Magdeburg/Rübeland l An drei Tagen Ende August hat die Rappbodetalsperre im wahrsten Sinne des Wortes unter Beobachtung gestanden. Wissenschaftler haben die Algenmenge und Verteilung auf dem Gewässer sowie die spektralen optischen Eigenschaften der Wasseroberfläche überprüft.

Breit angelegte Messaktion

Koordiniert wird die breitangelegte Messaktion vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Magdeburg. Das Vorhaben bildet ein Gemeinschaftswerk, berichtet dessen Departmentsleiter Seenforschung Karsten Rinke.

Beteiligt sind die Technische Universität München, die Universität Kiel, das Helmholtz-Zentrum Geesthacht (Schleswig-Holstein), die Hochschule Anhalt in Bernburg, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Köln (DLR), das Leibnitz-Institut für Gewässer-ökologie und Binnenfischerei in Berlin sowie die beiden Softwareentwickler EOMAP mit Sitz in Seefeld im oberbayerischen Landkreis Starnberg und Brockmann Consult GmbH aus Geesthacht. Eng kooperiert wird dabei mit dem Talsperrenbetrieb Sachsen-Anhalt in Blankenburg und dem Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft in Magdeburg.

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Allerdings paddelten die Wissenschaftler nicht nur auf die Talsperre hinaus, um Proben zu entnehmen. Sie bedienten sich gleichzeitig des europäischen Satellitenprogramms Copernicus. An zwei Tagen fanden laut Rinke jeweils mittags Überflüge statt. Der Leiter: „In der Datenauswertung geht es vor allem darum, wie gut die Satellitenaufnahmen geeignet sind, an der Wasseroberfläche zu messen.“

Fünf Gewässer untersucht

Die Forscher hatten dazu ihre Instrumente gleichzeitig in vier weiteren großen Gewässern landesweit installiert – Arendsee, Talsperre Kelbra, Geiseltalsee und Süsser See. Karsten Rinke: „Sie wurden ausgewählt, weil sie sehr unterschiedliche Algenkonzentrationen aufweisen.“ Rappbodetalsperre und Geiseltalsee sind dabei die „Saubermänner“, der Arend- see und die Talsperre Kelbra dagegen „grüne Brühen“.

Copernicus verfügt über ein leistungsstarkes Spektrum von Erdbeobachtungssatelliten. Diese werden zwar vorwiegend zur Inspektion der Landoberflächen und des Ozeans eingesetzt, können aber genauso gut auch den Zustand der Binnenseen erfassen. Der Experte: „Dies wird zwar in vielen anderen Staaten bereits im Gewässermanagement genutzt, steckt in Deutschland aber noch in den Kinderschuhen.“

Die Methode hat Vor-, aber auch Nachteile. Positiv ist die gute zeitliche Abdeckung durch Überflüge in Abständen von zwei bis drei Tagen. Außerdem sind die Satellitenprodukte frei verfügbar und deshalb kostengünstig. Zudem haben sie eine hohe räumliche Auflösung.

Nur ohne Wolken

Negativ wirkt sich der Umstand aus, dass das Ganze lediglich dann funktioniert, wenn keine Wolken am Himmel sind. Und, so Karsten Rinke: „Der Satellit sieht nur die Bedingungen an der Wasseroberfläche.“

Die Ziele der Kampagne waren erstens die Erfassung der Gesamtalgenmenge und zweitens die Detektion (Ermittlung) von Blaualgen. Der Departementsleiter: „Die Algenmenge ist ein Indikator für die Nährstoffbelastung eines Gewässers.“ Ist dieses beansprucht, kann es eutropieren, sprich überdüngen, und deshalb unter gewissen Umständen sogenannte „Blaublütenalgen“ ausbilden. Dies wiederum führt zu Problemen wie Badeverboten, zum Beispiel erst jüngst im Barleber See in Magdeburg.

Die Initiative hatte laut Rinke im Übrigen noch einen weiteren Zweck. Es ging darum, die unterschiedlichen beteiligten Wissenschaftsdisziplinen vom Atmosphärenphysiker bis zum Gewässerökologen mit den entsprechenden Behörden zusammenzubringen.