Halberstadt l Die Gelegenheit hat sich Jörg Lindemann nicht entgehen lassen. Im August entdeckte er in einem Versteigerungskatalog den Wasserturm an der Wehrstedter ­Brücke in Halberstadt. „Plötzlich bot sich die Chance, dass ich mir meinen Wunsch, Turmbesitzer zu werden, erfüllen kann.“ Der aus Schönwalde-Glien bei Berlin stammende Unternehmer hat für 37 000 Euro den Zuschlag für den Wasserturm erhalten. Das Mindestgebot lag bei 19 000 Euro. Der Halberstädter Thomas Schwarz, der das technische Denkmal 2007 von der Deutschen Bahn AG erworben hatte, hat das Bauwerk vor etwa vier Wochen versteigern lassen.

Kein wirtschaftlicher Druck

Einen konkreten Plan, wie der 34 Meter hohe Turm künftig genutzt werden soll, hat Jörg Lindemann bislang noch nicht. Wirtschaftlichen Druck, das Bauwerk unbedingt gewinnbringend vermarkten zu müssen, hat der Unternehmer nicht. Unter diesem Aspekt habe er den Turm auch nicht erworben.

Turm soll weiter zugänglich sein

„Fest steht nur, dass ich ihn nicht verschlossen halten und die Öffentlichkeit aussperren möchte. Im Gegenteil, ich will auf alle ­Fälle für die Bürger und die Stadt etwas machen.“ Dazu könnten mehrmals im Jahr Tage der offenen Tür, verbunden mit einem Turmfest, gehören. Jörg Lindemann hat aufmerksam verfolgt, wie groß das Interesse der Halberstädter und Gäste der Stadt an dem Denkmal ist. Allein am vergangenen Sonntag waren zum Tag der offenen Tür, zu dem Altbesitzer ­Thomas Schwarz eingeladen hatte, etwa 700 Interessierte gekommen.

„Ich bin dankbar für ­Ideen und Vorschläge zur künftigen Nutzung. Möglich wäre auch die Gründung eines Turm-Vereins. Probleme, den Wasserturm als Werbeträger zu vermarkten, wie es Thomas Schwarz bereits getan hat, hat Jörg Lindemann nicht. „Ich will allerdings keine ­Litfaßsäule daraus machen.“

Vor zwei Jahren in das Wahrzeichen verliebt

Am Donnerstag dieser ­Woche haben sich Käufer und Verkäufer zur offiziellen Schlüssel­übergabe getroffen. Ein Tag, auf den sich Jörg Lindemann gefreut hat. Erstmals betrat er sein neues Eigentum und konnte den Turm von innen in Augenschein nehmen. „Ich bin glücklich. Der Wasserturm ist etwas ganz Besonderes“, zeigt sich der neue Besitzer beeindruckt. Verliebt hat er sich bereits vor zwei Jahren in dieses Halberstädter Wahrzeichen direkt an der B 81. Seit 2015 hat der Mann aus Schönwalde bei Berlin geschäftlich in Halberstadt zu tun. Seine Firma Aaron Immobilien GmbH besitzt in der Kreisstadt Grundstücke. „Immer wieder bin ich in den letzten Jahren am Turm vorbeigefahren und fand ihn einfach toll.“

Thomas Schwarz, der viel Engagement und Geld in die Rettung des 1911 erbauten und bis 1989 zur Wasserversorgung von Dampflokomotiven genutzten Turms investiert hat, empfiehlt dem neuen Besitzer, sich der rostenden Kugel anzunehmen. Der elf Meter im Durchmesser große und etwa 600 000 Liter fassende Behälter benötigt einen neuen Anstrich.