Halberstadt l Trotz des Sturms haben am Donnerstag etwa 40 Interessierte den Weg ins Rathaus gefunden, um an der ersten Runde zur Erarbeitung des ­neuen Verkehrskonzeptes für die Halberstädter Innenstadt teilzunehmen. Verkehr ist in der Kreisstadt ein Reizthema, das fast täglich von allen, egal ob Fußgänger, Radfahrer oder Kraftfahrer, diskutiert wird. Kritikpunkte gibt es viele: Ampelschaltungen, verstopfte Straßen, fehlende Fußgänger- und Radwege beziehungsweise vernünftige Übergänge und ­deren Verknüpfungen. Die Stadt Halberstadt stellt sich jetzt der anspruchsvollen Thematik. Das geschieht nicht hinter verschlossenen Türen. Die Halberstädter sind ausdrücklich aufgefordert, sich aktiv zu beteiligen.

Wer auf eine trockene Informationsveranstaltung mit Langeweile-Effekt eingestellt war, lag an diesem Tag völlig daneben. Stattdessen herrschte angeregte Arbeits­atmoshäre im Ratssitzungssaal. Bürger, Fachleute und Stadträte saßen beziehungsweise standen zu Diskussionsrunden an Tischen und Info-Tafeln. Meinungen und Vorschläge wurden zu Papier gebracht, deren Für und Wider besprochen, kleine ­Papierfähnchen auf Stadtpläne gesteckt, um Problempunkte im Innenstadtbereich Halberstadts zu markieren. „Es ist immer besser, miteinander zu reden als übereinander“, ­betonte Thomas Rimpler, Fachbereichsleiter Stadtplanung. Davon machten die Gäste regen Gebrauch.

108 Zettel mit Verkehrsproblemen

Eineinhalb Stunden später lagen 108 Zettel mit Verkehrsproblemen in der Innenstadt vor – so wie sie die Bürger wahrnehmen. Die Hitliste führten mit 76 Hinweis-Zetteln Rad- und Fußgängerwege an, gefolgt von 50 zu Ampelschaltungen und Leistungsproblemen der Straßen, die mit dem Verkehr überfordert seien. Gut zu funktionieren scheint hingegen der Öffentliche Personennahverkehr (Busse und Straßenbahn), für den es nur neun Hinweise gab. Ein Schwerpunkt ist nach Meinung der Teilnehmer beim Thema Verkehrs­sicherheit der Bereich Georgenstraße/Woort. Dazu würden fehlende Radwege beitragen und der Druck durch die unbefriedigende Parkplatz-Situation im Umfeld des Ameos-Klinikums. Die Kreuzung Röderhofer Straße/Sargstedter Weg sei gefährlich wegen teils fehlender Rad- und Fußwege. Für die vielbefahrene Heinrich-Julius-Straße und den Hohen Weg wurden bessere Querungsmöglichkeiten für Fußgänger und eine Verbindung zur historischen Innenstadt eingefordert sowie das zu hohe Tempo des Verkehrs angemahnt. Weitere Kritikpunkte waren das für Fahrzeuge zu enge Westendorf sowie die Qualität der Straßen in der Altstadt, wo am häufigsten die Voigtei mit ihrem Kopfsteinpflaster auftauchte.

Die Mitarbeiter der mit der Erarbeitung des Verkehrskonzeptes beauftragten beiden Planungsbüros aus Berlin, Magdeburg und Dresden wollen diese Hinweise in den kommenden Wochen auswerten und in ihre Arbeit zur Erstellung des neuen Verkehrskonzeptes mit einfließen lassen.

Verkehrskonzept soll Anfang 2019 vorliegen

Bereits in den frühen 1990er Jahren ist das erste Verkehrskonzept in Halberstadt beschlossen und 2003 fortgeschrieben worden. „Das Papier ist in die Jahre gekommen und eingestaubt“, betonte ­Thomas Rimpler. Ziel des neuen Konzeptes sei, Fußgänger und den Verkehr zu fördern sowie die Reduzierung des Idividualverkehrs unter der Maßgabe, dass wichtige Ziele in der Innenstadt nach wie vor für Bürger und Gäste erreichbar sind. Außerdem sollen Verkehrsflächen neu aufgeteilt und die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum verbessert werden. „Die Erhöhung der Sicherheit und des Sicherheitsempfindens der Bürger ist ein wichtiger Bestandteil. Eine Hauptrolle zur Verkehrsentlastung der Innenstadt spielt künftig der sogenannte Innerstädtische Verkehrsring, den es bislang nur auf dem ­Papier gibt. Er soll ertüchtigt werden, um den Durchgangsverkehr in der Innenstadt zu verringern. Das sind immerhin mehrerer Tausend Fahrzeuge an einem Wochentag.

„Anfang 2019 soll das ­Verkehrskonzept auf dem Tisch liegen“, berichtete Thomas Rimpler. Dann wird es in den Fachausschüssen des Stadt­rates sowie im Stadtrat diskutiert und beschlossen.

Ausbau nur auf Grundlage des Konzepts

Auf die Frage, ob die Gefahr besteht, dass das Konzept auf Grund fehlender Gelder nicht umgesetzt werden kann und damit ein Papiertiger bleibt, sagte Thomas Rimpler: „Wir müssen in den kommenden Jahren viele Straße ausbauen. Wenn dies geschieht, dann natürlich auf Grundlage des ­neuen Verkehrskonzeptes.“

Wer die erste Bürgerrunde zur Erarbeitung des neuen Konzeptes verpasst hat, für den besteht in den kommenden Monaten die Möglichkeit, an einer zweiten teilzunehmen.