Wienrode l „Wir freuen uns über das große Interesse. Alle Führungen waren schnell ausgebucht.“ Die Worte von Marco Matthes, im Wasserwerk Wienrode Unternehmensbereichsleiter für den Betrieb Ostharz und damit der Chef vor Ort, sprechen für sich. Matthes und sein Team hatten bei ihrer Einladung ins Wasserwerk insbesondere die Einwohner von Sangerhausen im Blick. Sie beziehen seit dem Spätsommer 2018 auch Trinkwasser aus der Rappbodetalsperre – qualitativ hochwertig und sehr weich. Endlich, so der Tenor in der Bergbaustadt, in der das Trinkwasser im Sommer knapp geworden war.

Brunnenwasser knapp und mit Uran belastet

„Die extreme Trockenheit machte der Stadt arg zu schaffen. Brunnen und Flüsse waren so gut wie am Ende. Außerdem war das Brunnenwasser dort stark uranhaltig“, so Matthes. Nun fließe aufbereitetes Wasser aus der Rappbodetalsperre über eine 60 bis 70 Kilometer lange Pipeline dorthin.

In der Talsperre seien derzeit über 60 Millionen Kubikmeter Wasser vorhanden. Die Produktion für 2018 schätzt Matthes auf 47 bis 48 Millionen Kubikmeter. „Es ist also noch reichlich Wasser vorhanden. Die Hauptzuflusszeiten wegen hoher Niederschläge sind im Winter und Frühling.“

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Erste Pläne aus den 1930er Jahren

Nicht nur Marco Matthes führte Besucher durch das Werk, sondern auch ehemalige Mitarbeiter. Dazu gehörte Dieter Gambke, der bis 2013 vor Ort Unternehmensbereichsleiter war. Er informierte eingangs über die Geschichte. Bereits in den 1930er Jahren lag ein Plan für den Bau der Talsperre auf dem Tisch. 1952 war dann Baubeginn der Rappbodetalsperre, 1959 die Fertigstellung. Die Arbeiten am Wasserwerk Wienrode konnten 1964 beendet werden. Ein Jahr später erfolgte die Inbetriebnahme.

Heute sei es eines der größten Wasserwerke seiner Art in Deutschland. Das wertvolle Nass wird im gesamten südlichen Sachsen-Anhalt verteilt. Wienrode ist Trinkwasserlieferant für Stadtwerke, Zweckverbände sowie große Industrieabnehmer. Letztlich trinken mehr als eine Million Menschen in Mitteldeutschland Wasser aus dem Harz.

Wasserqualität wird überwacht

„Die Wasserqualität wird durch viele Proben stets überwacht. Spurenstoffe wie zum Beispiel Algen müssen herausgefiltert werden“, betonte Gambke. Um das zu verdeutlichen, führte er seine Besuchergruppe unter anderem in die Halle mit 48 Filterbecken. Diese sind jeweils 16 Meter lang und drei Meter breit. Das Rohwasser läuft von oben nach unten durch den Quarzsand. Dieser Sand wird, wenn er selbst verschmutzt ist, gereinigt, indem er mit Wasser und Luft in entgegengesetzter Fließrichtung rückwärts gespült wird.

Zum Finale durften die Besucher einen Blick in die mit vielen Computern und Monitoren zur Überwachung sämtlicher Vorgänge ausgestatteten Schaltwarte werfen. „Jedes Glied in der Kette muss funktionieren. Man kann hier kein Auge zumachen. Das ist eine sehr verantwortungsvolle Arbeit“, betonte der Ex-Chef.

Besucher von Führung begeistert

„Ich habe mich für den Termin angemeldet, da ich mein Wasser nun auch aus Wienrode bekomme. Es war eine sehr interessante Führung, bei der die vielen technischen Sachverhalte verständlich erklärt wurden“, sagte Susann Bellmer aus Sangerhausen. Werner Sturm aus Blankenburg: „Ich habe früher hier gearbeitet und viele Objekte mit aufgebaut. Es ist natürlich alles moderner geworden, vor allem die Reinigung des Wassers.“