Halberstadt l Jeder Deutsche verbraucht im Jahr durchschnittlich 207 Einweg-Plastikflaschen – das sind unglaubliche zwei Millionen Stück pro Stunde. Eine der Folgen: Laut einer Studie der Ellen MacArthur Foundation könnte im Jahr 2050 die Menge an Plastik die Menge der Fische in den Weltmeeren übersteigen. Landet Plastikmüll doch auf verschiedenen Wegen in den Ozeanen.

Plastikmüll vermeiden helfen

Um diesem bedenklichen Trend etwas entgegenzusetzen, hat die Grafikerin und Webdesignerin Stephanie Wiermann im März 2017 das Refill-Konzept nach Hamburg gebracht, viele andere deutsche Städte folgten schnell. Ursprünglich stammt die Idee aus Bristol, mittlerweile gibt es über 1.300 Stationen in 65 Orten in ganz Deutschland. Der Grundgedanke ist simpel: Durstige können in teilnehmenden Einrichtungen – meist Cafés, Bars oder Shops – kostenfrei Leitungswasser in ein mitgebrachtes Gefäß auffüllen lassen. Zu erkennen sind die Refill-Stationen an einem blauen runden Sticker mit dem Logo, einem Wassertropfen, in der Mitte. Die Refill-Stationen werden außerdem auf der offiziellen Internetseite markiert.

Student initiiert Angebot

Auch in Halberstadt kann man seit Anfang April in teilnehmenden Einrichtungen seine mitgebrachte Flasche mit Leitungswasser auffüllen. Organisiert wird die lokale Initiative von Corado Stock. Der Lehramtsstudent und gebürtige Halberstädter hat bereits im Oktober mit der Planung begonnen und Sponsoren für das Projekt gesucht – vor allem, um die Sticker zu finanzieren, die die teilnehmenden Stationen markieren. Letztlich hat der Oberbürgermeister Andreas Henke (Die Linke) die Kosten für die Aufkleber übernommen. Corado Stock hat anschließend eine Seite zur Refill-Halberstadt-Aktion auf Facebook erstellt und mögliche Stationen angefragt.

Nach Magdeburg Nummer zwei

Mit dem Naturkostladen „Regenwurm“ im Grauen Hof war der erste Partner schnell gefunden. Die Besitzerin Kathleen Schneider ist begeistert vom Gedanken, Trinkwasser für durstige Besucher zur Verfügung zu stellen: „Ich finde, es ist eine nette Geste, dass Leute, die unterwegs sind, vorbeikommen und sich Wasser auffüllen können. Außerdem ist es toll, dass so Müll vermieden wird“, erklärt sie.

Nach Magdeburg ist Halberstadt die zweite Stadt in Sachsen-Anhalt, in der das Projekt umgesetzt wird. 13 Stationen gibt es mittlerweile in und um Halberstadt – dazu zählen Shops wie die Buchhandlung Schönherr, Bars wie das Café Canapé, aber auch andere Einrichtungen wie die Bahnhofsmission und das Soziokulturelle Zentrum Zora.

Mitmachen kann jeder

In den kommenden Wochen soll das Trinkwasser-Netz noch weiter wachsen. Der 28-jährige Corado Stock ist positiv überrascht von der Resonanz – fast alle angefragten Partner haben zugesagt und waren sofort begeistert von der Idee. Mitmachen kann jeder Laden, „der Zugang zu einem Wasserhahn hat“, erklärt Stock. „Es wäre schön, wenn es noch mehr Einrichtungen gäbe, die sich an der Aktion beteiligen.“ Bei Interesse kann per E-Mail an halberstadt@refill-deutschland.de ein Sticker angefragt werden.