossen werden. Ein erhöhtes ­Risiko ist jedoch nur durch regelmäßiges Entfernen von Bewuchs gewährleistet.“ Das gilt für alle Felsformationen im Ort. Auf die Frage, warum die Absturzstelle noch nicht beräumt ist, habe die Stadtverwaltung ­darauf hingewiesen, dass man damit die Bürger auf die Gefahren hinweisen will.

Eigentümer ist gefragt

„Es muss dringend eine ­Lösung her. Vor allem muss der Bewuchs auf den Felsen regelmäßig entfernt werden, sonst haben wir jedes Jahr neue Probleme. Der Eigentümer muss sich kümmern“, fordert Ortsrätin Cordula von Rhade (fraktionslos). „Der Felsen an der Straße am Sommerbad ist städtisches Eigentum. Es war nicht der erste Abbruch. Wir haben viele Felsen in Langenstein und damit akuten Handlungsbedarf“, formuliert Ortsrat Holger Werkmeister (FDP) indirekt eine Forderung an die Stadt.

Die Stadtverwaltung sei in den zurückliegenden Wochen nicht untätig gewesen, erwidert Timo ­Günter, für Gemeindeangelegenheiten zuständiger Fachbereichsleiter der Stadtverwaltung Halberstadt. Während der jüngsten Dienstberatung bei Oberbürgermeister Andreas Henke (Die Linke) sei entschieden worden, die Planung und Bauüberwachung an das Ingenieurbüro IBH-Herold & Partner zu vergeben, das einschlägige Kenntnisse und Erfahrungen auf diesem Gebiet habe. „Die Fachleute waren bereits mit Felsensicherungsarbeiten in Langenstein betraut und kennen sich vor Ort aus“, so Timo Günter.

Büro soll Lösung erarbeiten

Das Büro soll eine Problemlösung erarbeiten, die unmittelbar an die bereits vor etwa drei Jahren ausgeführte Sicherung an der Straße Am Sommerbad anknüpft. Die geotechnischen Rahmenbedingungen entsprechen den damaligen Verhältnissen. Die Kosten nur für die Planung belaufen sich auf 4700 Euro, hieß es aus der Stadtverwaltung. Dabei sind noch nicht die Kosten für die anstehenden Sicherungsarbeiten berücksichtigt. Der Volksstimme liegt eine Information vor, dass dafür etwa 50 000 Euro notwendig seien. Ein Zeitplan würde noch nicht vorliegen.

Der Sandsteinfelsen entlang der Straße Am Sommerbad ist seit mehreren Jahren ein Sorgen­kind im Ort. Dort gab es bereits mehrere kleinere Abbrüche. Über Jahre war daraufhin ein Fußgängerweg vorsorglich abgesperrt worden.

Daraufhin entschloss sich die Stadt Halberstadt, den Felsen aufwendig sichern zu lassen. Das erfolgte im September 2015. 75 000 Euro flossen damals in das Vorhaben. Die Felswand wurde von einer Bergsicherungsfirma auf einer Länge von etwa 50 Metern gesichert. Vorher wurden die Bäume gefällt.

Nicht der erste Felssturz

Ein weiterer Felssturz ­ereignete sich im Dezember 2016. Damals löste sich ein tonnenschweres Gesteinsstück unterhalb der Altenburg, krachte auf eine Fußgänger­brücke und zerstörte sie teilweise. Auch damals gab es wie durch ein Wunder keine Verletzten, obwohl es sich um einen beliebten Wanderweg handelt. Mithilfe des Stadt- und Landschaftspflegebetriebes Stala und dank einer privaten Initiative wurde der Weg beräumt. Der private Eigentümer des Ausflugzieles Altenburg weigerte sich, die Sicherung der Altenburg zu bezahlen. Ein Problem, das bis heute nachwirkt. Bestrebungen, den Aufgang zur Altenburg für Ausflügler mit einem Geländer zu sichern, laufen bislang ins Leere.