Halberstadt l Mitten im Herzen der Stadt sind Töne aller Art zu erleben, wenn es wieder heißt: Willkommen zu Ton am Dom. Ton ist dabei in mehreren Bedeutungen zu erleben – als Werkstoff für die Töpfer, und als Klang. Klang von Musik, oder von den Vortragenden bei Führungen, beim Kochen, Grillen und Plaudern zwischen den mehr als 50 Ständen auf dem Domplatz.

„Wir haben erreicht, was wir wollten“, sagt Uwe Schellbach von der Töpferinnung Sachsen-Anhalt, „Kollegen, die den Markt mit ins Leben gerufen haben, kommen immer noch sehr gerne nach Halberstadt und es gibt immer wieder neue Bewerbungen“. Der Blankenburger Töpfer erinnert sich gemeinsam mit seinem Halberstädter Kollegen Hans-Georg Grube an die Anfänge, als vor elf Jahren zum ersten Mal zu Ton am Dom nach Halberstadt gebeten worden war. „Inzwischen hat sich herumgesprochen, dass wir hier einen der schönsten Töpfermärkte Deutschland haben. Es ist ein ganz besonderes Ambiente am Fuße des Doms. Zudem klappt das Zusammenspiel mit der Stadt in allen Organisa­tionsfragen super“, sagt Schellbach.

Keramik aus Ungarn und Belgien

Und so haben die beiden Keramiker jedes Jahr aufs Neue die Qual der Wahl, wer denn einen der begehrten Standplätze bekommt. Schließlich will man jene, die sich zu Beginn trauten und ein Risiko eingingen, nicht verärgern, aber dennoch soll Neues zu entdecken sein. „Und das ist uns dieses Jahr gelungen. Wir haben fünf neue Werkstätten dabei“, sagt Schellbach. Darunter ein belgisches Atelier, das die Kunst der Kristallglasur, die Königsdisziplin der keramischen Glasuren, in Perfektion beherrscht. Neben einem ungarischen Kollegen gibt es nun also einen zweiten Stand mit diesen besonderen Keramiken.

Doch nicht nur Töpfer sind diesmal vertreten Man wolle, sagt Schellbach, auch anderes altes Handwerk präsentieren. So werde „ein guter Korbflechter“ zu Gast sein, ein Bäcker mit frisch gebackenem Brot, ein Tischler mit Holzspielzeug und ein Blaudrucker.

Während Blaudruck eine Stofffärbekunst ist, widmet sich am Samstag, 6. Juli, ein besonderes Spektakel der schwarzen Kunst, dem Buchdruck. „Den gibt es in Halberstadt nachweislich seit 500 Jahren“, berichtet Annegret Loose. Die Bibliothekarin des Gleimhauses bereitet eine kleine Sonderausstellung für den 6. Juli vor, mit zwei Kurzführungen zur Halberstädter Druckgeschichte. „1519 wurde in Halberstadt eine erste Druckerei gegründet. Die Halberstädter Bibel ist bis heute ein bekanntes Beispiel dieser alten Kunst“, so Annegret Loose. Ihr Mann Jörg Loose ergänzt, dass man ein halbes Jahrtausend Tradition besonders würdigen wollte. Weshalb es am 6. Juli nicht nur die Führungen gibt, bei der ein Blick auf Erzeugnisse aus allen in Halberstadt tätigen Druckereien möglich sein wird.

Gautschfest als Hommage

Noch heute gibt es zwei Druckereien in der Stadt ein Fakt, der angesichts des Druckereisterbens in Deutschland besonders zu würdigen sei, sagt Loose. Und der mit einem alten Brauch der Druckerzunft gefeiert werden solle, einem Gautschfest. Jörg Loose will noch nicht all zu viel verraten, berichtet aber, dass es schwer war, dieses auf die Beine zu stellen. Zum einen war es gar nicht so einfach, ein Fass aufzutreiben, das sich fürs Gautschen eignet. Und auch „Gautschmaterial“ war schwer zu finden, soll heißen, Lehrlinge, die sich dieser alten Zeremonie der Gesellenfreisprechung unterziehen.

Doch es sieht so aus, als ob alles klappen könnte, damit am 6. Juli um 14.30 Uhr das große Gautschfest starten kann, und zwar ganz in der Nähe des Gleimhauses, in dem die alten Drucke zu sehen sein werden.

Bewährtes und neue Herausforderung

Das Spektakel wird Töne ganz eigener Art erzeugen, die sicher auch in den Dom schallen. Dort wird es an beiden Tagen des Stadtfestes kurze Konzerte geben. „Bewährtes wie Dudelsack und Orgel oder das Turmblasen, aber auch Neues wie ein kurzes Konzert mit Knopfakkordeon und Orgel“, kündigt Domkantor Claus-Erhard Heinrich an. Auch er stellt sich bei den Konzerten neuen Herausforderungen – er wird gleichzeitig Orgel spielen und einen Schellenkranz schlagen. Das allerdings nicht zum Gottesdienst am Sonntag, bei dem gleich mehrere Jubelkonfirmationen gefeiert werden.

Und so ein großes Kultur­event in Halberstadt kann nicht stattfinden ohne das Theater, ist dessen Intendant Johannes Rieger überzeugt. Schon seit Beginn der Ton-am-Dom-Reihe war das Städtebundtheater mit im Boot, hob den kulinarischen Theaterabend im Kreuzgang der Liebfrauenkirche mit aus der Taufe. In diesem Jahr wird die Premiere der Komödie „Döner zweier Herren“ zu erleben sein.

Ob sich der Gastronom vom Titel inspirieren lässt? Jens Ganso schmunzelt bei der Frage, auf jeden Fall wird es beim Buffet ein bisschen in Richtung Orient gehen, sagt er. Ansonsten werde auf dem Domplatz von süß bis herzhaft eine große Auswahl kulinarischer Köstlichkeiten angeboten.