Halberstadt l Es gibt Dinge, die treiben Waltraud Hammer um. Immer noch. Die Halberstädterin ist seit Jahren im Tierschutz aktiv, mittlerweile als Vorsitzende des Halberstädter Tierschutzvereins. „Wir helfen den Tieren, die sich ja nicht selbst helfen können“, umreißt sie das Credo der Vereinsarbeit.

Aus diesem Anspruch heraus hatte sich der Verein entschieden, neben der Fundtierunterkunft auch ein Katzenhaus zu errichten und die Hunde aus der Fundtierunterkunft der Stadt artgerecht zu vermitteln. „Denn zu letzterem ist die Stadt nicht verpflichtet“, sagt Hammer. Hunde gelten juristisch als Fundsachen, obwohl Tiere mittlerweile im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) nicht mehr als Sachen eingestuft sind. „Wir gehen mit unseren Einrichtungen im Sinne des Tierschutzgesetzes über den Rahmen des BGB hinaus“, so die Halberstädterin.

Unterkunft besteht seit 1996

Die Stadt hat 1996 eine Fundtierunterkunft eingerichtet, weil sie laut Gefahrenabwehrverordnung herrenlose, ausgesetzte oder ausgerissene Hunde einfangen und sicher unterbringen muss. Im Jahr 2005 vereinbarten Stadt und Tierschutzverein, die Zusammenarbeit über die ehrenamtlichen Gassigänger hinaus auszuweiten. Seither kümmert sich der Verein sich um die artgerechte Tiervermittlung. Vor allem Frauke Becker sei zu verdanken, dass gut 500 Hunde wieder in liebevolle Hände vermittelt werden konnten, wenn sich der eigentliche Besitzer nicht mehr meldete.

„Den Aufwand dieser Arbeit können Außenstehende kaum abschätzen. Vorkontrollen bei potenziellen Haltern, die Vermittlung selbst mit Schutzvertrag und Schutzgebühr. Dazu kommen die Fahrten zum Tierarzt, um die Hunde impfen, chipen – und wenn es finanziell geht - auch kastrieren zu lassen“, erläutert Waltraud Hammer. Sie hofft, dass es einem neuen Vereinsmitglied gelingt, die Lücke zu füllen, die Frauke Becker hinterlässt, nachdem sie diese Arbeit niedergelegt hat. Auch die Operationen für kranke und schwerer verletzte Schützlinge müssen organisiert und finanziert werden, dazu komme die Öffentlichkeitsarbeit und das Einwerben von Spenden. „Wir sind alle ehrenamtlich tätig und zahlen nicht einmal Aufwandsentschädigungen zum Beispiel für die vielen Fahrten zum Tierarzt. Alles Geld, was wir einnehmen, dient der Verbesserung der Lebensbedingungen der Fundtiere und ihrer ärztlichen Betreuung.“

Während die Stadt für die Hunde zumindest die Unterkunft vorhalten muss, ist die Arbeit im Katzenhaus komplett spendenfinanziert. Das fing beim Bau des Hauses an und hört bei der Futterbeschaffung nicht auf. „Wir geben prinzipiell keine kranken Welpen oder erwachsene Tiere heraus, deshalb stapeln sich bei uns viele Arztrechnungen, die noch zu bezahlen sind“, sagt Hammer. Sie weiß, das viele Mitmenschen dieses Engagement nicht nachvollziehen können. „Warum schläfert ihr die Viecher nicht einfach ein“, werde sie oft gefragt. Abgesehen davon, dass das für viele Tierfreunde völlig unvorstellbar ist, wären auch damit Kosten verbunden. Und immerhin ist in den vergangenen Jahren für 101 Katzen ein neues Zuhause gefunden worden.

Aufnahmekapazität beschränkt

Waltraud Hammer betont, dass das Katzenhaus kein Tierheim sei. „Wir haben nur eine sehr beschränkte Aufnahmekapazität, hier können keine Katzen einfach so abgegeben werden. Wir nehmen Tiere mit Fundtieranzeigen über die Feuerwehr, das Ordnungs- oder Veterinäramt auf. Oder Tiere in Not.“ Deshalb werden vom Verein keine frei lebenden Katzen eingefangen. „Oft werden wir ziemlich barsch aufgefordert, die Katzen wegzufangen, aber das ist überhaupt nicht unsere Aufgabe.“ Sicherlich seien Kastrationen ein guter Weg, um die Katzenpopulation einzugrenzen, „aber dafür muss erstmal das Geld da sein.“ Und ein 60 Mitglieder zählender Verein könne nicht alles allein stemmen. Zumal auch noch der Bürodienst mittwochs abgesichert werden muss. Im Büro gehen oft Hinweise auf schlechte Haltungsbedingungen ein.

Neben den ehrenamtlich Aktiven gelingt es immer mal wieder, Mitarbeiter über den Bundesfreiwilligendienst zu gewinnen oder über die Unterstützung durch die KoBa Jobcenter Harz. Manche dieser so gewonnenen Mitarbeiter bleiben nach Beendigung der KoBa-Finanzierung für den Verein aktiv. So berichtet Hammer von Brigitte Schütze, die vier Jahre lang in der Fundtierunterkunft mitarbeitete und dies nun schon seit zwei Jahren ehrenamtlich weiterführt.

Stolz ist die Vereinschefin darauf, das mit Andrea Cornelius, Christine Klinger und Andrea Hübner, drei Vereinsmitglieder ihren Sachkundenachweis für Tierheimpfleger bei der Akademie für Tierschutz in Neubiberg erworben haben.