Nathan der Weise

● Klassiker von Gotthold Ephraim Lessing

● 1779 veröffentlicht, 1783 in Berlin uraufgeführt

● es ist Lessings letztes Werk, mit dem er für religiöse Toleranz plädiert

Inhalt:

Das Haus des Judens Nathan brennt nieder. Seine Tochter Recha wird von einem Tempelherrn aus den Flammen gerettet. Die beiden verlieben sich. Doch Nathan reagiert abweisend auf die Gefühle – obwohl er für Toleranz und Gleichberechtigung bekannt ist. Hat er Skrupel, seine Tochter mit einem Christen zu verheiraten? Oder ist sein Handeln weise Voraussicht?

Derweil hetzen religiöse Fanatiker einander auf. In dieser Atmosphäre zweifelt sogar der muslimische Herrscher Saladin an Nathans wahrer Absicht.

Letztlich ist alles noch verworrener: Nathan, Recha, der Tempelherr und Saladin sind enge Verwandte.

● Premiere ist am Sonnabend, 14. Oktober, um 19.30 Uhr, Großes Haus Quedlinburg

● In Halberstadt ist die Inszenierung erstmals am Freitag, 20. Oktober, um 19.30 Uhr im Großen Haus zu sehen.

Mehr Infos unter: harztheater.de/nathan

Quelle: Nordharzer Städtebundtheater

Halberstadt l Er ist ein aufbrausender, ein richtiger Hitzkopf – wenn es die Rolle verlangt. Für die des Tempelherren in „Nathan der Weise“ muss Jonte Volkmann Wut in unterschiedlichen Facetten zeigen. Das Stück feiert am morgigen Sonnabend Premiere in Quedlinburg.

Es ist die erste Premiere, die der 26-Jährige am Nordharzer Städtebundtheater miterlebt. Seit dieser Spielzeit gehört der Mime zum Ensemble. Während der Proben für „Nathan der Weise“ hat Volkmann gute Gelegenheit, seine neuen Kollegen kennenzulernen. „Die Rolle kommt mit so ziemlich allen Charakteren, die auf der Bühne stehen, in Kontakt“, erläutert er.

Entscheidung nicht bereut

Bislang bereue er die Entscheidung, ans Nordharzer Städtebundtheater zu kommen, nicht. Im Gegenteil. „Es wurde mir leicht gemacht“, sagt er und lächelt. „Es ist schon jetzt bei einigen schwer zu sagen, wer noch Kollege oder schon Freund ist.“

Liegt vermutlich daran, dass der „echte“ Jonte Volkmann nicht so impulsiv wie seine Rolle ist. „Ich bin eher ruhig, ein Kopfmensch“, sagt er. Für einen Schaupieler sei es aber wichtig „sich in der Rolle wiederzufinden und die Rolle in sich“.

Vom Beruf begeistert

Die Begeisterung für seinen Beruf ist ihm anzumerken – dabei hatte er zunächst eine andere Karriere für sich geplant. „Ich habe eine Ausbildung zum Erzieher“, berichtet Volkmann, der in Minden (Nordrhein-Westfalen) geboren wurde. Die Arbeit mit Kindern war „unglaublich schön“. Doch besonders die Zeit, in der er Jugendliche aus schwierigen Situationen betreute, sei noch spannender und intensiver gewesen. Er schließe nicht aus, irgendwann in den Beruf zurückzukehren. „Aber nicht in naher Zukunft. Dafür genieße ich mein Leben gerade viel zu sehr.“

Und das hat er seinem Zwilling zu verdanken. „Mein Bruder ist schuld, ich wollte nie auf die Bühne“, verrät er und lacht. Damals waren die beiden 15 Jahre alt. Sein Bruder spielte Theater. Jonte Volkmann interessierte sich mehr für die Technik hinter der Bühne, half dort aus. Dann wurde ein Zwillingspaar für eine Inszenierung von Erich Kästners „Emil und die Detektive“ gesucht. Regisseur und Bruder überzeugten Jonte Volkmann, sich als Darsteller zu probieren. Mit Erfolg: Für 13 Produktionen blieb er Mitglied des Ensembles der Freilichtbühne Porta Westfalica, gründete mit Freunden eine freie Schauspielgruppe. Schließlich studierte er vier Jahre lang an der Theaterakademie Vorpommern auf der Insel Usedom.

Vom Harz begeistert

Von der Insel in den Harz – wie gefällt es ihm? „Sehr gut“, schwärmt er. Als Hobby-Fotograf sei er von seiner neuen Wahlheimat Quedlinburg begeistert – die Stadt und die Region bieten so viele Motive. „Ich bin vorher nie viel gewandert, aber das werde ich wohl bald mal in Angriff nehmen“, kündigt er an.

Aber zunächst heißt es Text büffeln und das Lampenfieber, das er immer habe, in den Griff bekommen. „Obwohl ich Lampenfieber genieße, die Spannung und die Aufregung.“ Die dürfte bei dieser Premiere noch ein wenig größer sein: Mutter, Bruder und Schwester werden im Publikum sitzen, um zuzusehen, wie Jonte Volkmann Wutausbrüche bekommt.