Halberstadt l Der Name Halberstadt ist Verwaltungen im gesamten Bundesgebiet ein Begriff. Im besten Sinne. „Wir bekommen sehr viele positive Rückmeldungen“, berichtet Thomas Schneidewind. Er ist der Dekan des Fachbereichs Verwaltungswissenschaften der Hochschule (HS) Harz, der gerade sein 20-jähriges Bestehen feiert. „2100 Studenten haben wir seit 1998 zum Abschluss verholfen“, berichtet der Professor stolz. Etwa ein Drittel der Studenten sei nach der Ausbildung im Land geblieben, andere hätten in Verwaltungen von Bremen bis Bayern einen Job gefunden.

Ausstellung erinnert an bewegte Geschichte

Dass diese Vielzahl an Studenten einen Abschluss in Halberstadt erreichen konnte, hing zeitweise am seidenen Faden – was nicht unbedingt den Leistungen der Männer und Frauen geschuldet war. Eine aktuelle Ausstellung in den Hochschulräumen fasst die bewegte Geschichte der Institution zusammen.

So wurde der Fachbereich Verwaltungswissenschaften im Oktober 1998 in der Domstadt gegründet. Damit erhielt Sachsen-Anhalt eine Sonderstellung: Es war das erste Bundesland, das die Verwaltungsausbildung für den Gehobenen Dienst an einem eigenen Fachbereich einer allgemeinen Hochschule anbot.

Start in Milchwirtschaftsschule

Zunächst fanden die Vorlesungen in der alten Milchwirtschaftsschule in der Wilhelm-Trautewein-Straße statt. Rund 100 Studenten schrieben sich im Wintersemester 1998/99 dafür ein. Im Jahr darauf waren es schon 431 und die Zahl stieg stätig.

Dennoch drohte dem Standort nach vier Jahren das Aus. Im Kultusministerium des Landes gab es Pläne, den Fachbereich nach Wernigerode zu verlagern, sodass die HS Harz nur noch aus einem Standort bestanden hätte.

Umzug nach Wernigerode verhindert

Bestrebungen des damaligen NOSA-Geschäftsführers Dietz Kagelmann und des damals amtierenden Oberbürgermeisters Hans-Georg Busch ist es zu verdanken, dass dies verhindert werden konnte. Man wollte eine Möglichkeit finden, die Hochschule in Halberstadt zu halten – weil dies kostengünstiger wäre als ein Umzug nach Wernigerode.

Innerhalb nur eines Monats wurde zusammen mit dem Ingenieurbüro Olaf Herbst sowie den Architekten Ursel Hülsdell und Christoph Hallegger ein Entwurf für einen Neubau am Domplatz vorgelegt.

Gekonnte Kombination

Dieser sah eine Kombination von historisch und modern vor: ein Verbindungsbau zwischen Dompropstei und Domgymnasium, der die Restmauern der ehemaligen Mädchenschule überspannt. Innerhalb von nur 15 Monaten wurde das ambitionierte Projekt umgesetzt. Seit dem Sommer 2004 befindet sich die Hochschule Harz nun direkt zu Füßen des Doms.

Und dabei soll es auch bleiben. „Wir verteidigen diesen Standort. Es ist eine wunderschöne Liegenschaft mit einer großartigen Lage“, schwärmt Thomas Schneidewind.

Direkter Draht ins Rathaus

Nicht nur aufgrund der räumlichen Nähe sei der Draht zum Halberstädter Rathaus kurz. „Die Zusammenarbeit ist sehr gut. Es besteht eine enge Verzahnung mit den Kommunen und dem Land“, betont der 49-Jährige. Dies liege nicht nur daran, dass die Studenten Pflichtpraktika in den Institutionen absolvieren müssen. Zudem gibt es gemeinsame Projekte wie Marketing- oder Radwegekonzepte.

Und: Einige der Dozenten kommen aus der Praxis. Wie Timo Günther. Der Jurist leitet den Geschäftsbereich des Halberstädter Oberbürgermeisters Andreas Henke (Linke). Und er gibt den Studenten der HS Harz in Vorlesungen Einblick in kommunale Rechtsfragen.

Hoher Praxisanteil

„Es ist wichtig, auf solche hervorragenden Leute bauen zu können. Der Praxisanteil hat an einer Hochschule eine hohe Relevanz“, so Thomas Schneidewind. Entsprechend stolz ist er darauf, dass seit diesem Semester zwei Bachlor-Studiengänge – Öffentliche Verwaltung und Verwaltungsökonomie – auch als duales Studium angeboten werden. Die Studenten arbeiten also in einer Verwaltung und studieren parallel dazu an der HS Harz. In beiden Fachrichtungen erhalten die Absolventen neben dem Bachlor die Laufbahnbefähigung für den gehobenen Dienst.

Als klassischer Bachlor-Studiengang wird außerdem Europäisches Verwaltungsmanagement angeboten. Masterstudiengänge gibt es in Vollzeit oder berufbegleitend.

775 Studenten nehmen aktuell die unterschiedlichen Bildungsmöglichkeiten wahr. Unterrichtet werden sie von 13 Dozenten. Es könnten mehr Lehrkräfte sein, sagt Thomas Schneidewind. „Wie alle haben auch wir mit personellen Problemen zu kämpfen.“ Seit zehn Jahren arbeitet der Professor für Public Management an der HS Harz, seit gut sieben Monaten ist er Dekan.