Wegeleben l Die Grabstätten haben längere Zeit keine neue Bepflanzung oder Pflege erhalten. Die Begräbnisstätte liegt in der südlichen Spitze des Wegelebener Friedhofs und ist durch eine durchgehende Kette von direkten Besuchen abgeschirmt. Auf den älteren Grabsteinen sind jeweils mehrere Namen in russischer Schrift vermerkt. Dabei ist die Häufung von Todesfällen um Oktober und November 1941 abzulesen. Ein Stein wurde offensichtlich in jüngerer Zeit erneuert und umfasst Todesfälle von 1941 bis 1945.

Über die Grundlagen für die Pflege dieser Gräber konnte Wegelebens Bürgermeister Hans-Jürgen Zimmer (CDU) keine genaue Auskunft geben und verwies auf die Verwaltung der Verbandsgemeinde. Auch Doreen Mauritz, die die Arbeitsgruppe Chronik (AG) des Kultur- und Heimatvereins „Zum Eulenturm“ leitet, kann dazu bisher wenig aussagen. Die AG bearbeitet gegenwärtig das Thema „Fremdarbeiter/Kriegsgefangene aus Belgien und den Niederlanden in Wegeleben im Zweiten Weltkrieg“. Nach dem öffentlichen Aufruf (Volksstimme berichtete) haben sich schon einige Zeitzeugen gemeldet. „Wegen der Corona-Beeinträchtigungen mussten wir einige Kontakte verschieben und suchen weiterhin Informationen über diese Zeit“, sagte die AG-Leiterin. Dabei geht es um folgende Fragen: Wo befanden sich die Baracken dieser Fremdarbeiter/Kriegsgefangenen? Wann kamen sie nach Wegeleben und wann verließen sie die Stadt? Jetzt sollen auch die sowjetischen Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen in die Recherchen einbezogen werden. Über jeden Hinweis würden sich die Mitglieder der AG Chronik freuen. Auskünfte nimmt Doreen Mauritz per Telefon (03 94 23) 78 79 gern entgegen.

Auf Volksstimme-Nachfrage erläuterte Lutz Prieß vom Projekt „Sowjetische Memorial in Deutschland“ die geltenden gesetzlichen Regelungen. „Für die Erhaltung der sowjetische Kriegsgräberstätten und Ehrenmale sind die zuständigen Kommunen und Bundesländer beziehungsweise Friedhofsträger zuständig“, schrieb er. Bereits im deutsch-sowjetischen Nachbarschaftsvertrag vom 9. November 1990 hat sich die Bundesrepublik Deutschland verpflichtet, sowjetische Denkmäler und Kriegsgräber in Deutschland zu erhalten und zu pflegen. Seit 1992 regelt das Deutsch-Russische Kriegsgräberabkommen die Erhaltung und Pflege der Kriegsgräber in beiden Ländern. Darüber hinaus gilt für sowjetische, wie alle anderen Kriegsgräber in Deutschland, das Gesetz über die Erhaltung der Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft.

„Wir sind ein Museum und haben keinerlei Befugnisse gegenüber den genannten Institutionen, die für Kriegsgräberfürsorge zuständig sind“, betonte Lutz Prieß. Der örtliche Bürgermeister müsse über den Erhalt und die Pflege von Kriegsgräbern generell Kenntnis haben, weil für die Pflege alljährlich eine Pauschale gezahlt wird.

Darüber hinaus sollte bei besonderen Vorfällen oder Verstößen/Missständen das zuständige Büro für Kriegsgräberfürsorge und Gedenkarbeit bei der Botschaft der Russischen Föderation in der Bundesrepublik Deutschland informiert werden. Die Mitarbeiter dieses Büros stehen mit deutschen Dienststellen auf allen Ebenen im direkten Kontakt.

Aus der Verwaltung der Verbandsgemeinde Vorharz wurde diese Verfahrensweise bestätigt. Der Friedhof in Wegeleben sei eine kommunale Einrichtung der Stadt Wegeleben, die von einem Friedhofsmitarbeiter gepflegt wird. Die Stadt erhält für die Gräber Geld. Das wird vom Bauamt verwaltet. Da es in jüngerer Zeit in der Verwaltung eine Umstrukturierung in Sachen Friedhöfe gab, bleibt zu hoffen, dass dabei das sowjetische Gräberfeld nicht vergessen wird.

In der Umgebung von Wegeleben gibt es eine Reihe von Gräbern sowjetischer Opfer aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges. So in Halberstadt am Rande der Spiegelsberge den sowjetischen Ehrenfriedhof mit 525 Opfern. Auf dem städtischen Friedhof soll es Grabstätten für 228 sowjetische Opfer des Zweiten Weltkrieges geben.In Emersleben befindet sich eine Grabstätte für 25 sowjetische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter, darunter neun Kleinkinder. In Schwanebeck gibt es das Grab des Kriegsgefangenen Josef Gwozdechky aus der Ukraine.

Die insgesamt über 4000 Standorte von Gräbern sowjetischer Kriegsopfer sind in dem Projekt „Sowjetische Kriegsgräberstätten in Deutschland“ zusammengefasst. Dies wurde vom Deutsch-Russischen Museum in Berlin Karlshorst und dem Büro für Kriegsgräberfürsorge und Gedenkarbeit der Botschaft der Russischen Föderation erarbeitet.

Aufgrund der seitens der Bundesregierung vorgenommenen Aufgabenteilung ist der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge im Inland nur beratend tätig, setzt sich jedoch im Rahmen des Möglichen und in Zusammenarbeit mit den Friedhofsträgern für die Erhaltung und Pflege der Kriegsgräberstätten im Inland ein.