Langenstein l Einen verzweifelten Hilfeaufruf startete vor einigen Tagen Langensteins Ortsbürgermeister Jürgen ­Meenken (CDU) in der ­WhatsApp-Gruppe Langenstein: „Unsere Schäfer brauchen dringend Futter für die Merino Schafherde. Wer kann helfen?“ Nach monatelanger Trocken­heit ist im Weiderevier der Merinos, 240 Hektar im Vorharz und Harz, kaum mehr ein grüner Halm zu finden. 900 Tiere schieben Hunger.

„Das verbrannte Gras füllt zwar die ­Mägen, es macht aber nicht satt, und wichtige Nähr­stoffe fehlen völlig“, informiert ­Vereinsvorsitzende Frauke ­Meenken. Notschlachtungen habe es noch nicht gegeben. ­Allerdings hat der Verein die männlichen Jungtiere, die Anfang des Jahres geboren wurden, in diesem Jahr früher verkaufen müssen als sonst. „Sie haben nur noch abgenommen.“

Futterquellen gesucht

Schwerwiegender ist, dass jetzt die Deckzeit ansteht und die weiblichen Schafe dafür gut genährt sein müssen. „Ist das nicht der Fall, dann werden die Schafe nicht trächtig und der Nachwuchs bleibt aus“, befürchtet Frauke Meenken. Daher versucht der Verein händeringend, Futterquellen für die Herde zu erschließen.

Die Tiere benötigen dringend gehaltvolles Futter. Daher hat der Verein den Hilferuf gestartet. „Wir bitten alle Bürger, die uns helfen möchten und können und Obst übrig haben, dieses zu spenden“, appelliert Frauke ­Meenken. Äpfel und Birnen sind mehr als willkommen. Trotz der Trockenheit tragen Obstbäume derzeit eine reiche Ernte. Entlang der Straßen und Feldwege, an denen ­Obstbäume stehen, liegen massen­weise Äpfel und Birnen und verkommen. „Selbst können wir leider nicht sammeln, dafür fehlen uns die Leute und die Zeit“, so die Vereinsvorsitzende. Daher ist der Verein auf Unterstützung angewiesen. Obst kann direkt auf dem Milchhof Meenken in Langenstein (Ortsausgang in Richtung Gedenkstätte Langenstein-Zwieberge) abgegeben werden. „Wir richten einen Platz ein, wo das Obst abgeladen werden kann“, sagt Frauke Meenken.

Hilfe haben die Merinos auch von der Forst erhalten. Mit deren Erlaubnis können die Schafe bis an den Waldrand heran weiden, was sonst verboten sei. Dort finden die Tiere unter anderem ­Eicheln und andere Waldfrüchte. „Außerdem versuchen wir stillgelegte Flächen, sogenannte Vorrangflächen, zu nutzen. Dafür müssen allerdings erst das Land Sachsen-Anhalt und die Eigentümer grünes Licht geben“, berichtet die Vereins­chefin. Das koste derzeit viel Zeit und angesichts der dramatischen Futterlage zähle jeder Tag.

Elektrozäune ohne Erdung

Die Dürre verursacht aber auch Sicherheitsprobleme. Aufgrund des knochentrockenen Bodens haben die Elektrozäune, mit denen die weidenden ­Schafe gesichert sind, keine Erdung. „Damit stehen sie nicht unter Spannung und die Schafe brechen aus“, so Frauke Meenken. Die drei Schäfer, die mit den Tieren auf Tour sind, müssen die Pfosten extra wässern, dann klappt es.